Oberfranken sucht 3000 Firmenchefs

ie Ursachen, warum Unternehmen an der Nachfolge scheitern, sind vielfältig: Kinder, die kein Interesse zeigen, zu hohe Preisvorstellungen, schlechtes Übergabe-Management und mangelnde Sensibilisierung des Unternehmers, rechtliche oder steuerliche Probleme.

Mit dem Nachfolger-Club der IHK wurden seit 2009 über 370 Firmen in neue Hände gebracht, alleine 110 waren es im letzten Jahr. Doch die Kammer stößt mit ihren Möglichkeiten angesichts der Fülle der anstehenden Übergaben an ihre Grenzen. Deshalb wird nun zusammen mit der Uni eine Machbarkeitsstudie zur Unternehmensnachfolge in Oberfranken gestartet. Bis zum Sommer soll ein Masterplan stehen, mit dem sich die Oberfranken dem bayerischen Wirtschaftsministerium als Pilotregion für dieses Thema empfehlen wollen. Die 40 000 Euro für die Studie bringen die am Projekt Beteiligten gemeinsam auf.

Das wichtigste Wirtschaftsthema überhaupt

Für IHK-Präsident Heribert Trunk ist die Unternehmensnachfolge „das wichtigste Thema in der Wirtschaftswelt überhaupt“. Wenn in den überwiegend kleinen und mittleren Betrieben Oberfrankens die Nachfolgefrage ungelöst bleibt, stehen in der Regel keine Finanzinvestoren bereit, um die Betriebe fortzuführen. „Sie werden mehr oder weniger diffundieren. Das wollen wir vermeiden.“ Aktuell würden 62 Unternehmen in der Region einen Nachfolger suchen. „Das ist eine heikle Sache.“ Die IHK könne im Gegensatz zu bundesweiten Firmenbörsen im Internet aus einer Vertrauensstellung heraus agieren. Für Trunk ist die Nachfolgefrage viel Psychologie. „Mit wem soll ich reden, wo lass‘ ich das raus?“

Angebote müssen sexy sein

Uni-Präsident Prof. Stefan Leible will seine Studenten mehr fürs unternehmerische Denken begeistern und den Gründergeist auf dem Campus stärken. Ein Startup könne zwar schon mal mehr locken, als zu Hause die alte Firma zu übernehmen. Aber der Erhalt der bestehenden Firma sei oft wichtiger und einfacher als die Neugründung. „Ich muss Angebote schaffen, die einfach sexy sind.“

Am Geld muss es nicht scheitern

An Interessenten mangelt es nicht. Seit 2011 gab es 526 Kaufgesuche für Firmen in Oberfranken. Am Geld muss es nicht scheitern, sagt Sparkassenchef Klaus-Jürgen Scherr (Kulmbach-Kronach), der stellvertretender Bezirksobmann der Sparkassen in Oberfranken ist. Bei einem über viele Jahre hinweg funktionierenden Geschäftsmodell sei die Risikoanalyse viel einfacher als bei einer Neugründung. Die Sparkassen habe man nicht lange bitten müssen, bei diesem Projekt dabei zu sein. „Wenn es dem Mittelstand nicht gut geht, dann geht’s uns auch nicht gut.“ Das sieht Karlheinz Kipke, VR-Bank Chef in Coburg und stellvertretender Bezirkspräsident des Genossenschaftsverbands, genauso. Die kleinteilige Firmenstruktur habe viele Vorteile und müsse erhalten werden. „Das ist unsere Kundschaft.“

Die Unternehmensnachfolge zählte schon immer zu den besonders heiklen Fragen der mittelständischen Wirtschaft. Weshalb für Sparkassenchef Scherr die nun begonnene Studie auch „längst überfällig ist“. IHK-Hauptgeschäftsführerin Christi Degen stellte fest: „Das Thema ist als bedeutend erkannt.“

Lesen Sie dazu auch: Neuer Job für den Alt-OB

Der Club der Nachfolger

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Kommentare

Es wird schon einen Grund haben, dass sich keiner für diese Firmen interessiert. Hier funktioniert anscheinend der Markt und die Verwaltung will dieses Marktergebnis nicht haben.
Dieser unsinnige Kommentar wurden ganz offensichtlich abgesondert, ohne vorher den Artikel auch gelesen zu haben.