Oberes Tor bleibt nur ein Schatten

Hartmut Endres nennt das, was er in einem schmalen Streifen vor der Hof-Apotheke gefunden hat, "ein super Ergebnis". Eines, das er "schon gerne vor vier Wochen gehabt hätte", wie er sagt. Seit September graben Endres und seine Archäologen in der Innenstadt. Sie haben sich vorgearbeitet von der Abzweigung der Kanzleistraße bis zum Sternplatz. Dort, wo in Kürze Leitungen ausgetauscht, Hausanschlüsse gemacht werden. Und wo im Anschluss die Gestaltung des Straßenzugs angepasst wird an die Maxstraße.

Viel Brandschutt - viel Bebauung

In dem etwas mehr als einen Meter breiten Graben sind am Dienstag die Archäologen damit beschäftigt, die Fundstellen zu kartieren. "Wir haben eine massive Befundung mit Brandschutt. Und ein Schwellenmäuerchen, das durchaus üblich war in feuchteren Gebieten, um darauf die Holzbebauung aufzubauen", sagt Endres. Was darauf hindeutet, dass durchaus größere Häuser an dieser Stelle gestanden haben. Außerhalb der Stadt. "Wir haben zudem Keramikreste in dem Brandschutt gefunden. Keramik, die möglicherweise aus dem 14. Jahrhundert stammt, sicher aber aus dem 15. und 16. Jahrhundert", sagt Endres. Ähnliche Funde hatte Endres vor ziemlich genau zwei Jahren in der Nähe des Opernhauses gemacht, als er wohl Reste einer Handwerkersiedlung, die vor den Mauern Bayreuths gelegen haben muss, freilegte.

"Super Ergebnis"

Dass die Archäologen bei den leitungsbegleitenden Untersuchungen fündig wurden, sei "ein super Ergebnis", sagt Endres. "Vor allem, weil die hier doch recht massive Bebauung an dieser Stelle nach dem 30-jährigen Krieg einsetzt. Ein Riesenglück, dass wir das nachweisen konnten." Was auch nach dem langen Schnitt entlang der Häuserfront von der Maxstraße 4 bis zum Sternplatz ein Schatten bleibt, ist das Obere Tor: Man habe eher rudimentäre Reste der Torburg greifen können, sagt Endres, der dafür vor gut vier Wochen massive Reste der Zwingermauer gefunden hat. Noch maximal vier Wochen werden die Archäologen die vorbereitenden Untersuchungen machen. "Mitte November möchten wir abschließen", sagt Endres.

Selbst einen Weinschenk muss es vor dem Oberen Tor gegeben haben

Norbert Hübsch, Geschäftsführer des Historischen Vereins für Oberfranken, sagt auf Anfrage unserer Zeit, dass die Befunde von Endres die Richtigkeit der ältesten Stadtansicht Bayreuths, eine Vogelschau aus den Jahren vor 1621, bestätigen. "Eine Bebauung vor der Stadt können wir auch in den Steuerlisten aus dem 15. Jahrhundert greifen", sagt Hübsch. "Bürgerhäuser, Handwerkerhäuser, auch einen Weinschenk am Oberen Tor muss es gegeben haben." Um, wie Hübsch mit einem Augenzwinkern mutmaßt, "noch schnell vor Toresschluss einen Wein dort zu trinken. Vielleicht war der Wein ja vor dem Tor billiger, denn beim Eintritt in die Stadt musste man Zoll zahlen".

Früher hat sich keiner um die Geschichte im Boden gekümmert

Schade, aber im gleichen Maße nachvollziehbar, findet Hübsch, dass vom Oberen Tor bei den Grabungen "keine größeren Sandsteinquader mehr gefunden wurden. Man hat Spuren greifen können, aber keine von einem massiven Gebäude". Vom Oberen Tor, "in den 1740er Jahren verschwunden", wie Hübsch sagt, "weiß man relativ wenig. Im Gegensatz zum Unteren Tor, von dem es ein paar Ansichten gibt". Das Obere Tor war, wie Hübsch sagt, "nach dem 30-jährigen Krieg festungsmäßig umgebaut worden. Es gibt nur in der Form eine Ansicht".

Verwunderlich jedoch sei es nicht, dass der obere Stadteingang ein Schatten der Geschichte bleibt: "Beginnend mit dem 17. Jahrhundert hätten sich die Baulinien der Stadt grundlegend geändert, mit massiven Eingriffen in dem Bereich in der Ludwigstraße ab dem 18. Jahrhundert. Und gerade um den Sternplatz habe es starke Eingriffe in den Boden gegeben, bei denen sich - im Gegensatz zu heute - niemand groß um die Archäologie gekümmert habe. Wie Joachim Oppold, Pressesprecher der Stadt Bayreuth, auf Nachfrage sagt, liegen die Kosten für die umfangreichen Voruntersuchungen "inklusive Planungen und Tiefbau" bei rund 100.000 Euro.

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Kommentare

Die Baugrube in der oberen Maximilianstraße ist nur im Bereich der Kanzleistraßeneinmündung nach der Auffülung mit Asphalt abgedeckt worden. Dann ist anscheinend der Asphalt ausgegangen und es erfolgte nur eine Abdeckung mit Schotter, der sich jetzt auflöst und die Steine in der fliegen in der Gegend herum . Das ist eine grfoße Sauerei und das soll offenbar bis zum Frühjahr so bleiben.
Komisch, warum eigentlich funktioniert die Rechtschreibprüfung bei unserem eifrigsten Prüfer namens Kiepfer _selbst_ nicht?
Komisch, warum eigentlich funktioniert die Rechtschreibprüfung bei unserem eifrigsten Prüfer namens Kiepfer _selbst_ nicht?
Hier besteht im Gegensatz zu Facebook oder zum leider eingestellten KURIER-Forum keine nachträgliche Korrekturmöglichkeit. Daher: Auffüllung, "in der" einmal weniger.
Ganz einfach. Bevor man auf Speichern drückt, das ganze nochmal lesen.
Wir werden alle mal älter und da könnte man schon rechtzeitig anfangen, großzügiger zu sein.
Montag, 13. November 2017 - 11:06