Neutronenstern-Crash beobachtet

Wie die Forscher am Montag mitteilten, ermöglichen die Messungen zahlreiche neue Erkenntnisse, etwa über die Geschwindigkeit der Ausbreitung des Universums oder die Herkunft von schweren Elementen wie Gold, Platin und Blei.

"Alle unsere Träume sind wahr geworden", sagte Alan Weinstein von der Caltech Universität im kalifornischen Pasadena. Vom "Beginn einer neuen Ära" für das Verständnis des Universums sprach Elena Pian vom italienischen Institut für Astrophysik (Inaf). Mit den Erkenntnissen über die Verschmelzung von Neutronensternen wurde eines der großen Geheimnisse des Kosmos gelüftet.

Der beobachtete Crash zweier dieser Sterne, die sich durch ihre extreme Dichte auszeichnen, fand in 130 Millionen Lichtjahren Entfernung von der Erde statt, wie Wissenschaftler unter anderem auf Pressekonferenzen in Washington und im bayerischen Garching mitteilten.

100 Sekunden lang

Die Überbleibsel der Kollision erreichten am 17. August um genau 14.41 Uhr MESZ die Erde. Gemessen wurden sie zunächst in der Form von Gravitationswellen vom US-Detektor Ligo und dem europäischen Observatorium Virgo in Italien.

Registriert wurden die Gravitationswellen über den erstaunlich langen Zeitraum von 100 Sekunden hinweg. Nur zwei Sekunden nach den Gravitationswellen wurde dann am 17. August ein Ausbruch von Gammastrahlen registriert, gefolgt von weiteren Messungen anderer elektromagnetischer Strahlen.

Die gemeinsame Quelle der Lichtphänomene wurde durch den Einsatz zahlreicher Teleskope lokalisiert, darunter solche der Europäischen Südsternwarte ESO, die ihren Hauptsitz in Garching hat und Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste betreibt. Die Fusion der Neutronensterne fand demnach in einer Galaxie mit der Bezeichnung NGC 4993 statt.

Mit Nobelpreis gewürdigt

Gravitationswellen waren erstmals überhaupt vor zwei Jahren nachgewiesen worden - eine Entdeckung, die in diesem Jahr mit den Physik-Nobelpreis für drei US-Forscher gewürdigt wurde. Bei diesen Wellen handelt es sich um Verzerrungen der Raumzeit, die Albert Einstein bereits vor gut hundert Jahren im Rahmen seiner Relativitätstheorie vermutet hatte.

Die in den vergangenen zwei Jahren gemessenen Gravitationswellen stammten jedoch in allen vier Fällen von verschmelzenden Schwarzen Löchern - die Ereignisse dauerten nur ein paar Sekunden und blieben unsichtbar für Teleskope im Weltall und auf der Erde. Nun sei zum ersten Mal "im sichtbaren Licht eine Quelle von Gravitationswellen vermessen" worden, erklärten die ESO-Forscher.

Aufgrund der Daten aus dem Zusammenstoß der Neutronensterne konnten die Wissenschaftler eine neue Messmethode für die Geschwindigkeit entwickeln, mit der sich das Universum ausdehnt. Ferner beobachteten sie, dass der kosmische Crash eine breite Materiespur hinterließ.

Unfassbar kompakt und schwer

Dies deutet darauf hin, dass womöglich die Hälfte der schweren Elemente auf der Erde und im All bei der Fusion dieser unfassbar kompakten Sterne entstanden sind - eine Handvoll Materie von diesen Sternen wiegt soviel wie der Mount Everest.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06