Mondlandschaft mit Riesenkratern

Auf dem Gelände neben der Photovoltaikanlage sind riesige Bohrhämmer zugange. Sie rücken dem steinigen Untergrund zu Leibe. Gigantische Maschine zertrümmern die Felsbrocken. Im weiteren Verlauf des riesigen Grundstückes ist die größte Fläche bereits plan. Peter Scherzer, der Bauherr, fährt mit einem Quad auf der Fläche hin und her, schaut nach dem Rechten, koordiniert die riesigen Maschinen, 25 Arbeiter. 100 000 Kubikmeter Erde müssen bewegt werden. „Die Kabeltrommeln werden wieder abgeholt“, ruft Scherzer einem Arbeiter zu, der gerade eine Rolle Kabel ins Erdreich eingebracht hat.

Gewaltige Bauwerke

Und schon springt Scherzer wieder auf sein Gefährt, brettert in einer Staubwolke davon. „Die Fundamente für das Heizhaus sieht man schon“, sagt er. Allerdings lässt sich nur schwer erahnen, welch gewaltige Bauwerke hier entstehen sollen. Allein das Heizhaus hat einen Umfang von 24 mal 50 Meter. Auf der Fläche direkt im Anschluss soll ein Pufferspeicher entstehen. „Wir brauchen 3000 Kubikmeter Vorratswasser“, erklärt er und fügt noch hinzu, dass dieser Pufferspeicher eigentlich nichts anderes ist als der Boiler in einem Bad – nur eben in anderen Dimensionen. Die gesamte Wasserhaushaltung für die Gewächshäuser ist eine Wissenschaft für sich. Auf der Fläche, die derzeit wegen der Trockenheit an eine Mondlandschaft erinnert, befinden sich riesige Krater. Einer im hinteren, einer im vorderen Bereich. „Das sind die Wasserbecken, in denen wir das Regenwasser auffangen wollen“, erklärt Scherzer. Das größere Wasserauffangbecken soll 50 000 Kubikmeter fassen, das kleinere rund 12 000 Kubikmeter. „Wenn es ausreichend regnet, sollten wir mit diesem Wasser auskommen“, hofft Scherzer. Mit dem Regenwasser werden Gurken, Tomaten und Paprika, die noch in diesem Jahr in Feulersdorf wachsen sollen, bewässert. „Ein Drittel des Gießwassers geht wieder in den Rücklauf. Dieses Wasser wird auf 95 Grad erhitzt. So wird es entkeimt und dann kann man es wieder zum Bewässern der Pflanzen nutzen“, erklärt der Gemüseexperte. Ein ganz besonderes Augenmerk wird dabei auf den Salzgehalt des Wasser gelegt. Denn der Salzgehalt darf nicht zu niedrig sein. „Um so höher der Salzgehalt ist, desto besser schmeckt eine Tomate. Aber wenn er zu hoch ist, dann bekommt die Tomate schwarze Kerne und wird krank“, sagt Scherzer.

Doch nicht nur das Wasser und dessen genaue Analyse sind wichtig. Auch der Kohlendioxidgehalt muss stimmen. Das Kohlendioxid ist ausschlaggebend dafür, dass die Tomaten und das Gemüse auch wirklich wachsen können. Normalerweise liegt der Gehalt bei 300 ppm (Parts per million, das entspricht etwa 0,03 Prozent Anteil in der Luft). Im Gewächshaus soll der Anteil bei 800 bis 1000 ppm liegen. Aus diesem Grund wird tagsüber Kohlendioxid zugeführt.

Pumpleitung nach Weismain

Eine echte Mammutaufgabe ist außerdem die Entsorgung des Abwassers. „Wir bauen eine Pumpleitung nach Weismain. Die kommt uns ziemlich teuer“, sagt Scherzer. „Aber auch das schaffen wir“, ist er überzeugt. Die Kläranlage in Feulersdorf würde die neuen Anforderungen kapazitätsmäßig nicht verkraften können. Aus diesem Grund wird jetzt eine Pumpleitung nach Weismain gebaut. Die Weismainer Verwaltung bestätigt dies. „Wir haben in Weismain eine Kläranlage, die auf 20 000 Einwohnergleichwerte (das ist ein Wert, der die Qualität des Abwassers auch bezüglich ihrer organischen und chemischen Inhaltsstoffe beurteilt) ausgerichtet ist“, sagt Werner Zeis von der Bauverwaltung Weismain. Aktuell werden nur 13 000 Einwohnergleichwerte genutzt. „Wir können also die Gärtnerei, die Wohnungen und auch Feulersdorf aufnehmen“, so Zeis. Dadurch würde Weismain dann doch noch zum Teil von der Ansiedelung der Gemüsebauern Scherzer-Boss profitieren – wenn auch nur indirekt.

Ursprünglich sollten die Gewächshäuser in Weismain entstehen. Eine Bürgerinitiative allerdings hat die Ansiedelung verhindert. Scherzer ist zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr Tomaten, Gurken und Paprika in Feulersdorf gepflanzt werden können. „Wir wollen spätestens im Februar hier in Feulersdorf ernten“, sagt Scherzer, der auch in Feulersdorf wohnen will. Auch das alte Schulhaus in Schirradorf hat der Gemüsebauer gekauft: als Unterkunft für Mitarbeiter.

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