Milchbauern halten nichts von Soforthilfe

Manfred Albersdörfer aus Welluck hält von den finanziellen Versprechen der Regierung nichts. „Dieses Geld wird verpuffen. Da wird uns Milchviehhaltern nicht geholfen sein“, sagt er. Albersdörfer ist Mitglied im Kreisteam Amberg-Sulzbach des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) und dort auch Landesdelegierter. In seinem Stall stehen 60 Milchkühe.

Milchgipfel in Berlin

Beim Milchgipfel in Berlin seien die wirklichen Probleme nicht angegangen worden. „Man muss die Ursache dieser Krise beseitigen“, meint er. Und diese Ursache ist seiner Meinung nach die große Menge der Milch, die produziert wird. Deshalb brauche es eine Mengensteuerung. Albersdörfer findet, dass die Bundesregierung mit der finanziellen Soforthilfe auf Zeit spielt. „Man wartet, dass sich der Markt von selbst wieder dreht.“

Riesiger Verlust

Doch damit sei den Milchbauern nicht geholfen. Dauerhaft helfe den Landwirten nur, wenn ihr Produkt wieder das Geld einbringt. Schon im vergangenen Jahr habe der Verlust der Milchviehhalter 3,1 Milliarden Euro betragen. Die 100 Millionen Euro scheinen da wie ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein. Im süddeutschen Raum liegt der kostendeckende Milchpreis derzeit bei 44 Cent.

Konzept erarbeitet

Auch Christin Schwendner aus Gunzendorf ist im BDM–Kreisteam Amberg-Sulzbach aktiv. Sie ist mit dem Ergebnis des Milchgipfels ebenfalls unzufrieden. „Für mich ist das lachhaft“, sagt sie. Weil der Milchpreis ohne weiteres nicht erhöht werde, hat der BDM gemeinsam mit dem European Milk Board (EMB), einer Interessenvertretung für Milcherzeuger in Europa, ein Konzept erarbeitet. Dieses sieht vor, dass der Bauer einen Ausgleich bekommt, wenn er weniger Milch liefert. Derjenige, der viel liefert, kriegt dann im Schnitt weniger. Das Konzept greift laut Schwendner nur, wenn zu viel Milch auf dem Markt ist.

Keine Lösung für die Misere

Doch weil der Milchpreis so niedrig ist, seien die Landwirte gezwungen, entsprechend viel zu liefern. Deshalb bringe eine Soforthilfe wie die „100 Millionen Euro plus X“ nichts. „Wenn der Preis nicht raufgeht, können die jahrelang weiterzahlen“, so Schwendner. Sie glaubt, dass beim Milchgipfel bewusst keine Lösung für die Misere gefunden wurde.

Franz Kustner, Präsident des Bezirksverbandes Oberpfalz im Bayerischen Bauernverband (BBV), hofft auf das „plus X“. „Wir wissen ja noch nicht, was das plus X ist“, sagt Kustner. Die 100 Millionen Euro seien schon ein gewisser Ansatz, „aber um den Milchmarkt wieder auf die Beine zu bringen, brauche ich Maßnahmen, die auf den Export abzielen“. Damit meint er zum Beispiel, dass neue Märkte erschlossen werden. Diese Maßnahmen sollten dann unter „plus X“ dokumentiert werden.

Weitere Protestaktionen

Da die 100 Millionen Euro keinesfalls ausreichen, müssten zusätzliche Aussagen getroffen werden, was in Sachen Stabilität gemacht wird. Ziel müsse sein, die Milchpreise zu erhöhen. Und das gelinge nur, wenn die Landwirte dem Einzelhandel beweisen, dass sie nicht zu viele Produkte haben. „Wir müssen den Markt aufbauen, dann wird der Milchpreis nach oben ziehen“, so Kustner. Weniger produzieren, sei nur für Deutschland keine Option. Das müsse dann schon europaweit so umgesetzt werden.

Stattdessen müsse nachgedacht werden, welche Mechanismen es für Unternehmen gibt, Milch zu finanzieren. Dafür müsse der Staat Gelder springen lassen.

Die Milchbauern wollen sich mit dem Ergebnis des Gipfels nicht abfinden. Deshalb werden Protestaktionen folgen, sagt Albersdörfer. Gestern sind Bauern zu Molkereien nach Schwarzenfeld und Amberg gefahren, um eine Resolution abzugeben. „Wir kämpfen schon zehn Jahre für ein anderes System“, sagt Albersdörfer. Ziel sei es, dass Familienbetriebe von der Milchwirtschaft leben können. „Wir haben keine andere Wahl, was bleibt uns anderes übrig?“

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Kommentare

Nachfrage und Angebot regeln den Preis...
Warum hat der Bauernverband hier noch kein Konzept am Start? Er war es ja schließlich der die Abschaffung der Milchquotenregelung durchsetzte. Die Bauern sind hier wirklich schlecht vertreten.
Das ist jetzt auch nicht zu 100 Prozent korrekt. Die Abschaffung der Milchquotenregelung wurde hauptsächlich von der EU durchgesetzt.
In welcher Branche gibt es denn eine vergleichbare Kritik an die Konsumenten, weil die sich angeblich nur billige Produkte kaufen wollen?
Deutschland ist der größte Milchproduzent in Europa, die EU ist der größte Milchproduktexporteur in der Welt.
Wen wundert es noch, wenn damit immer wieder große Schwankungen in der Nachfrage entstehen. Und die sollen wir Konsumenten ausgleichen?
Dazu muss man auch wissen, dass die Subventionen der EU 40 % des Haushalts! ausmachen. Damit bezuschussen wir Bürger diese Produkte und zerstören die Landwirtschaft in den armen Regionen.
Wir brauchen die Landwirtschaft, um unsere Versorgung sicher zu stellen und um unsere schöne Kulturlandschaft zu erhalten. Dafür zahle ich gerne auch Subventionen für Bauern.
Aber nicht dafür, dass wir als Industrieland auch bei Milchprodukten Exportweltweister sein wollen.
Dazu haben wir viel zu wenige Flächen, um intensive Landwirtschaft im industriellem Stil mit all seinen Problemen zu betreiben.
Was sagt denn der Bauernverband dazu?
Wenn Putin nichts kauft, sollen die deutschen Verbraucher mehr zahlen. Welch Perfersion des Denkens!
Wer viel liefert, bekommt weniger, wer weniger liefert bekommt mehr?!? Was für eine Art Plan soll das sein? Eine sinnvolle Hilfe wäre es, mit staatlichen Geldern die Milchviehbetriebe auf landwirtschaftliche Alternativen umzustellen, damit sie diesem Teufelskreis entrinnen können. Sonst ist es eh nur eine Frage der Zeit, bis alle kleinen Bauern - dann auch noch hoch verschuldet - verschwinden.
Seit 40 Jahren retten wir immer wieder die Bauern. Wobei retten das falsche Wort ist: Das Siechtum wird verlängert. In den 80er des letzten Jahrhunderts war schon vielen klar, dass gerade bei uns in der Region nicht mehr viele Bauern übrig bleiben werden. Dass die Politik etwas anderes versprochen hat - anderes Thema! Fakt ist, dass jetzt nicht mehr viele übrig sind. Und vermutlich werden - bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen - auch hier kaum klassische Landwirte überleben. Zumindest wenn Förderungen, etc. einmal wegfallen.

Zum Aktuellen: Jeder kann nochmal die Vorteile lt. Bauernverband durch den Wegfall der Milchquote nachlesen, nämlich hier: http://www.bauernverband.de/auslaufen-milchquote-maerz-2015 . Würde sagen, das ist nicht ganz so eingetreten ;-)...

Nach meiner Meinung sind hier lange genug Subventionen und Hilfen geflossen. Große Teile des EU-Haushaltes sind Hilfen für die Landwirtschaft. Es wird Zeit, dass auch hier die Marktwirtschaft Einzug hält.

Wir brauchen aber auch Bauern, welche die Landschaft pflegen.
Ohne diese Pflege wird aus unserer schönen und typischen Kulturlandschaft, blühende Wiesen umrahmt von Hecken, blühende Obstbäume im Frühjahr, schöne Wanderwege durch die Landschaft, herrliche Fernblicke,....
Ohne die klassische Landwirtschaft geht das alles verloren.
Damit meine ich nicht die Großbetriebe, die riesige Flächen mit Mais,etc. anbauen und den Boden und das Grundwasser durch Spritzmittel schädigen.
Vielleicht muss der kleine Bauer und der Biobauer mehr gefördert zu Lasten der industriellen Großbetriebe.
Das sieht mir nach einem sehr verklärtem Blick auf die Landwirtschaft aus...

Die Zeiten in denen ein Kleinbetrieb 5 Hektar bewirtschaftet hat, sind längst vorbei. Der Durchschnitt liegt mittlerweile bei knapp 35 Hektar. Durch Zusammenschlüsse wie z.B. dem Maschinenring wenden auch Kleinbetriebe Anbaumethoden mit industrialisiertem Maßstab an. Monokulturen für Bioenergie, nitratbelastetes Grundwasser durch Überdüngung, Ausbringung von Klärschlamm sind alles keine Eigenschaften von Großbetrieben sondern ziehen sich durch die gesamte Bauernschaft. Dazu wird der herrliche Blick in die Landschaften auch gerne mal von einem Windrad oder einem Solarpark gestört, an dem meistens auch Landwirte ihre Finger im Spiel haben. Ergo halten sich positives und negatives die Waage. Nur Frage ich mich ob wohl ohne Bauern ein ökologisches Chaos hätten? Wahrscheinlich nicht, oder gab es das vor tausend Jahren dann auch?
Der kleine Bauer, den Sie beschreiben existiert leider schon länger nicht mehr! Die Betriebsgrößen sind in letzten Jahrzehnten auch bei uns explodiert. Ein Biogasproduzent in meiner Ecke bewirtschaftet angabegemäß 600 Hektar. Ausschließlich Monokultur mit möglichst großen Ackerflächen. Und nicht einmal das mag ich ihm vorwerfen: Ist nun mal die wirtschaftlichste Art und Weise. Ob es für uns alle das Beste ist: Eher nicht.

Die Chance, aus den kleinen Bauern und Nebenerwerbslandwirten eine Art Landschaftspfleger zu machen - wenn man schon viel fördert und subventioniert - wurde von staatlicher Seite vertan. Dafür hat man viele Förderungen und Subventionen bezahlt, damit aus einigen von Ihnen Agrarfabriken werden. Und auch das hat leider bei vielen nicht wirtschaftlich funktioniert.

Für die Zukunft dieser Branche sehe ich aktuell - zumindest bei klassischen Bauernhöfen - schwarz. Und damit verschwindet leider auch ein Teil der bisherigen Kulturlandschaft. Wir Verbraucher wollen es so. Wir bekommen es so.



Sind wir schon wieder beim Verbraucher, der an dieser Entwicklung schuld ist.
"Den Verbraucher" gibt es nicht!
Natürlich gibt es noch "kleine" Bauern, z.B. die Biobauern mit Direktvertrieb.
Aber die werden doch noch immer nicht vom Bauernverband vertreten.
" Riesiger Verlust

Doch damit sei den Milchbauern nicht geholfen. Dauerhaft helfe den Landwirten nur, wenn ihr Produkt wieder das Geld einbringt. Schon im vergangenen Jahr habe der Verlust der Milchviehhalter 3,1 Milliarden Euro betragen. ...

Verlust sind nur nicht gedeckte Kosten, nicht dagegen entgangene Einnahmen.
Die Verbraucher gibt es genau so wie die Bauern. Oder auch nicht. Das ist eben eine Gesamtbetrachtung. Heute lässt die Mehrheit der Verbraucher noch immer Faktoren wie Produkte aus der Region oder Qualität außer Acht. Bewusst einkaufen und nicht den Preis als einzigen ausschlaggebenden Faktor würde schon etwas verändern. Wobei auch klar ist, dass ein Teil der Verbraucher finanziell gar nicht in der Lage ist, für seine Lebensmittel mehr auszugeben.

Ich kenne keine kleinen Bauern mehr. Zumindest nicht in meiner Ecke.