Medi-Team scheitert nach großem Kampf

Wie ausgeglichen und gleichmäßig der Spielverlauf war, lässt sich an wenigen Eckpunkten ablesen: Schon beim 9:2 nach zweieinhalb Minuten führten die Oldenburger mit sieben Punkten, doch größer als die neun Punkte beim 26:17 (9.) sollte der Abstand niemals werden. Andererseits gelang den Bayreuthern bei ihrem unermüdlichen Kampf gegen den Dauerrückstand aber auch nur zweimal die Wende zur Führung: Gut zwei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit traf der herausragende Nate Linhart per Dreier zum 44:43, und zu Beginn der letzten Minute vor der Pause verwandelte Robin Amaize zwei Freiwürfe zum 46:45. Entscheidend dafür waren in dieser Phase ein paar Erfolge mehr in der Defensive und beim Rebound.

Zunehmende Foulprobleme auf großen Positionen

In der zweiten Hälfte zeichneten sich aber schon bald die Schwierigkeiten für die Bayreuther ab, die am Ende den Ausschlag geben sollten: Nach nur 21 Sekunden wurde Assem Marei das dritte Foul angelastet – und zwar im Zweikampf mit Oldenburgs Center Brian Qvale, der seinerseits wegen des zweiten Fouls nach nur vier Minuten im gesamten Rest der ersten Halbzeit nicht mehr auf dem Feld gestanden hatte.

Von da an verlagerten sich die Kräfteverhältnisse unter den Körben ganz allmählich zum Nachteil der Gäste: Das dritte und vierte Foul von De’Mon Brooks (27. beziehungsweise 29. Minute) sowie das vierte von Marei nach nur 19 Sekunden im letzten Viertel und schließlich das fünfte des Ägypters (35.) raubten ihnen immer mehr Schlagkraft auf den großen Positionen. So war es nicht überraschend, dass Qvale letztlich zu einem entscheidenden Faktor wurde. Nachdem der Ex-Bayreuther nach 30 Minuten nur vier Punkte gesammelt hatte, kamen im Schlussabschnitt noch elf dazu. Zudem eroberten die Gastgeber in dieser Phase auch einige Offensivrebounds, was die kampfstarke Bayreuther Verteidigung lange Zeit so gut wie gar nicht zugelassen hatte.

Dreier zum Ausgleich verfehlt das Ziel

Als auch noch Philipp Schwethelm ein Doppelschlag an der Dreierlinie zum 77:69 (34.) und 80:72 (35.) gelang, wurde die Aufgabe für die Bayreuther immer schwieriger. Darüber hinaus wurde bei Qvales Dreipunktespiel zum 83:76 (36.) das vierte Foul von Lewis notiert. Umso eindrucksvoller war es, dass sich die Gäste trotz allem noch einmal eine reelle Siegchance erkämpften. Wichtige Initiative ging dabei von Kyan Anderson aus, auch wenn er bei seinem konsequenten Zug zum Korb zwei Freiwürfe vergab. Als Lewis dann einen Ballgewinn durch Pressdeckung verwertete, lag Medi 2:20 Minuten vor Ende nur noch 82:85 zurück. Eine halbe Minute später hätte ein Lewis-Dreier sogar ausgleichen können, verfehlte aber das Ziel. Im Gegenzug beendete Qvale mit dem Treffer zum 87:82 eine Oldenburger Durststrecke von 2:45 Minuten ohne Punkt, und die verbleibenden 1:25 Minuten überstanden die Gastgeber dann sicher an der Freiwurflinie.

Einzelkritik (Von Florian Kirchner)

David Gonzalvez (0 Punkte / 8:56 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 4): Kam knapp neun Minuten zum Einsatz, war gewohnt einsatzfreudig, verzeichnete allerdings kaum zählbare Erfolge. 0/2 Würfe, ein Rebound.

Kyan Anderson (16 / 22:41 / 0): Kam wieder für Bastian Doreth von der Bank und brachte viel Energie mit; war in der Offensive der Mann des Schlussviertels im Medi-Team und beendete die Saison mit seinem besten Playoff-Auftritt (5/9 Zweier, 0/2 Dreier, 6/8 Freiwürfe).

NATE LINHART (19 / 35:08 / 0): Der Bayreuther Routinier war der beste Akteur auf dem Parkett. Sein ehemaliger Trierer Teamkollege Philip Zwiener brachte es in der Halbzeitpause auf den Punkt: „Nate ist der Denker und Lenker im Bayreuther Spiel.“ Auch das vierte Duell mit Rickey Paulding konnte er für sich entscheiden, obwohl dieser seine stärkste Leistung in dieser Serie bot. Mit 19 Punkten (6/9 Zweier, 2/7 Dreier) und neun Rebounds haarscharf am Double-Double vorbei, zudem sechs Assists und ein Ballgewinn.

BASTIAN DORETH (2 / 23:18 / -4): Der Kapitän durfte erneut in die Partie starten, lenkte das Spiel geduldig und mit Übersicht, hätte allerdings etwas mehr Korbgefahr ausstrahlen können (1/3 Würfe, drei Rebounds, zwei Assists); kämpferisch gewohnt stark.

TREY LEWIS (18 / 30:40 / -9): Vor den Augen seines Vaters ungemein einsatzfreudig, ging mutig dorthin, wo es weh tut. Er fand immer wieder Lösungen, um zu Punkten zu kommen (4/6 Zweier, 4/4 Freiwürfe), hatte sein Visier von der Dreierlinie allerdings nicht so exakt eingestellt wie bei Spiel zwei in Oldenburg (2/6).

Steve Wachalski (0 / 14:25 / -11): Der Bayreuther „Alterspräsident“ kämpfte auf ungewohnter Centerposition einen für ihn schwer zu gewinnenden Kampf; kam aus seiner Lieblingsdistanz von jenseits der 6,75-m-Linie zu keinem einzigen Wurf; zwei Rebounds.

Robin Amaize (12 /17:27 / -3): Erneut einer der Besten im Medi-Trikot: furchtlos, energisch und zielstrebig; Sammelte wichtige Punkte, beispielsweise mit dem Dreier zum 65:66-Anschluss vor der letzten Viertelpause; 2/3 Zweier, 2/3 Dreier, fünf Rebounds.

Moritz Trieb: Nicht eingesetzt.

DE’MON BROOKS (9 / 29:07 / -9): Startete nicht gut und gestattete dem Belgier Maxime De Zeeuw neun der ersten elf Oldenburger Punkte; fand dann besser ins Spiel, war aber weit von seiner dominanten Vorstellung aus Spiel drei entfernt; 3/6 Würfe, 3/3 Freiwürfe, nur zwei Rebounds, drei Ballverluste.

Marius Adler: Nicht eingesetzt.

ASSEM MAREI (10 / 18:09 / -7): Zunächst konnte er Brian Qvale zwei schnelle Fouls anhängen, die den Oldenburger Center lange auf die Bank zwangen. Im Endspurt musste der Ägypter allerdings selbst foulbedingt von außen zusehen, wie sein Gegenspieler die Bretter dominierte; 3/7 Würfe, 4/5 Freiwürfe, sieben Rebounds und wieder einmal ganz viel Einsatz.

Statistik

Baskets Oldenburg: C. KRAMER (8 Punkte / 37:21 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 15), D. Kramer (0 / 2:52 / -5), MASSENAT (8 / 22:45 / 7), DE ZEEUW (18 / 17:37 / 10), Lockhart (2 / 4:35 / 1), PAULDING (18 / 36:19 / 11), Freese (2 / 9:37 / -5), Schwethelm (16 /26:57 /1), QVALE (15 / 18:49 / 15), Duggins (7 / 23:08 / 3); Feldwurfquote: 36/63 (57 Prozent), davon 6/21 Dreier (29 Prozent): Schwethelm (3/6), De Zeeuw (2/4), Paulding (1/5); Freiwürfe: 16/23 (70 Prozent); Rebounds: 24 defensiv, 6 offensiv (C. Kramer 9/3); Ballgewinne: 6; Ballverluste: 8; Assists: 23 (C. Kramer 6, Paulding 6); Effektivität: 112 (Paulding 19, Schwethelm 18, C. Kramer 18, de Zeeuw 17, Qvale 16, Massenat 12).

Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 30/63 (48 Prozent), davon 6/20 Dreier (30 Prozent): Amaize (2/3), Lewis (2/6), Linhart (2/7); Freiwürfe: 20/24 (83 Prozent); Rebounds: 24 defensiv, 11 offensiv (Linhart 9/0, Marei 3/4); Ballgewinne: 5; Ballverluste: 9; Assists: 12 (Linhart 6); Effektivität: 94 (Linhart 25, Amaize 15, Lewis 14, Marei 12, Anderson 10).

SR: Lottermoser, Krause, Simonow; Zuschauer: 6000 (ausverkauft).

Stationen: 9:2 (3.), 11:10 (5.), 26:17 (9.), 28:22 (1. Viertel), 33:32 (14.), 39:34 (15.), 43:44 (18.), 47:46 (Halbzeit), 53:48 (24.), 61:59 (27.), 66:65 (3. Viertel), 72:65 (31.), 85:77 (36.), 85:82 (38.), 89:82 (40.), 94:86 (Ende).

Trainerstimmen

Raoul Korner (Bayreuth): „Glückwünsche an Coach Drijencic, an die Mannschaft und die ganze Stadt Oldenburg zum Sieg in der Viertelfinal-Serie. Wir sind auf einen Gegner getroffen, der zum richtigen Zeitpunkt seinen besten Basketball gespielt hat. Wir haben im ersten Spiel den Heimvorteil nicht halten können und nun die Chance auf ein fünftes Spiel verpasst. Worauf ich sehr stolz bin: Wie meine Burschen sich über eine ganze Saison hinweg verkauft haben, wie sie eine ganze Organisation und Stadt aus dem Dornröschenschlaf geweckt haben und diesen Spirit auch in die Liga transportiert haben. Dafür gebührt jedem einzelnen Spieler – aber nicht nur denen, denn da steht ja noch ein bisschen mehr dahinter – allergrößter Respekt!“

Mladen Drijencic (Oldenburg): „Viele haben gedacht, diese Serie wird eventuell einfacher, weil Andreas Seiferth ausgefallen ist. Coach Korner hat das aber mit seinen taktischen Maßgaben aufgefangen, und seine Jungs haben diese sehr gut umgesetzt. Nur Bamberg und Ulm hatten während der Saison in Bayreuth gewonnen. Daran kann man sehen, wie schwer diese Aufgabe für uns war. Die Serie war extrem hart, die Spieler haben sehr viel investieren müssen. Wir wurden dafür belohnt und stehen nun im Halbfinale.“

Nicht bewertet

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