Medi-Sieg in der allerletzten Sekunde

Nach einer 0:12-Serie zum 16:24 (12.) hatte das Medi-Team lange im Rückstand gelegen, und zwar zeitweise sogar deutlich mit bis zu 13 Punkten (40:53/24.). Neun Punkte in Folge in den letzten 76 Sekunden des dritten Viertels erzwangen zwar eine Wende zum 62:61 nach 30 Minuten, aber nach drei Minuten des letzten Abschnitts stand es 62:68.

Nachhaltig wirkte erst der Umschwung durch fünf Punkte von De’Mon Brooks zum 77:73 bei einer Restspielzeit von 1:40 Minuten. Als dann bei nur noch 15,9 Sekunden auf der Uhr zwei gewohnt sichere Freiwürfe von Trey Lewis das 79:75 markiert hatten, schien das Medi-Team endgültig auf der Siegerstraße. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse: Alvaro Munoz brachte Tübingen mit einem schwierigen Dreier übers Brett auf einen Punkt heran, auf der Gegenseite unterlief Lewis einer seiner seltenen Fehlwürfe an der Freiwurflinie, und schließlich traf Barry Stewart für die Gäste trotz starker Bedrängnis durch Lewis nochmals von der Dreierlinie mithilfe des Bretts – Spielstand: 80:81, verbleibende Spielzeit: 0,9 Sekunden!

Nach der fälligen Auszeit von Medi-Coach Raoul Korner folgte dann dieselbe Aktion, wie in der genau gleichen Ausgangslage am Ende der regulären Spielzeit beim Heimspiel gegen Bamberg (88:92 n. V.): Brooks wurde frei gesperrt, um von Höhe der Freiwurflinie zum Korb schneiden zu können, bekam den Einwurf von Nate Linhart in den Lauf gespielt und verwandelte ihn per Korbleger mit der Schlusssirene. Während die Bayreuther und ihre Anhänger das Glück kaum fassen konnten, war auf Tübinger Seite vor allem der zuvor schon umjubelte Topscorer Stewart untröstlich: „Es war mein Fehler. Wir waren darauf vorbereitet, dass wir switchen mussten, und ich konnte es nicht verhindern.“

15 Würfe weniger als der Gegner in der ersten Hälfte

Dass die klar favorisierten Gastgeber überhaupt so nahe an die erste Heimniederlage in regulärer Spielzeit heran gerieten, hatten sie ihren Schwächen in der ersten Halbzeit zuzuschreiben. Vor allem mangelte es an der Intensität, um den Tübingern den Spaß an der für sie relativ bedeutungslosen Partie zu nehmen. So wirkten die Gäste nicht nur ausgesprochen spielfreudig, sondern sie hatten gerade auch in den statistischen Belegen für kämpferischen Einsatz überraschend klare Vorteile: 6:1 Ballgewinne, 2:8 Ballverluste und insbesondere 8:1 Offensivrebounds summierten sich zum letztlich entscheidenden Faktor: Tübingen hatte in der ersten Halbzeit sage und schreibe 15 Würfe mehr als Bayreuth: 38 gegenüber 23! Das konnten die Gastgeber nicht einmal mit guten Trefferquoten wettmachen (6/10 Dreier, 7/13 Zweier, 6/7 Freiwürfe).

Viel mehr Kampfgeistin der zweiten Halbzeit

Dementsprechend war die Bayreuther Steigerung in der zweiten Hälfte in erster Linie eine kämpferische. Die Zahl der Ballgewinne stieg von einem auf fünf, die der Offensivrebounds gar von einem auf zehn. Gleichzeitig erzwang die Medi-Verteidigung nun neun Tübinger Ballverluste statt nur zwei. Als Vorbild in der Defensive zeichnete sich Bastian Doreth aus, unter den Körben arbeiteten vor allem De’Mon Brooks und Assem Marei hart, und die Überwindung von spielerischen Problemen erklärte offenbar Kyan Anderson zu seiner persönlichen Aufgabe. Vielleicht noch wertvoller war aber ein ganz neuer Faktor im Bayreuther Spiel: David Gonzalvez übernahm viel Verantwortung mit hoher Erfolgsquote. Besonders wichtig waren seine fünf Punkte in Folge per Halbdistanzwurf und Dreier, die den Anschluss zum 67:68 herstellten (35.). Genau das war der Ausgangspunkt für die spektakuläre Schlussphase.

Statistik

Medi Bayreuth: Gonzalvez (12 Punkte / 16:13 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 2), ANDERSON (13 / 24:48 / 10), LINHART (3 / 29:33 / -9), Doreth (7 / 16:14 / -3), Seiferth (0 / 12:26 / -6), LEWIS (22 / 33:15 / 6), Wachalski (0 / 10:53 / -9), Trieb, BROOKS (18 / 29:07 / 12), MAREI (7 / 27:31 / 2); Feldwurfquote: 26/57 (46 Prozent), davon 11/24 Dreier (46 Prozent): Lewis (5/7), Anderson (2/4), Gonzalvez (2/4), Doreth (1/3), Linhart (1/3); Freiwürfe: 19/21 (90 Prozent); Rebounds: 24 defensiv, 11 offensiv (Brooks 7/0); Ballgewinne: 6; Ballverluste: 13 (Lewis 4); Assists: 15 (Anderson 5); Effektivität: 95 (Brooks 21, Lewis 17, Anderson 14, Gonzalvez 14, Marei 10).

Tigers Tübingen: WASHBURN (6 / 26:12 / -7), Daddedine, JORDAN (6 / 29:26 / 3), Munoz (10 / 15:56 / 1), Kolo, MCGHEE (13 / 27:23 / 7), Marin (3 / 16:25 / 0), KIDD (9 / 27:38 / 7), STEWART (26 / 34:09 / -5), Philmore (8 / 22:51 / -11); Feldwurfquote: 32/68 (47 Prozent), davon 11/27 Dreier (41 Prozent): Stewart (5/8), Philmore (2/2), Marin (1/3), Munoz (1/3), Jordan (1/4), Kidd (1/4); Freiwürfe: 6/10 (60 Prozent); Rebounds: 21 defensiv, 14 offensiv (Kidd 7/3, Washburn 7/2); Ballgewinne: 9 (Stewart 4); Ballverluste: 11 (Munoz 3); Assists: 16 (Jordan 10); Effektivität: 90 (Stewart 26, McGhee 12, Washburn 12, Jordan 11, Kidd 10).

SR: Lottermoser, Krause, Bohn; Zuschauer: 3119.

Stationen: 8:4 (3.), 10:12 (7.), 16:12 (9.), 16:20 (1. Viertel), 16:24 (12.), 20:31 (14.), 29:33 (16.), 33:42 (19.), 38:46 (Halbzeit), 40:53 (24.), 53:57 (27.), 53:61 (28.), 62:61 (3. Viertel), 62:68 (34.), 72:71 (37.), 77:73 (39.), 80:81 (40.), 82:81 (Ende).

Trainerstimmen

Tyron McCoy (Tübingen): „Es war ein hartes Spiel für uns und ein Spiegel unserer bisherigen Saison. Bayreuth hat im dritten Viertel exzellent gespielt, das war der Schlüssel zum Sieg. In der ersten Halbzeit hatten wir das gespielt, was wir uns vorgenommen hatten. Defensive und Rebounds waren gut. Im letzten Viertel haben wir leichte Fehler gemacht, das Niveau aber hoch gehalten. Wir haben Gonzalvez ein paar leichte Würfe gestattet, obwohl wir wussten, dass er ein Shooter ist. Am Ende war der Druck für uns etwas zu hoch. Aber es war nach den letzten Spielen ein Schritt nach vorne.“

Raoul Korner (Bayreuth): „Man hat heute sehen können, welche enorme Entwicklung die Tübinger in den letzten Wochen durchgemacht haben. Sie waren über weite Strecken die bessere Mannschaft. In der ersten Halbzeit ohne jede Diskussion. Wir haben auch in der zweiten Halbzeit ein paar Minuten gebraucht, bis wir in unser Spiel und zu unserer Intensität gefunden haben. Für mich war symptomatisch, dass in der ersten Halbzeit nahezu jeder freie Ball in den Händen von Tübingen war. Wir waren in den ersten 25 Minuten nur Passagier und konnten in den verbleibenden Minuten des dritten Viertels unseren Turbo zünden und ein paar Big Plays machen. Im letzten Viertel war es ein offener Schlagabtausch, wo beide Teams das Spiel gewonnen, verloren, gewonnen, verloren... hatten. Tübingen hat am Ende zwei unglaubliche Dreier gemacht. Die letzten Sekunden waren eine Abfolge von ganz tollen Plays. Der letzte Wurf war für De’Mon geplant. Er sollte den Ball bekommen, es gab bei 0,9 Sekunden auch wenig Raum für Improvisation. Nate muss man für den perfekten Pass ein Kompliment machen, Kyan für den Block und natürlich De’Mon für die Physis unter dem Korb. Jeder Zuschauer dürfte von der Intensität und Dramatik dieses Spiels begeistert gewesen sein!"

Nicht bewertet

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Kommentare

Der Putz beim Kurier bröckelt immer mehr ab.

Am Folgetag nachmittag erst mit dieser Meldung zu kommen, zeugt von allem, nur nicht mehr von Akutalität.