M+E-Branche solide, aber mit Sorgen

Vor allem die politische Großwetterlage   bereite ihnen Sorge. Ohl nannte als Unsicherheitsfaktoren etwa die Abschottungsrhetorik des neuen US-Präsidenten Donald Trump, die für März anberaumten Verhandlungen über den Ausstieg der Briten aus der EU und die instabile Lage im Nahen Osten. Er mahnte auch die deutsche Politik, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft nicht durch steigende Lohnzusatzkosten zu gefährden. „Unsere Lohnstückkosten liegen um fast 16 Prozent höher als im Jahr 2011. Das ist eine gefährliche Entwicklung.“

China bleibt wichtig

Im Hinblick auf China, einem wichtigen Markt für die deutsche M+E-Branche, zeigte sich Ohl optimistischer als manche Ökonomen, die dem Reich der Mitte sinkende Wachstumsraten voraussagen. Ohl ist Geschäftsführer der international agierenden Netzsch-Gruppe in Selb und daher regelmäßig in China. Er bescheinigte der Regierung in Peking eine strategisch kluge und konsequente Wirtschaftspolitik. China werde schon allein wegen seiner circa 1,4 Milliarden Einwohner weiterhin ein sehr wichtiger Markt sein und habe sein Wachstumspotenzial längst nicht ausgereizt. Es sei ein Vorurteil, dass die dortige Wirtschaft in erster Linie auf Plagiate setze. Mehr und mehr übernähmen chinesische Unternehmen auch in Technologiebranchen eine führende Rolle, unterstrich Ohl.

Der Bayme/VBM-Umfrage zufolge steht die oberfränkische M+E-Branche aktuell gut da. Fast 60 Prozent der Unternehmen bewerteten die inländische Geschäftslage im zweiten Halbjahr 2016 als gut, nur fünf Prozent als negativ. Im Hinblick auf das Auslandsgeschäft kamen sogar 88 Prozent der Befragten zu einem positiven Urteil, nur vier Prozent waren unzufrieden mit den Exporten.

Differenzierte Ertragslage

Ohl sprach von einer insgesamt guten, aber sehr differenzierten Ertragslage der oberfränkischen M+E-Branche. So rechnen knapp 42 Prozent der Betriebe für 2016 mit einer Nettoumsatzrendite von mindestens vier Prozent. Rund 20 Prozent erwarten eine „schwarze Null“ oder eine unzureichende Rendite von weniger als zwei Prozent. Die Umsatzrendite drückt den prozentualen Anteil des Gewinns am Umsatz aus und ist daher ein wichtiger Maßstab für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Immerhin mehr als 20 Prozent der Firmen befürchten, dass sie für das abgelaufene Jahr einen Verlust ausweisen müssen. Die steigenden Arbeitskosten wirkten sich bei immer mehr Firmen negativ auf die Profitabilität aus, klagte der Bayme-VBM-Regionsvorsitzende.

Zurückhaltend sind die Unternehmen bei ihren Produktions- und Investitionsplänen. Ein Drittel der Befragten will seinen  Ausstoß erhöhen, nur knapp sechs Prozent planen mehr Investitionen. „An den Auslandsstandorten sind die Produktions- und Investitionspläne der oberfränkischen, aber auch der bayerischen M+E-Unternehmen insgesamt expansiver“, sagte Ohl.

Mehr Arbeitsplätze im Ausland

Mehr als die Hälfte der befragten Firmen in Oberfranken will im ersten Halbjahr 2017 zusätzliche Arbeitsplätze – allerdings mehrheitlich im Ausland – schaffen, knapp 13 Prozent rechnen mit einem Stellenabbau.

Der stärkste Beschäftigungsanstieg wird den Plänen der Betriebe zufolge in der Automobil- und Zulieferindustrie zu verzeichnen sein, wie aus einer Umfrage in der M+E-Branche im gesamten Freistaat hervor geht. Auch im sonstigen Fahrzeugbau und im IT-Sektor sei ein deutliches Plus zu erwarten. Die geringsten Zuwächse sehen die Hersteller von Metallerzeugnissen und der Maschinenbau.

Ein wichtiges Thema für die M+E-Betriebe ist die Sicherung von Fachkräften „Für immer mehr Firmen wird der Arbeitskräftemangel zum echten Problem“, warnte Ohl. Vor allem Ingenieure seien gesucht, aber auch Metall- und Elektro-Facharbeiter und IT-Spezialisten fehlten.

Arbeitsrecht zu unflexibel

Das deutsche Arbeitsrecht bezeichnete der Bayme/VBM-Regionschef als zu unflexibel. „Die weltweite Zusammenarbeit von Unternehmen, flexibles und mobiles Arbeiten, die zunehmende Digitalisierung – das alles kann mit unserem Arbeitszeitrecht nicht mehr geregelt werden“, kritisierte Ohl. Er forderte eine Abschaffung der starren täglichen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden. Allerdings ohne, dass der „berechtigte Schutz der Arbeitnehmer verloren geht“. Die M+E-Verbände plädieren für eine wochenbezogene Betrachtung. Firmen und Beschäftigte gewönnen ihrer Ansicht nach dadurch Freiräume. Das Volumen der Arbeitszeit der Mitarbeiter bleibe dabei gleich. Es gehe nicht darum, Mitarbeiter auszubeuten, sondern um mehr Flexibilität, hieß es.

Info: 

Ende 2016 beschäftigte die Metall- und Elektroindustrie bayernweit 825.000 Stammarbeitskräfte, 57.000 davon in Oberfranken. Im Freistaat ist das ein Zuwachs von 16.000 Mitarbeitern, im Bezirk ein Plus von 1000. Für 2017 erwarten die Verbände Bayme und VBM 15.000 neue Arbeitsplätze in ihrer Branche bayernweit, davon 1200 in Oberfranken.

In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres verzeichnete der bayerische  M+E-Zweig ein Produktionsplus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für dieses Jahr rechnen Bayme und VBM damit, dass die Produktion nur eineinhalb bis zwei Prozent zulegt.

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