"Manchmal sagt ein Kind Mama zu mir“

Derzeit kümmern sich 22 Tagesmütter im Stadtgebiet um 70 Kinder. Es geht vor allem um die ganz Kleinen, sagt Angela Speckner: „Das Angebot richtet sich in erster Linie an die bis zu drei Jahre alten Kinder. Aber auch ältere können nach Kita oder Schule betreut werden.“ Aus pädagogischer Sicht sei die Betreuung in einer kleinen Gruppe für unter Dreijährige ideal. Da Tagesmütter maximal fünf Kinder gleichzeitig versorgen dürfen, könne sich eine intensive Beziehung entwickeln. Eltern würden von einer größeren zeitlichen Flexibilität profitieren. Die Preise seien mit den Hortgebühren vergleichbar. Für Tagesmütter biete sich der Job als Nebenbeschäftigung an, manche machen sogar einen Hauptberuf daraus.

Freude an der Arbeit mit Kindern

Andrea Sprödhuber arbeitet seit 2014 als Tagesmutter. Sie hat vier Söhne zwischen 21 und 26 Jahren. Aus dem Gröbsten heraus, wie Eltern oft sagen. Was hat die Mama dazu bewogen, wieder neu mit ganz kleinen Kindern anzufangen? „Ich habe als Fremdsprachenkorrespondentin gearbeitet. Bald habe ich gemerkt, dass das Sitzen im Büro vor dem PC nicht meins ist. Dann habe ich zufällig die Werbung der Familienbildungsstätte gesehen und mich beworben.“ Sie kümmert sich gerne um die Kleinen, bezieht auch ihre Söhne in die Betreuung mit ein: „Sie nehmen schon mal eins der Kinder auf den Arm oder helfen beim Zubettbringen.“

Ihren neuen Beruf nimmt Andrea Sprödhuber ernst: Ehe sie Kinder betreuen darf, muss eine Tagesmutter eine sogenannte Pflegeerlaubnis erwerben. Dafür veranstalten die Jugendämter Kurse, die ein Jahr lang dauern. Am Ende warten eine Prüfung und ein Zertifikat. Angela Speckner: „Wichtig ist auch, dass Tagesmütter Freude an der Arbeit mit Kindern haben. Verantwortungsbewusstsein, Sprachkenntnisse und passende Räume sind weitere Voraussetzungen.“ Speckner besucht potenzielle Tagesmütter daheim und prüft, ob eine Zusammenarbeit möglich ist. Das Jugendamt bringt Eltern und Tagesmütter zusammen, legt den Betreuungsvertrag vor und sorgt für die Qualifikation der Betreuerinnen. Kinder sind auch in der Tagespflege versichert, ganz wie im Kindergarten oder Hort.

"Eifersucht gibt's nicht"

Sprödhuber sagt: „Gesellschaftlich ist die Arbeit in den Familien zu wenig anerkannt. Dabei ist es doch gerade in den Anfangsjahren wichtig, wie mit den Kindern umgegangen wird. Hier wird die Basis für später gelegt, ob sie Egoisten werden oder nicht.“ Die Tatsache, dass sie bereits vier Söhne großgezogen hat und trotzdem eine Prüfung als Tagesmutter machen musste, sieht sie entspannt: „Ich sehe meine Fähigkeiten als Mutter deswegen nicht auf dem Prüfstand: In dem Kurs lernen wir Pädagogik und erfahren vieles über die frühkindliche Entwicklung.“ Dazu gehört auch die Sache mit dem Töpfchen – Sprödhubers Pflegekinder sind allesamt noch im Windelalter.

Dass Mütter von ihr fordern, die Sauberkeitserziehung zu forcieren, kommt selten vor. „Deshalb ist es wichtig, dass die Chemie zwischen Tagesmutter und Eltern stimmt“, sagt Angela Speckner. Die Beziehung sei oft enger als im Kindergarten, deshalb müssten sich die Beteiligten gut verstehen. Andrea Sprödhuber: „Manchmal sagt ein Kind tatsächlich Mama zu mir. Aber die leiblichen Mütter wissen, dass das einfach das Wort ist, das die Kleinen aussprechen können. Eifersucht gibt’s nicht.“ Gelegentlich kommt es aber vor, dass eine Mutter noch nicht bereit ist, ihr Baby loszulassen: „Das überträgt sich dann auf die Kinder“, sagt Sprödhuber. Insgesamt gelte die Tagespflege als „ein sanfter Weg in die Fremdbetreuung“, sagt Speckner.

Info: Das Jugendamt sucht derzeit wieder Interessentinnen für die Arbeit als Tagesmutter. Im Frühjahr 2018 beginnt der nächste Qualifizierungskurs. In Bayreuth-Stadt ist Angela Speckner (Telefon 09 21/ 25-12 83) Ansprechpartnerin, im Landkreis Bayreuth Alexandra Küfner, Telefon 09 21/72 84 61, und im Landkreis Kulmbach Daniela van der Meer, Telefon 0 92 21/ 70 72 36).

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