Kulmbacher Bank: Fusion statt Segeltörn

Das Wasser war für Bordihn „schon immer ein Thema“. In Weißenbrunn bei Altdorf im Nürnberger Land, wo Bordihn geboren und aufgewachsen ist, waren die Möglichkeiten organisierter Freizeitgestaltung überschaubar. Fußball oder das Freibad mit seiner Wasserwacht. Schwimmen und Tauchen, das gefiel dem jungen Bordihn, und diese Bindung zum nassen Element hat bis heute gehalten. Nach der Realschule bewirbt er sich bei der Kreissparkasse Nürnberg. Auch einen Job in der Versicherungsbranche oder als Industriekaufmann hätte er sich vorstellen können. Doch die erste Zusage kommt von der Sparkasse. Bordihn wird Banker, macht eine Lehre, bringt es bis zum stellvertretenden Vorstandsmitglied und managt als Projektleiter die Fusion mit der Stadtsparkasse Ende 2000.

Vor 15 Jahren als Vorstand nach Kulmbach

2001 meldet sich ein Personalberater und fragt, ob er in Oberfranken Vorstand einer Genossenschaftsbank werden möchte? Bordihn sagt zu, die Familie mit drei Kindern kauft ein Haus in Fölschnitz. Mittlerweile ist Bordihn auch Opa der kleinen Emma (eineinhalb Jahre). „Das ist mein ganzer Stolz.“ In Kulmbach wird Bordihn bleiben. Sein Vertrag wurde gerade um fünf Jahre verlängert. Dann ist er 60. Und dann? „Ich halt‘ mir das frei.“

Überall Fusionsgespräche

Jetzt wird erst einmal fusioniert. Warum mit Kronach und nicht mit Bayreuth? Bordihn gibt sich diplomatisch: „Das Zeitfenster war noch nicht offen.“ Ganz generell gelte, dass man mit den Fusionen nicht am Ende, sondern am Anfang stehe. In Oberfranken gibt es noch 26 VR-Banken. Zwölf von ihnen, also fast die Hälfte, „sind in Fusionsgesprächen“. Der Trend gehe von der Orts- zur Regionalbank.

Problemlöser vor Ort

Der Zinsüberschuss, mit 70 bis 80 Prozent die größte Gewinnquelle der Regionalbanken, geht wegen der Nullzinspolitik der Zentralbank zurück. Filialen werden geschlossen, Personal abgebaut. Die Kulmbacher Bank hat gerade zwei kleine Filialen in Schirradorf und Azendorf geschlossen. 18 Standorte hat sie jetzt noch. In drei, vier Jahren könnten die nächsten Schließungen anstehen. Viele Kunden kommen nur noch ein, zwei Mal im Jahr in ihre Bank. Onlinebanking nimmt rasant zu. Schlecht besuchte Filialen werden immer öfter dicht gemacht. Reine Onlinebanken wollen die Regionalbanken aber nicht werden, sondern ihre klassischen Vorteile ausspielen. „Von Mensch zu Mensch, das können wir besser“, sagt Bordihn. Die Bank will Problemlöser vor Ort und beim Mobile Banking auf der Höhe der Zeit bleiben.

Ergebnis sinkt

Dafür müssen die Erträge stimmen. Das operative Ergebnis der Kulmbacher Bank (Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit) ging 2015 um 2,1 auf 6,8 Millionen Euro zurück. Die Differenz, sagt Bordihn, sei vor allem auf Sonderbewegungen zurückzuführen. Die Zahlen seien noch gut. Allerdings würden immer mehr gut rentierliche alte Geschäfte auslaufen. Niedrigzinsen, Regulatorik und die Digitalisierung mit dem geänderten Kundenverhalten seien die großen Herausforderungen. Dazu komme, dass die Kulmbacher Bevölkerung nicht wachse, sondern schleichend zurückgehe. 2016 werde die Bank trotz allem „nahe am Vorjahresergebnis“ abschließen. Sollte das extrem niedrige Zinsniveau bleiben, müsse man in zwei, drei Jahren „einschneidende Maßnahmen einleiten“. Das bedeutet wohl: Weniger Filialen, weniger Personal, weniger Kosten. Im Zuge der Fusion wird es keine Schließungen geben, versichert Bordihn.

Lieber Mittelmeer als Atlantik

Das alles sagt er sachlich, ruhig, unaufgeregt. Kann er auch mal richtig grantig werden? „Je schwieriger es wird, umso ruhiger werde ich“, sagt er. „Aber ich bin auch emotional. Da lass‘ ich schon mal was los.“ Beim Segeln mag es Bordihn lieber gemütlich. Lieber Mittelmeer als Atlantik. Lieber warm und nicht herausfordernd.

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