Kühlen Kopf bei Hitze bewahren

Schwitzen und Hitze

Ob man Temperaturen jenseits der 25 Grad Celsius als hochsommerlich, glühend heiß oder sengend erlebt, hängt von zwei Faktoren ab: Der tatsächlichen Temperatur und der Luftfeuchtigkeit. „Je feuchter die Luft ist, desto schwieriger schwitzen wir und desto heißer empfinden wir die Temperatur“, sagt Christoph Thomas, Professor der Mikrometeorologie. Aus diesem Grund werde eine trockene Wärme als angenehmer empfunden als eine feuchte Wärme.

Die heißeste, jemals von Meteorologen in Bayreuth gemessene Temperatur liegt bei 37,1 Grad Celsius am 13. August 2003. Eigentlich ziemlich heiß, vor allem, weil die Temperatur im Schatten gemessen wurde. Doch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine allgemeingültige Definition von Hitze, weil „Hitze von jedem Menschen anders wahrgenommen wird“, wie Thomas sagt.  

Wenn die Temperatur an mehr als fünf Tagen über 30 Grad Celsius ist und nachts nicht stark abkühlt, sprechen Meteorologen von einer Hitzewelle. Doch die meisten Menschen in europäischen Ländern sind nicht ausreichend auf feucht-warmes Wetter angepasst. „Beim Schwitzen wird Wasserdampf von der Oberfläche der Haut freigesetzt, was viel Energie kostet und dafür sorgt, dass die Haut stark abgekühlt wird“, sagt Thomas. Dies sei eine natürliche Reaktion auf Hitze. „So versucht der Körper seine Temperatur konstant zu halten“, sagt Florian Knorr, Ärztlicher Leiter der Notaufnahme am Klinikum Bayreuth. Doch wenn bereits viel Wasserdampf in der Luft ist, kann der Körper weniger gut schwitzen, wie Thomas sagt.

Viel Trinken ist wichtig

Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, der durch das Schwitzen entsteht, ist es wichtig, ausreichend zu trinken: „Fruchtschorlen oder Tee sind sehr gut geeignet.“ Aber auch gegen ein Eis spreche nichts. Die Folgen von zu wenig Trinken: Mundtrockenheit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, dunklerer Urin. Später auch Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen und Kreislaufprobleme wie schneller Puls, niedriger Blutdruck oder Schwindel. „Hitze ist gerade für ältere Menschen gefährlich, da das Durstgefühl im Alter abnimmt und häufig Medikamente eingenommen werden, die den Blutdruck regulieren sollen oder wassertreibend wirken“, sagt Knorr.

Durch Hitze kann es zu einem Hitzekollaps, Hitzschlag oder Sonnenstich kommen. „Bei einem Hitzekollaps bricht der Blutdruck zusammen“, sagt Robert Wondry, Ausbilder des Bayreuther Kreisverbandes des Bayerischen Roten Kreuzes. Die Ursache eines Hitzekollapses: Der Körper erweitert die Blutgefäße, um sich abzukühlen. Doch das Herz kann nicht genug pumpen, um das auszugleichen. „Der Hitzekollaps ist meist schnell zu behandeln, wenn man genug trinkt“, sagt Wondry. Im Gegensatz zum Hitzschlag: „Dabei bricht der Kreislauf durch Überhitzung und Flüssigkeitsmangel zusammen.“ Deshalb sei eine intensive medizinische Behandlung notwendig.

Beim Sonnenstich werden die Hirnhäute und die Halswirbel durch intensive Sonneinstrahlung gereizt. „Daraus kann ein Ödem entstehen und der Druck im Schädelinneren steigt an“, sagt der Ausbilder. Die Folge: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen. Bei schweren Fällen könne es auch zu Schädigungen des Gehirns kommen. Körpertemperatur und Kreislauffunktion sind beim Sonnenstich meist aber stabil.

Wenn die Sonne mittags im Zenit steht, ist die Einstrahlung am höchsten. Doch es dauert zwei bis drei Stunden, bis die Maximaltemperatur erreicht wird, weshalb es gegen 14.30 Uhr meist am wärmsten ist. „Sport sollte in die frühen Morgen- und späten Abendstunden verlegt werden, da man auch in klimatisierten Räumen die Anstrengung leicht unterschätzen kann“, sagt Knorr. Um den Körper zu schützen, sollten empfindliche Körperpartien bedeckt und eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwendet, die Klimaanlage „nur wenige Grad unter dem Außenniveau“ eingestellt und „Extrem- und Spitzenbelastungen“ vermieden werden.

Wetter wird extremer

In den vergangenen Jahren ist die durchschnittliche Tagestemperatur um etwa ein halbes Grad gestiegen. „Wenn das Klima im Mittel wärmer wird, wird das Wetter langfristig extremer werden“, sagt Thomas. Es werde zu extremeren Niederschlägen, extremeren Dürren und extremeren Stürmen kommen. „Wie viel extremer das Wetter im Vergleich ist, hängt von dem Ort ab, an dem wir messen.“

Während einer Hitzewelle ist es sehr warm und feucht, was die Verdunstung ankurbelt. „Wasserdampf wird an der Erdoberfläche freigesetzt und steigt auf, weil feuchte Luft eine geringere Dichte hat“, sagt Thomas. Während des Aufstiegs kühlt die Luft ab, weshalb sich Wolken bilden. „Deshalb regnet es während einer Hitzewelle häufig kurz und heftig.“

Mythos Hitzefrei

„Hitzefrei gibt bei uns leider nicht und gab es auch noch nie, da ca. 90% der Schüler mit dem Bus zur Schule kommen“, sagt die Leiterin der Gesamtschule Hollfeld, Christiana Scharfenberg. Die Busverbindungen liesen sich nicht so leicht umdisponieren. Ein kleines Trostpflaster gibt es trotzdem: Nach Notenschluss dürfen einige Jahrgangsstufen während der Schulzeit ins Freibad.

Rechtliche Regelungen zu einem Hitzefrei im Beruf oder der Schule gibt es nicht. Schulleiter und Arbeitgeber entscheiden daher selbst, ob Lernen und Arbeiten bei hohen Temperaturen zumutbar ist. Da die Schulleitung die pädagogische, organisatorische und rechtliche Gesamtverantwortung für die Schule hat, kann diese den Unterricht an Tagen mit besonders hohen Temperaturen frühzeitig beenden. Laut Kultusministerium müssen dafür Faktoren wie die raumklimatischen Verhältnisse in den Schulgebäuden und die Schülerbeförderung, „die durch eine vorzeitige Unterrichtsbeendigung nicht gefährdet sein darf“, beachtet werden. Zudem könne nur Hitzefrei erteilt werden, wenn Maßnahmen wie die Verlagerung des Unterrichts in kühlere Räume nicht in Betracht kommen.

Pflanzen und Hitze

Doch nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen brauchen mehr Wasser und Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, wie Hubert Adam, Kreisfachberater des Kreisverbandes für Gartenbau und Landschaftspflege in Bayreuth sagt. „Pflanzen, die bis jetzt im Haus oder im Wintergarten standen, sollten rausgestellt werden“, sagt Adam. Dabei sei zu beachten, dass die Pflanzen nicht sofort in die pralle Sonne, sondern zum Schutz vor dem Verbrennen vorher in den Halbschatten gestellt werden. Doch der Standort richtet sich auch nach der Pflanzenart.

 „Viele machen den Fehler, dass sie zum Beispiel mit dem Sprinkler den ganzen Garten wässern und denken damit alles abgedeckt zu haben – richtig ist es satt zu gießen“, sagt der Kreisfachberater. So dringe das Wasser auch zu den Wurzeln durch. Den Rasen sollte vor allem bei heißen Sommertemperaturen immer in den frühen Morgenstunden gegossen werden und „niemals am Mittag“: „So vermeidet man, dass die Feuchtigkeit zu schnell verdunstet und der Rasen verbrennt“. Am besten verwendet man dabei auch noch etwas abgestandenes Wasser aus einer Regentonne, das hat eine bessere Temperatur als Leitungswasser.

Auch für Zimmerpflanzen gilt: „lieber einmal die Woche richtig satt gießen, als jeden Tag nur ein bisschen“. Stellt man die Pflanzengefäße zusätzlich noch in den Halbschatten, verdurstet die Pflanze auch während des Sommerurlaubes nicht so schnell.

Schwimmen bei Hitze

Alvaro Sanchez Lorenzo, Chefbademeister des Cabrio Sol in Pegnitz, rät dazu, sich vor dem Schwimmen abzukühlen, nicht mit vollem oder leerem Magen zu schwimmen und sich in den Schatten zu legen. Sollte man trotz aller Vorsicht Kreislaufprobleme bekommen oder Übelkeit verspüren, „sollte man einen anderen Badegast direkt ansprechen und direkt zum Bademeister gehen“, sagt Sanchez Lorenzo. Dieser würde dann den Blutdruck kontrollieren.

Hitze und Tiere

In der Wohnung ist es für Tiere dann angenehm, wenn man sich selbst wohl fühlt, sagt Bettina Granegger von der Tierhilfe Weidenberg. Zusätzlich kann man den Tieren durch Kühlmatten, gefrorene Wasserflaschen und feuchten Handtüchern am Gehene Abkühlung verschaffen. „Die Tiere sollten selbst entscheiden können, ob sie die Hilfsmittel benutzen möchten“, sagt Granegger. Gerade an heißen Tagen soll man Haustiere niemals im Auto lassen. „Es ist das schlimmste, was man tun kann“, sagt die Tierschützerin.

Hitze und Kinder

„Grundsätzlich sollte man Kinder nicht bei heißen Temperaturen in Fahrzeugen sitzen lassen, da die Innentemperatur in wenigen Minuten drastisch ansteigt“, sagt Wondry. Die Kinder schwitzen dadurch stark. Das könne bei einem Kind zu Sauerstoffmangel führen und auch „Bewusstseinsstörungen und Atemstörungen bis hin zum Kreislaufstillstand können die Folgen sein“.

Wenn ein Kind erste Symptome zeigt, sollten sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen werden. „Zunächst muss man das Kind aus dem Auto oder der Sonne holen und in den Schatten bringen“, sagt Wondry. Nachdem der Notruf verständigt wurde, sollte man für Abkühlung sorgen. Der Ausbilder rät dazu, handwarme, feuchte Tücher zu nutzen oder Frischluft zu zufächeln. „Bei Bewusstlosigkeit mit Atmung bringt man das Kind in die stabile Seitenlage und bei Bewusstlosigkeit ohne Atmungmuss man Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.“

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