Nachwuchsmangel bei Pegnitzer Transportunternehmen

„Ich habe heuer einen Tanklaster bereits abgemeldet, weil mir Fahrer fehlen“, sagt Robert Raimund vom gleichnamigen Unternehmen in Creußen-Hörhof. Er hat 34 Fahrer für seine 30 Fahrzeuge. Bisher hat er beispielsweise die Urlaubszeit mit Aushilfskräften aufgefangen. Die kamen überwiegend aus der Bundeswehr. Aber seitdem dort nicht mehr der Führerschein gemacht werden kann, muss er die festen Mitarbeiter anders einsetzen. „Viele arbeiten auf Zuruf, die Touren verschieben sich und der Kunde muss auch mal warten“, so Raimund. Es sei Aufgabe des Disponenten, dass der richtige Fahrer mit der richtigen Ware zum passenden Zeitpunkt am richtigen Ort ist.

Hohe Kosten für den Führerschein

Hauptproblem sind die Führerscheinkosten, die zwischen 8000 und 11 000 Euro liegen. Dazukommt jetzt noch eine Änderung im Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz, das eine regelmäßige zusätzliche Weiterbildung verlangt. Innerhalb von fünf Jahren sind 35 Stunden der Zusatzqualifikation – unter anderem zu Technik, Ladungssicherung, Kundenkontakt oder Umgang mit Maschinen – zu absolvieren.

Raimund sieht vor allem längerfristig Probleme auf sich zukommen, wenn ältere Fahrer in Rente gehen und keine jungen nachkommen. „Das wird schwierig“, weiß er. Er stellt seinen Fahrern frei, was sie fahren wollen, ob Tanklaster oder Kipper. Das müsse zu jedem Einzelnen passen. Überwiegend sind seine Fahrer im Nahverkehr eingesetzt. Momentan hat er noch vier Fahrer, die im Fernverkehr unterwegs sind. „Das ist aber auch nicht für jeden was, wenn er nicht jeden Abend nach Hause kommt.“

Löhne werden knapp kalkuliert

Es wird schwierig, sagt auch der Pegnitzer Busunternehmer Lothar Krieg. Momentan hat er für seine sechs Busse acht Fahrer. „Da sind aber meine beiden Söhne und ich schon dabei.“ Auch er sieht als Hauptproblem die hohen Führerscheinkosten. Dazu komme die Wochenendarbeit und gerade im Reiseverkehr, dass man oft mehrere Tage unterwegs ist. „Das ist gerade für junge Leute wenig attraktiv“, hat er festgestellt. Er zahlt seinen Fahrern einen Festlohn, der aber knapp kalkuliert werden müsse. Überstunden werden abgefeiert oder ausbezahlt. Auszubildende hat er keine, es bewirbt sich aber auch niemand. Krieg rechnet aber nicht damit, dass er in den nächsten zehn Jahren eines seiner Fahrzeuge abmelden muss.

„Wir bilden selbst aus und übernehmen die Leute dann“, sagt Angelika Troidl vom gleichnamigen Pegnitzer Abschleppunternehmen. Die Firma hat zehn Fahrer für 20 Fahrzeuge. Die Ausbildung sei in der Relation zum späteren Verdienst zu teuer. Die gesetzlich geforderten Module sieht sie als Schikane den Fahrern gegenüber. „Die Themen wiederholen sich ja alle fünf Jahre und die Fahrer wenden das doch täglich an“, äußert sie ihr Unverständnis. Für die Module müssen die Fahrer auch noch extra Urlaub nehmen. Die Kosten zahlt ihnen die Firma. Rund 1000 Euro sind das pro Jahr und Fahrer schätzt sie.

Auflieger werden umgesattelt

Auch der Buchauer Transportunternehmer Karl-Heinz Potzler sieht die Module und die hohen Führerscheinkosten als Hauptproblem für den Nachwuchsmangel. „Das schreckt viele ab“, glaubt er. Momentan hat er noch genug Personal – 38 Fahrer für 30 Fahrzeuge. Aber wenn die älteren in Rente gehen, werde es schwer sein, diese zu ersetzen. „Es ist ein großer Minuspunkt, dass die Führerscheinausbildung bei der Bundeswehr nicht mehr möglich ist. Das war kostengünstiger“, sagt Potzler. Der Unternehmer zahlt seinen Fahrern Stundenlohn, „aber so toll ist der auch nicht“, gibt er zu. Überstunden werden abgefeiert. Im Fernverkehr ist bei ihm niemand eingesetzt, das Weiteste ist der Großraum Nürnberg.

Keine Resonanz hat Ulrike Deiml, Juniorchefin der gleichnamigen Auerbacher Spedition, auf eine Stellenanzeige in der Zeitung bekommen. Rückmeldungen kamen nur auf ein Stellenangebot über die Arbeitsagentur. Aber alle aus dem Ostblock. Einen habe man dann eingearbeitet. „Als er dann nach drei Wochen alleine fahren sollte, ist er einfach nicht mehr gekommen“, sagt Deiml. Auch sie sieht die hohen Führerscheinkosten als Hauptproblem. „Das dauert, bis die Fahrer das dann wieder drinhaben.“ Der Stundenlohn sei definitiv zu niedrig. Aber mehr könne nicht gezahlt werden, da die Fuhrlöhne auch zu gering sind. Insgesamt hat die Firma 50 Fahrer für die 50 Fahrzeuge. Wenn es mal eng wird, müsse halt ein Fahrzeug stehenbleiben. Abmelden wegen Personalmangels musste sie aber noch kein Fahrzeug. „Dann muss mal eines stehenbleiben“, so Deiml. Früher hatte man neun bis zehn Tanklaster, heute sind es nur noch drei. „Auf die Zugmaschinen werden jetzt halt andere Auflieger gesattelt.“

Viel Kapital in der Hand

Knapp geht es auch beim Creußener Fuhrunternehmen Theisinger zu. Neun Fahrer gibt es für die zehn Fahrzeuge“, so Anni Theisinger. Auch sie hat schon Stellenanzeigen aufgegeben, aber es gab keine Resonanz. Bis jetzt musste noch kein Fahrzeug abgemeldet werden. Wenn es mal eng werde, springe ihr Mann ein. Die Kosten für die Ausbildung seien einfach zu hoch, aber es müsse eben alles auf dem neuesten Stand sein. Theisinger zahlt Stundenlohn und der Verdienst sei gut, sagt sie. Überstunden werden prozentual angerechnet. „Wir brauchen gute Fahrer“, sagt sie, „schließlich haben sie mit den Fahrzeugen und der Ladung ja auch eine Menge Kapital in der Hand.“

„Die Bezahlung ist halt nicht die beste“, sagt Hans-Peter Konrad, Fachgruppenleiter Spedition und Logistik bei Verdi in München. Gut 2000 Euro ist der tarifliche Lohn. „Das ist nicht überwältigend“, sagt Konrad. Ein Problem sei, dass die Berufskraftfahrer häufig Einzelkämpfer und nur sehr wenige gewerkschaftlich organisiert sind.Als Tarifpartner habe Verdi nur den Landesverband bayerischer Spediteure. „Das bedeutet, dass die meisten Unternehmen nicht tarifgebunden sind“, so Konrad weiter.

Soziale Anbindung fehlt

Die frühere Romantik des Lasterfahrers gebe es nicht mehr. „Es fehlt die soziale Anbindung, die Fahrer sind ja meist alleine unterwegs“, so Konrad weiter . Und durch die großen logistischen Anforderungen und den oft immensen Zeitdruck sei der Stressfaktor bei den Fahrern sehr hoch. Dazu kommen noch gesundheitliche Risiken wie Rückenprobleme und Bluthochdruck. Schließlich sei da noch die mangelnde Infrastruktur. Es gebe zu wenig Stellplätze auf den Autobahnparkplätzen. „Der Freistaat will jetzt zwar 3500 weitere Plätze schaffen, aber das ist zu wenig“, sagt Konrad, denn durch Bayern müsse so ziemlich der gesamte europäische Fernverkehr.

Im Landkreis Bayreuth sind derzeit 555 Berufskraftfahrer versicherungspflichtig beschäftigt, so Evelyn Kannhäuser, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Bayreuth-Hof. Mit Stand 30. Juni gab es 23 arbeitslos gemeldete Personen, die in den Zielberuf Berufskraftfahrer vermittelt werden könnten.

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