Kondrauer macht sich schick

Klack. Klack. Klack. klack. 22.000 Flaschen rattern in der Stunde über die Transportbänder. Sie werden aufgeschraubt, geprüft und aussortiert, gewaschen, befüllt, verschlossen und etikettiert. Roboterarme packen die Flaschen, heben sie am Anfang der Produktionslinie aus den Kästen und später wieder in die Kästen. 35 Minuten dauert es, bis eine leere, gebrauchte Pfandflasche dieses gut 500 Meter lange System durchlaufen und wieder frisch befüllt ihren Platz im gereinigten Kasten gefunden hat, weiß Norbert Bixel.

Der technische Leiter der Kondrauer Mineral- und Heilbrunnen GmbH & Co. KG in Kondrau bei Waldsassen steht in der Produktionshalle, von der Empore hat er alles gut im Blick. Moderne Anlagen soweit das Auge reicht. Und hinter ihm, in der nächsten Halle, sausen die Gabelstapler hin und her – zwischen riesigen Palettenbergen mit Mineralwasserkästen. Sieht alles schwer nach Arbeit aus. Nach Männerarbeit.

Null Kalorien

Und doch sind es ganz andere Bilder, die Ralf Brodnicki vor Augen hat, wenn er an Mineralwasser denkt. Frauen sieht er, die lässig an der Bushaltestelle stehen und in der Handtasche eine Flasche Mineralwasser dabei haben. „Der Genuss des Wasser ist gesund, ist chic und hat null Kalorien!“, sagt der Geschäftsführer für die Bereiche Marketing und Vertrieb. Frauen hat er aber auch vor Augen, wie sie im Supermarkt unterwegs sind und das Mineralwasser aussuchen – für die ganze Familie.

„61 Prozent unserer Käufer sind Frauen. Und das ist auch gut so“, sagt der Marketing-Fachmann, der vor gut einem Jahr von der Rhön-Sprudel-Gruppe in die Oberpfalz wechselte. „Frauen achten auf etwas Gutes für ihre Familie.“ An die einkaufenden Männer mag Brodnicki da lieber gar nicht denken, denn die handeln nach dem Motto: „Ich geh mal Bier holen und dann bring ich noch eine Kiste Wasser mit“. Irgendeine.

Sanftes Wasser

Brodnicki will verhindern, dass die Kiste Mineralwasser in Bayern nicht zu häufig „irgendeine“ ist. Kondrauer hat sich deshalb mit einer zusätzlichen sanften Sorte den gegenwärtigen Geschmacktrends angepasst: Neben den Sorten Prickelnd (mit Kohlensäure) , Medium (wenig Kohlensäure), und Naturell (ohne Kohlensäure) gibt es nun auch die Sorte Sanft. Vor allem Frauen wünschten sich ein „extra leichtes Mineralwasser mit feinperliger Kohlensäure“, sagt Brodnicki. Inzwischen habe die Sorte Medium mit einem Anteil von 40 Prozent das prickelnde Wasser (30 Prozent) überholt. Stark steigend aber seien die Segmente Naturell und Sanft.

Das ist deutschlandweit so. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen hat Mineralwasser ohne Kohlensäure im vergangenen Jahr mit einem Plus von 9,5 Prozent den größten Anstieg verzeichnet; sein Anteil an den Mineralwasser-Sorten lag 2016 erstmalig bei mehr als 15 Prozent. Die beliebteste Mineralwasser-Sorte in Deutschland war im Jahr 2016 mit einem Absatz von 4,9 Milliarden Litern Mineralwasser mit wenig Kohlensäure, gefolgt vom klassischen Sprudel mit einer Abfüllmenge von 4,4 Milliarden Litern.

Moderner Look

Um etwas verkaufen zu können, braucht man aber nicht nur ein Produkt, sondern auch eine Verpackung. Das Waldsassener Familienunternehmen versucht damit die Marke Kondrauer jünger und bayerisch zu positionieren. „Wir haben den vier Mineralwasser-Varianten einen modernen bayerischen Look verpasst“, sagt Brodnicki. Die Alpen in einem eisigen Blau sind auf dem Etikett des prickelnden Wassers zu sehen, ein grüner Wald prangt auf der Sorte Medium, violette Schmetterlinge auf der Sorte Sanft und eine rosa Wiese auf den Naturell-Flaschen.

Bayerisch kommen auch die Limonaden daher: Sie heißen jetzt Toni (Orange), Franz (Zitrone) oder Maxl (Cola-Mix). Der Mineralwasser-Abfüller reagiert damit vor allem auf eine Erkenntnis und auf ein Problem. Die Erkenntnis stammt aus einer eigenen Studie, in der die Befragten die Marke Kondrauer zwar als verlässlich, aber eben auch als etwas altbacken einstufen. Und das handfeste Problem umschreibt Ralf Brodnicki folgendermaßen: „Wir sind in einem Wachstumsmarkt unterwegs, wachsen aber mit der Marke noch nicht mit.“ Während die deutsche Mineralbrunnenbranche Jahr für Jahr mehr Getränke absetzt, gebe es bei Kondrauer kein großes Wachstum. Das Ziel: „Kondrauer will als das Mineralwasser der Bayern im ganzen Freistaat bekannt und in aller Munde sein“.

Tradition reicht bis ins Jahr 1281

Der Getränkehersteller Kondrauer beschäftigt etwa 120 Mitarbeiter und füllt jährlich rund 140 Millionen Flaschen ab. Der Getränkehersteller verzeichnet nach eigene Angaben einen Umsatz „im zweistelligen Millionenbereich“. Neben dem Abfüllbetrieb in Kondrau gehören Teile der Frankenwald Mineralbrunnen Getränke mit Produktionsbetrieb in Naila zum Unternehmen.

Die Tradition des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1281 zurück, als erstmals Zisterziensermönche aus den Quellvorkommen bei Kondrau schöpften. Kondrauer ist ein Familienunternehmen. Brau-Ingenieur Jonas Seidl führt es als geschäftsführender Gesellschafter in der vierten Generation. Zur Geschäftsführung gehört auch Marketingexperte Ralf Brodnicki.

Nicht bewertet

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Kommentare

"Die Alpen in einem eisigen Blau sind auf dem Etikett des prickelnden Wassers zu sehen........"

Die Alpen sind von Waldsassen schon etwas weit weg (und auch nicht zu sehen); oder holen die Ihr Wasser aus dem südlichen Bayern ?
Nunja, wer Wasser in Flaschen kaufen und nach Hause schleppen möchte, der soll das eben machen. Und wer auf die Masche mit einem "sanften" und "leichten" Wasser anspringt, der kann da gern investieren.
Ich bleibe beim Leitungswasser...
http://nachhaltig-sein.info/lebensweise/leitungswasser-mineralwasser-vergleich-nachhaltigkeit-gesundheit
Machen wir seit Jahren daheim. Die Mineraliengehalte des Trinkwassers sind auf der Internetseite des örtlichen Wasserversorgers einsehbar. Zu einigen Anlässen geht es aber auch mal mit Mineralwasserflaschen. Stilles Wasser aus der Flasche hat übrigens in der Regel einen geringeren Mineralgehalt als "Juraquell".
Leider gibt es immer mehr Gegenden auch in Bayern, wo man den Baybies kein Leitungswasser mehr geben sollte wegen der Nitratbelastung. Die Kommunen müssen immer mehr Wasser aus Tiefenbohrungen zumischen, um den Nitratgehalt unter dem zulässigen Grenzwert zu halten. Leider ist bisher keine Tendenzänderung in Sicht.