Jetzt wird wieder gespurt

Die Vorgeschichte: Wie berichtet, war am frühen Nachmittag des Neujahrstages eine große gemauerte Scheune am Wagenthal abgebrannt, ein Loipenspurgerät und ein Wohnmobil wurden ebenfalls ein Raub der Flammen. Die Kripo ging nach ersten Ermittlungen von vorsätzlicher Brandstiftung aus.

Das neue Loipenspurgerät: Am Montag kam direkt aus Laupheim bei Ulm ein neuwertiges Loipenspurgerät, das der Hersteller Kässbohrer zuvor als Vorführgerät im Einsatz hatte. Die Kommune darf das Gerät im Zeitwert von rund 150 000 Euro bis Ende März kostenlos nutzen, lediglich den Transport musste sie zahlen. Das freut nicht nur Bürgermeister Axel Herrmann, der den Kontakt zu Kässbohrer von seinem Mehlmeisler Amtskollegen Franz Tauber vermittelt bekam: „Dafür sind wir dankbar.“ Das freut auch den Wintersportverein Oberwarmensteinach (WSVO), der das verbrannte Spurgerät im Einsatz hatte. Spurgerätfahrer Manfred Müller zeigte sich gestern zuversichtlich, dass am heutigen Dienstag die Loipen, die bisher von Wagenthal aus gespurt wurden, rund 20 Kilometer, begehbar sind. Offen war gestern noch, wo das Gerät stationiert wird: am Wagenthal oder am Hempelsberg. Und WSVO-Vorsitzender Thomas Reichenberger berichtet von zahlreichen Hilfsangeboten von Firmen, Vereinen und Privatleuten nach dem Brand: „Auch ohne das neue Gerät hätten wir sicher bald eine Lösung gefunden.“

Wagenthal: In seinem angestammten Revier hat das Spurgerät vorerst ein teilweises Befahrverbot. „Ich habe dem WSVO mitgeteilt, dass er auf meinen Flächen keine Loipen mehr präparieren darf“, so Franz Tauber am Montag zum Kurier. Betroffen davon ist auch die Nachtloipe. Tauber ist sauer auf den WSVO. Seit 2012 ist er Eigentümer der Flächen des ehemaligen Gasthofs Wagenthal und einiger umliegender Flächen. Ihn hat schon in der Vergangenheit gestört, dass der WSVO selbstverständlich seinen Grund benutzt habe. Die Scheune. Die Flächen, wenn es Wettkämpfe gab. „Geredet hat darüber nie jemand mit mir. Ich wurde nicht mal zu einer Vereinsversammlung eingeladen.“ Das Fass zum Überlaufen gebracht habe, dass sich der Verein nach dem Brand vom Neujahrstag in den Medien als der Hauptgeschädigte darstellte. „Der Einzige, dem ein Schaden entstanden ist, bin ich“, sagt Tauber, und fügt an: „Seit dem Brand hat sich niemand vom Verein mal bei mir gemeldet. Ich war da oben viel zu lang viel zu gutmütig.“ Seinen persönlichen Verlust setzt Tauber im fünfstelligen Bereich an. Zum Beispiel für das Wohnmobil. Eine 18-monatige Ruheversicherung für das Gefährt war wenige Wochen vor dem Brand ausgelaufen.

Der Abbruch der ausgebrannten Scheune sei in die Wege geleitet, so Tauber, er will „wieder etwas hinstellen da oben, aber sicher nicht in der Größe wie die alte Scheune.“

WSVO-Vorsitzender Thomas Reichenberger bedauerte gestern auf Nachfrage die Unstimmigkeiten, zeigte sich aber zuversichtlich, sie ausräumen zu können. Und machte deutlich: „Wir machen das Spuren für die Allgemeinheit, nicht in erster Linie für uns.“

Die Ermittlungen: Nach Kurierinformationen konzentrieren sich die Ermittlungen der Kripo Bayreuth unter anderem auf eine Gruppe einheimischer junger Leute. Sie sollen in der Silvesternacht im Wagenthal unweit der Scheune Feuerwerk abgebrannt haben. Nach Aussagen von Zeugen, die Silvester in der nahen Hütte des Alpenvereins zugebracht hatten, waren sie am Neujahrstag zurückgekehrt. Um aufzuräumen, aber auch um weiteres Feuerwerk abzubrennen. Kurz danach hätten die Hüttengäste Rauch aus Richtung der Scheune aufsteigen sehen.

Die Kripo hatte in einer ersten Stellungnahme von Brandstiftung gesprochen. Und zwar von „vorsätzlicher“ und nicht von „fahrlässiger“ Brandstiftung. Polizeipressesprecherin Anne Höfer bekräftigte gestern auf Nachfrage, dass weiter wegen vorsätzlicher Brandstiftung ermittelt werde: „Die Ermittlungen laufen weiter auf Hochtouren und sind bei weitem noch nicht abgeschlossen.“ Es seien seit dem Brand „viele Personen“ vernommen worden. Auf den Aufruf im Kurier habe sich ein Zeuge gemeldet, so Höfer.

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