Jazz: Arild Andersen im Becher-Saal

Jeder Ton perfekt, seine Souveränität, Leichtigkeit und Eleganz bleiben unerreicht. Dabei ist der Mann am Bass auch nicht mehr der Jüngste. In zwei Wochen ist er 72 Jahre alt. Als offener, neugieriger Musiker hat Jazz-Geschichte geschrieben.

Das, was ist, war Arild Andersen nie genug. Rastlos eilte er vom Cool zum Free und weiter zur Fusion. Mit seiner hochtechnisierten Spielweise entfernte er sich auch vom Jazz und machte zeitgenössische Musik. Zuletzt öffnete er den unterkühlten Jazz Nordeuropas für die volksmusikalischen Einflüsse Skandinaviens.

Weite Klanglandschaften

Seit zehn Jahren schon tourt Arild Andersen mit einem Trio durch die Clubs. Im Becher-Saal trat er mit dem Saxofonisten Tony Smith aus Schottland und seinem Landsmann Thomas Stroenen am Schlagzeug auf. Klar, dass Andersen auch dort seinen musikalischen Wurzeln treu blieb. Er setzte zunächst den Rahmen für weite, einsame Klanglandschaften.

Spektakuläre Zwiegespräche

Sodann bestimmten längere, zuweilen dramatische, ja sogar spektakuläre Zwiegespräche zwischen Kontrabass und Saxofon das Konzert. Mit seinem weiträumigen und muskulösen Bass forderte Arild Andersen seine jungen Begleiter immer wieder heraus. Die gingen gerne darauf ein.

All das ergab einen kraftvollen, spannenden Jazz. Melancholie und Temperament hielten sich die Waage. Komponiertes und Freies gingen ineinander über. Die Musik schlug einen weiten Bogen. Mal lyrische, mal hymnische Abschnitte standen neben verzweigten Improvisationen, die aber nie das Thema aus den Augen verloren.

Dass Arild Andersen dabei stets das Heft in der Hand hatte, verwundert nicht. Er bearbeitete die Saiten. Vital wie eh und je. Nicht selten mit einem Lächeln. Er hatte seinen Spaß dabei.

4.5 (2 Stimmen)

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