Interview: Medi will in Champions League

Bis Ende dieser Woche müssen die Lizenzunterlagen für die kommende BBL-Saison eingereicht werden. Wird sich der sportliche Erfolg der laufenden Runde dabei in höheren Zahlen für den Etat ausdrücken?

Philipp Galewski: In dieser frühen Phase werden die Zahlen für die kommende Saison immer sehr vorsichtig kalkuliert. Da ändert sich also gar nichts. Anders ist es in unserer internen Planung. Wir wollen in der neuen Saison international spielen, und dafür benötigt man schon einen höheren Etat.

Muss man diese Absicht gegenüber der BBL offiziell bekunden?

Galewski: Bekundet haben wir es schon vor einigen Wochen, aber für die Lizenzierung spielt es erst einmal keine Rolle. Das kann eher in der zweiten Stufe des Verfahrens Mitte Juli ein Thema werden. Intern beschäftigt uns aber natürlich schon die Frage, ob wir uns das leisten können oder nicht.

Sind ansonsten irgendwelche Schwierigkeiten bei der Lizenzierung zu erwarten – zum Beispiel die rund um die Uhr verfügbare Halle, die nun verpflichtend wird?

Galewski: Mit Oberfrankenhalle und Sportzentrum haben wir zwei abgenommene Hallen, von denen uns eine in Absprache mit dem Sportamt bei Bedarf immer zur Verfügung steht. Eine eigene, zusätzliche Halle ist eher ein Thema als Faktor für die Nachwuchsarbeit. Das streben wir an, um den Jugendspielern optimale Bedingungen zu bieten, aber für die BBL-Lizenz ist das nicht entscheidend.

In welchem internationalen Wettbewerb wird Medi Bayreuth spielen, und wie qualifiziert man sich dafür?

Galewski: Im Grunde ist wie beim Fußball die Platzierung in der nationalen Liga entscheidend. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die europäischen Wettbwerbe von zwei konkurrierenden Verbänden organisiert werden. Der Deutsche Meister spielt in der Euroleague – Stand jetzt, wohlgemerkt, denn auch das ist noch nicht endgültig sicher. In den anderen Wettbewerben gibt es ein Wahlrecht für die Plätze, die der BBL zur Verfügung stehen. Das sind in der Regel acht, so dass man als Playoff-Teilnehmer das sportliche Recht haben sollte. Möglicherweise gibt es am Ende auch Wildcards für Vereine ohne sportliche Qualifikation, die aber ein überzeugendes Programm vorweisen können. Dafür wollen sich wohl die Würzburger bewerben. Wir streben derzeit die Champions League des Weltverbandes Fiba an, die erscheint uns attraktiv und auch finanziell machbar. Aber es gibt keine Verpflichtung zur Teilnahme. Wir haben nun die Zeit, um das wirtschaftlich zu prüfen. Bis eine Entscheidung gefallen ist, wird es wahrscheinlich Juni werden.

Beim Fußball spricht man immer vom „internationalen Geschäft“. Ist es auch im Basketball ein Geschäft, oder eher ein Kostenfaktor?

Galewski: Das ist eine gute Frage, und ehrlich gesagt, wissen wir das selbst noch nicht so ganz genau. Das kommt sicher auch auf die Auslosung an: Hat man das Glück mit attraktiven Gegnern, die in den Heimspielen die Halle füllen und die möglichst auch noch auswärts leicht zu erreichen sind? Oder hat man Pech mit Vereinen in der weit entfernten Provinz, die nur mit großem Reiseaufwand zu erreichen sind? Da gibt es unterschiedliche Erfahrungen aus dieser Saison: Oldenburg hatte Schwierigkeiten die Halle voll zu bekommen, in Ludwigsburg waren dagegen zwei Gruppenspiele ausverkauft. Dort sagte der ja auch in Bayreuth bestens bekannte Marko Beens, man müsse schon viel falsch machen, um nicht wenigstens mit einer schwarzen Null aus dem Wettbewerb zu gehen. Es gibt mittlerweile auch eine gewisse Antrittsprämie in der Champions League, die sich zudem je nach Abschneiden noch erhöhen kann. Und man hat zusätzliche Kapazitäten für Zuschauer und auch Werbung. Wenn die Sponsoren mitziehen und alle ihre VIP-Karten auch für die internationalen Spiele buchen, mache ich mir keine Sorgen. Wir werden den Etat um etwa eine halbe Million Euro erhöhen müssen, und das ist definitiv möglich.

Man kann sich vorstellen, dass internationale Wettbewerbe nicht zuletzt für die amerikanischen Spieler interessant sind, die sich europaweit empfehlen wollen. Hat so eine Überlegung eine Rolle dabei gespielt, dass sich De’Mon Brooks recht früh auf eine Vertragsverlängerung in Bayreuth festgelegt hat?

Galewski: Bei De’Mon Brooks ist klar, dass er von der Entwicklung des Vereins überzeugt ist. Wir mussten ihm zusichern: Wenn wir international spielen können, dann werden wir das auch wahrnehmen. Er will auf dieses zusätzliche Niveau, und das ist für die Entwicklung eines Spielers auch wichtig.“

Spielt das auch in den Gesprächen mit anderen Spielern eine Rolle, die durch den tollen Saisonverlauf auf sich aufmerksam gemacht haben – Assem Marei beispielsweise?

Galewski: Unter anderem mit Assem Marei hatten wir auch genau das bereits besprochen. Und ja: Wenn wir jetzt abschließen würden, dann müssten wir ihm wohl ein Ausstiegsrecht einräumen für den Fall, dass wir nicht international spielen sollten.

"Nicht auf Teufel komm raus versuchen, Trey Lewis zu halten"

Könnte das europäische Argument auch Trey Lewis überzeugen, oder strebt der nach noch Höherem?

Galewski: Er hat mehrfach gesagt, dass er sich die NBA als persönliches Ziel gesetzt hat. Beim Spiel in Bamberg hat man aber gerade gesehen, dass ihm meiner Meinung nach noch ein Jahr in Bayreuth mit internationalen Spielen in der Entwicklung gut tun würde. Da ist er doch an Grenzen gestoßen. Aber das muss er mit seinem Agenten abklären. Ich gehe davon aus, dass er sich erst einmal in der Summer League der NBA empfehlen will. Für mich wäre auch ein Vertrag mit entsprechender Ausstiegsklausel kein Problem, falls es dann tatsächlich mit der NBA klappt. Ob wir uns ihn aber überhaupt noch leisten können, ist ein anderes Thema. Wir werden sicher nicht auf Teufel komm raus versuchen, einen Trey Lewis in Bayreuth zu halten. Das können wir uns einfach nicht leisten.

Hat man nicht vor zwei Jahren mit so einer Ausstiegsklausel schon mal schlechte Erfahrungen gemacht, als Melvin Ejim seine Chance in einem NBA-Trainingscamp bekam und deswegen kurzfristig ersetzt werden musste?

Galewski: Das hat aber auf der anderen Seite auch gezeigt, auf welchem Niveau wir Spieler rekrutieren. Das sind Talente, die sich zumindest im Dunstkreis der NBA bewegen. Melvin Ejim steht aktuell übrigens mit Venedig im Halbfinale der Champions League.

LED-Würfel unterm Hallendach und größere Tribüne

Was beschäftigt Sie aktuell gerade am meisten neben den Voraussetzungen für das Debüt auf europäischer Ebene?

Galewski: Wichtig ist, die Bedingungen in der Oberfrankenhalle weiterzuentwickeln, nicht zuletzt mit Blick auf die Werbemöglichkeiten. Gewünscht ist von unserer Seite ein LED-Würfel unterm Hallendach. Inzwischen wissen wir, dass es baulich möglich ist, aber die Finanzierung gilt es noch zu klären. Das werden wir selber stemmen müssen. Zudem ist die Zuschauerkapazität ein wichtiges Thema für uns und natürlich für die Fans. Es ist bezeichnend, dass wir trotz einer Auslastung der Zuschauerkapazität von rund 95 Prozent immer ein Problem haben, die letzten Stehplätze an den Mann zu bringen. Das liegt einfach an der mangelnden Qualität dieser Plätze. Mit der Stadt laufen gerade Gespräche darüber, auf der Tribüne hinter dem Korb auf der Westseite nicht nur die Zahl von 200 Plätzen zu verdoppeln, sondern dabei auch qualitativ gute Plätze zu schaffen. Der finanzielle Aufwand dafür ist eher überschaubar, man könnte so eine Tribüne sogar leihen. Das größere Problem wird der Auf- beziehungsweise Abbau, den offenbar andere Veranstaltungen in der Oberfrankenhalle voraussetzen. Und wenn man die Tribüne bei einem Konzert stehen ließe, wie ist das dann mit der Bestuhlung des Innenraums – und den Fluchtwegen? Vielleicht können die erhöhten Plätze aber auch bei einem Konzert sogar nützlich sein. Das alles muss nun von der Stadt geklärt werden, aber die ersten Gespräche mit der Oberbürgermeisterin, dem Sportamt und Georg Kämpf als Sportpfleger waren sehr konstruktiv. Da habe ich ein gutes Gefühl, dass wir hier zusammen eine gute Lösung erreichen können.“

Das Gespräch führte Eberhard Spaeth

Vier europäische Wettbewerbe

Mit je zwei Wettbewerben in konkurrierenden Organisationen ist die europäische Basketball-Ebene etwas unübersichtlich. Unumstrittene Königsklasse ist die Euroleague mit 16 Mannschaften, unter denen der Deutsche Meister Bamberg in dieser Saison den 13. Platz belegt hat. Die „2. Liga“ in dieser vom Weltverband Fiba unabhängigen Struktur ist der Eurocup mit 20 Teams. Dort sind Berlin und Ulm in der zweiten Gruppenphase ausgeschieden, München im Viertelfinale.

Innerhalb der Fiba ist die in dieser Saison neu geschaffene Champions League der ranghöchste Wettbewerb. An der Premiere nahmen 40 Mannschaften teil (32 gesetzte, acht qualifizierte). Aus fünf Achtergruppen rückten acht Mannschaften direkt ins Achtelfinale vor, und 16 konnten in Pre-Playoffs nachziehen. In dieser ersten K.-o.-Runde ist Frankfurt auf der Strecke geblieben, Oldenburg in der zweiten und Ludwigsburg ganz knapp im Viertelfinale.

Die Mannschaften auf den Plätzen 25 bis 32 in der Rangfolge in der Champions League setzten die Saison in den Playoffs des Fiba-Europe-Cups fort. Dort scheiterte Bonn als einziger BBL-Vertreter knapp im Halbfinale.

Für die Zukunft zeichnet sich eine Annäherung der beiden separaten Organisationen ab. Dann soll der Gewinner der Champions League an der Euroleague teilnehmen dürfen.

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