Immer weniger Sänger im Chor

Schon mehrfach haben er und der Vorstand versucht, Nachwuchs zu finden: Im Amtsblatt der Kommune haben sie Aufrufe gestartet, haben Flugblätter gedruckt, haben das persönliche Gespräch mit möglichen Sängern gesucht und öffentliche Veranstaltungen organisiert. Doch alles ohne Erfolg. „Ich denke, dass niemand allein dazu kommen möchte, sondern dass es eine kleinere Gruppe sein müsste. Dann würden sich die Männer vielleicht eher trauen“, vermutet Bojer.

20 Sänger und 15 passive Mitglieder

Das Prinzip wäre nicht neu im Männergesangverein, der momentan 20 Sänger und 15 passive Mitglieder umfasst. Vor über einem halben Jahrhundert kamen Fritz Deinzer und seine Freunde auf die selbe Art zum Verein: Andreas Bojer, Fritz Brütting und Ernst Sperber traten vor 61 Jahren dem Verein bei. Damals waren sie 18 Jahre alt.

„Singen hatte damals eine andere Bedeutung, da wurde immer und überall gesungen“, erinnert sich Deinzer. Beispielsweise im Wirtshaus und bei Sängerfesten. Sogar auf dem Heimweg vom Wirtshaus haben die Leute noch gesungen. „Und es gab noch keinen Fernseher und kein Internet, da ist man fortgegangen und hat das Singen genossen“, erklärt er.

Altersdurchschnitt von 67 Jahren

Mitte der 1950er gab es sogar so viele singwillige Männer in Plech, dass im früheren Gasthaus „Weißes Lamm“ (Häz’n) die Mitglieder mit weißen und schwarzen Kugeln anonym entschieden, wer zum Männergesangverein kommen darf und wer nicht. Diese Zeiten sind vorbei. Die aktuellen Sänger schaffen es nicht einmal, ihre eigenen Söhne oder andere Verwandte zur Singstunde mitzubringen, sagt Bojer. So könnten sie dem Nachwuchsproblem entgehen und den Altersdurchschnitt von derzeit 67 Jahren senken. Der einzige (und gleichzeitig jüngste), der über seinen Vater zum Singen gekommen ist, ist derzeit Paul Ertel. Der 48-Jährige singt seit 24 Jahren. Ertel lebte für einige Zeit nicht in Plech, doch kaum zurück in der Heimat, ging er auch wieder zu den wöchentlichen Singstunden.

A-Capella-Liedprogramm

Die Kritik von Außenstehenden, die Männer sängen nur Altbackenes lässt er als zweiter Vorsitzender nicht gelten. Der Verein habe ein buntes A-Capella-Liedprogramm, das von Volks- und Wanderliedern bis hin zu Gassenhauern wie „Griechischer Wein“ reicht. Das alte, deutsche Liedgut müsse gepflegt werden, sind sich die Sänger einig. Und Bojer fügt hinzu: „Wir könnten unser Repertoire schon etwas ändern, aber warum sollten wir, wenn die jungen Leute trotzdem nicht kommen?“

Guter Zusammenhalt

Was nichts mit dem Alter zu tun hat, ist der gute Zusammenhalt und die Begeisterung am Feiern: Während des Vereinsjahrs gibt es beispielsweise einen Kameradschaftsabend. Außerdem werden in der Gruppe regelmäßig Geburtstage, runde Hochzeitstage und Sängerjubiläen gefeiert. „Ich glaube viele Leute denken, alte Männer können keinen Spaß haben. Die sollten mal nach einer Singstunde ins Wirtshaus kommen. Dann überzeugen wir sie vom Gegenteil“, sagt Chorleiter Andreas Bojer belustigt.

Es wird geratscht und gelacht

Nach dem „offiziellen“ Teil steht keiner der Männer auf. Die verschiedenen Stimmen, die kurz vorher noch an getrennten Tischen saßen, lösen sich auf und alle gesellen sich zueinander. Da wird geratscht, gelacht und das ein oder andere zusätzliche Lied angestimmt. Vor 23 Uhr geht in der Regel niemand nach Hause. Bojer ist seit 30 Jahren im Männergesangverein. „Ich hatte schon immer Spaß am Singen und habe mir damals vorgenommen, nach meiner Prüfung zum Kunst- und Bauschlossermeister zur Singstunde zu gehen“, sagt der 56-Jährige.

In der Zwischenzeit hat er die Chorleitung übernommen. Deutlich länger als Bojer singt Konrad Hopp: Der 84-Jährige ist der Älteste der Sängerschar.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06