IHK setzt auf erfahrene Frau

„Ich war anderer Meinung“, sagte Vizepräsident Hans Rebhan (Kronach) im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Demokrat trage er die Mehrheitsentscheidung aber mit. Ob es weitere Gegenstimmen gab, wollte Rebhan nicht sagen. Einen „klaren Vertrauensbeweis“ des Präsidiums sieht die bisherige stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Hohenner. „Das weiß ich zu schätzen. Ich weiß, was auf mich zukommt“, sagte sie auf Nachfrage unserer Zeitung.

Digitalisierung, Regionalisierung

Die Entscheidung des Präsidiums, sich von IHK-Chefin Christi Degen zu trennen, wollte Hohenner nicht kommentieren: „Es steht mir in keinster Weise zu, diese Entscheidung zu hinterfragen oder zu kommentieren.“ Auch zu den Kosten des Wechsels an der Spitze wollte sich Hohenner nicht äußern. Für die IHK-Arbeit der Zukunft habe sie „ganz klare Vorstellungen“. Digitalisierung, Regionalisierung, das Jahrzehnt Oberfrankens, noch bessere Kontakte zu den Unternehmen und Branchen seien Stichworte dazu.

Und wie sieht Hohenner ihr Verhältnis zur neuen Präsidentin Sonja Weigand? „Ich kenne Frau Weigand sehr lange, weil ich ein altes Kammergewächs bin.“ Hohenner arbeitet seit 1990 für die IHK. Weigand sei „sehr tatkräftig“, eine „entschlossene Präsidentin, die weiß, wo sie hin will“.

Fronten beruhigen

Nach teilweise harscher Kritik an den Umständen der Trennung von Degen will die IHK mit der schnellen internen Neubesetzung nun die Fronten beruhigen.

Das Präsidium äußerte sich erstmals etwas umfangreicher zur Trennung von Degen: „Die Verlautbarung, dass Frau Degen und die IHK für Oberfranken Bayreuth künftig getrennte Wege gehen, erfolgte in Abstimmung mit Frau Degen. Der Impuls ging vom IHK-Präsidium aus, das sich bei einem gesonderten Treffen zu diesem Vorgehen entschloss. Dabei wurde die Präsidentin aufgefordert, mit Frau Degen das weitere Verfahren und die Details der Abwicklung des Dienstverhältnisses zu klären.“ Degen habe die Amtsgeschäfte bereits an ihre Stellvertreter übergeben und sich auf eigenen Wunsch von den IHK-Mitarbeitern verabschiedet.

Schwere Vorwürfe

Der Personalentscheidung hätten unterschiedliche Auffassungen zu den Aufgaben der Hauptgeschäftsführerin und der strategischen Ausrichtung der IHK zugrunde gelegen, heißt es weiter. Das Präsidium sei der Überzeugung gewesen, dass ein neues Ehrenamt rasch eine Entscheidung herbeiführen müsse, „wenn beide Seiten eine weitere konstruktive Zusammenarbeit nicht als Erfolg versprechend ansehen“. Über die Beendigung der Zusammenarbeit sei eine Einigung erzielt worden.

Der Bayreuther Unternehmer Udo Schmidt-Steingraeber hatte der neuen IHK-Präsidentin Weigand schwere Vorwürfe gemacht. Es sei widersinnig und kontraproduktiv, „die Wirtschaft in den Geruch eines stummen Bundes für geheime Entscheidungen zu bringen“.
Weigand wollte den Mitgliedern der IHK-Gremien Stillschweigen über die Personalie Degen verordnen und hatte sich beklagt, dass das Thema „leider“ in einigen oberfränkischen Medien diskutiert und kommentiert werde. Für Schmidt-Steingraeber ist diese Presseschelte „undemokratisch und auf katastrophale Art und Weise falsch“.

Irritiert

Auch im Präsidium sollen sich mehrere der sieben Vizepräsidenten über Weigands Vorgehen irritiert gezeigt haben. Personalangelegenheiten müssen in der IHK-Vollversammlung diskutiert und entschieden werden. Das Präsidium bereitet die Sitzung vor und gibt der Vollversammlung eine Entscheidungsvorlage. Zur Begründung für den Personalvorschlag Hohenner heißt es: „Um angesichts großer Herausforderungen rasch handlungsfähig zu werden, schlägt das Präsidium der Vollversammlung eine interne Besetzung der Hauptgeschäftsführung vor.“

Der Bayreuther IHK-Vizepräsident Jörg Lichtenegger bestätigte, dass die Entscheidung „nicht einstimmig, aber mehrheitlich“ gefallen sei. Dass es weitere Gegenstimmen gab, wollte er nicht dementieren. Man habe sich rund vier Stunden lang „intensiv ausgetauscht“, dann sei man zu einem Ergebnis gekommen. „Die Stimmung war positiv, als wir auseinandergingen.“

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