IHK-Präsident Heribert Trunk sagt Ade

Herr Trunk, als IHK-Präsident waren Sie – aus Sicht von Außenstehenden – geradezu rastlos unterwegs. 

Heribert Trunk: Ich bin glücklich über das, was war – und über das, was kommen wird. Das gilt sowohl für mich persönlich als auch für die IHK.

Kritische Stimmen sagen: „Erst ruft er das ,Jahrzehnt Oberfrankens‘ aus und dann geht er nach fünf Jahren.“ Was entgegnen Sie?

Trunk: Das „Jahrzehnt Oberfrankens“ ist ein Motto, das aus einem Gespräch mit dem Chefredakteur einer großen oberfränkischen Tageszeitung entstanden ist. Ich persönlich interpretiere es nicht so, dass es da einen festen Stichtag gibt, an dem der Weg Oberfrankens endet. Wir sollten nicht irgendwann sagen: Jetzt sind alle Aufgaben erledigt und damit ist das „Jahrzehnt Oberfrankens“ beendet. Das ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess. Alles ist ständig in Bewegung. Unsere Region muss permanent daran arbeiten, sich fortzuentwickeln. Die Weichen sind jedenfalls richtig gestellt.

Blicken wir auf Ihre Arbeit zurück: Welche Erfolge verbuchen Sie?

Trunk: Uns als IHK war es wichtig, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik zu vernetzen, um mehr Schlagkraft zu entfalten – und dadurch gemeinsam mehr für Oberfranken zu erreichen. Wir wollten große Räder drehen. Ich denke, das ist uns gelungen. Wir haben die Kräfte gebündelt und gemeinsam eine Strategie und ein ganzheitliches Konzept für die Region entwickelt. Die Erfolge werden zum Beispiel in der sogenannten NordbayernInitiative der Staatsregierung sichtbar, wovon Oberfranken maßgeblich profitiert hat. Oder beim Breitbandausbau. Wir haben immer wieder das Gespräch mit denKommunen gesucht und Tempo gemacht. Wir waren die erste IHK in Bayern, der es gelungen ist, dass alle Kommunen im Kammergebiet am Breitband-Programm der Staatsregierung teilnehmen.

Sie haben Ihr Amt mit großer Intensität und starker Präsenz ausgeübt. Erschöpft das nicht auf die Dauer?

Trunk: Klar war das intensiv. Ich war in meiner Amtszeit 175 000 Kilometer mit dem Auto für die IHK unterwegs. Aber so ist mein Charakter: Wenn ich etwas mache, dann richtig. Es war wichtig, dass einer mit breiter Brust vorausmarschiert und Dinge anstößt.

Sie sehen Ihre Mission als erfüllt an – darf man das so interpretieren?

Trunk: Ich war 19 Jahre lang für die Kammer aktiv, davon zehn Jahre als Vizepräsident beziehungsweise Präsident. Jetzt ist es an der Zeit, dass andere aus dem Schatten treten und sich an die Spitze setzen. Das „Jahrzehnt Oberfrankens“ ist aufgegleist. Es muss sich nun eine breite Bewegung bilden, die den erfolgreichen Kurs konsequent fortsetzt.

Bleiben Sie der Kammer verbunden?

Trunk: Es ist nicht mein Ziel, künftig als Ober-, Neben- oder Hilfs-Präsident tätig zu sein. Aber natürlich möchte ich mich weiter für Oberfranken engagieren. Ich liebe meine Heimat und empfinde Dankbarkeit für sie. Und ich bin dankbar dafür, dass ich sie als IHK-Präsident mitgestalten durfte.

Wie darf man sich Ihr künftiges Engagement für die Region vorstellen?

Trunk: Ich habe vor, gemeinsam mit einem bekannten adeligen ehemaligen Bundesminister aus der Region ein oberfränkisches Zukunftsinstitut zu gründen.

Sie meinen Karl-Theodor zu Guttenberg. Was sagt er zu Ihren Plänen?

Trunk: Er hat nicht abgesagt. Wir werden uns bald treffen und genauer darüber sprechen.

Wie soll dieses Zukunftsinstitut aussehen?

Trunk: Wir wollen oberfränkische Wissenschaftler mit international renommierten Forschern zusammenbringen. Gemeinsam mit der Wirtschaft und der Politik soll bei Foren über Zukunftsthemen diskutiert werden. Und es soll erörtert werden, wie die hiesige Region von neuen Trends und Entwicklungen profitieren kann.

Ihnen schwebt also eine Denkfabrik vor. Wo soll der Standort sein?

Trunk: Mir ist nicht wichtig, an welchem Ort sie entsteht – Hauptsache in Oberfranken.Entscheidend ist,dass wir uns mit internationalen Top-Leuten austauschen, Neues lernen, Innovationen anregen. Nehmen Sie die Digitalisierung als Beispiel. Es hilft nichts, nur darüber zu reden, sondern wir müssen entschlossen die Chancen nutzen, die sich daraus ergeben. Manchmal mache ich mir in dieser Hinsicht etwas Sorgen um Oberfranken.

Warum?

Trunk: Ich schätze an den Oberfranken besonders ihre Bodenständigkeit und Zuverlässigkeit. Aber die Veränderungsbereitschaft ist bei manchen Zeitgenossen nicht so stark ausgeprägt. Aber genau die brauchen wir. Ich bin überzeugt: Wir werden in den nächsten zehn Jahren in technologischer Hinsicht so viele Veränderungen erleben wie im gesamten vergangenen Jahrhundert. Auf diese turboschnelle Entwicklung müssen wir uns einstellen.

Die IHK hat etliche Kritiker – auch bei den Unternehmern. Wie könnte man die gewinnen?

Trunk: Ich war als junger Unternehmer auch ein Kammer-Kritiker. Aber der damalige Hauptgeschäftsführer Bodo Schultheiß hat mich zur Seite genommen und mich aufgefordert, doch lieber mitzumachen, statt zu nörgeln. Er hatte recht: Wer unzufrieden ist, der soll mitgestalten, damitsich etwas zum Positiven verändert.

Im kleinen Oberfranken gibt es zwei IHKs. Wie ist das Verhältnis zwischen Ihrer Kammer und der IHK zu Coburg?

Trunk: Wir sprechen bei allen wichtigen Themen mit einer Stimme. Es wird da oft ein Dissens hineininterpretiert, den es nicht gibt.

Sie gelten als fordernd, durchsetzungsstark und mitunter als unbequem. Was meinen Sie: Sind manche IHK-Mitarbeiter froh, dass der Bulldozer Trunk nun weg ist?

Trunk: Ich glaube, die Verteilung ist in etwa so: Einem Drittel der Mitarbeiter tut es leid, dass ich gehe. Ein Drittel sieht es neutral, unterstützt aber grundsätzlich den Weg, den wir während meiner Präsidentschaft eingeschlagen haben. Und ein Drittel macht drei Kreuze, weil ich endlich weg bin.

Sie werden sich künftig noch stärker für die Don Bosco Stiftung, bei der Sie im Vorstand sitzen, engagieren. Was treibt Sie an?

Trunk: Ohne die Don Bosco Stiftung wäre ich heute nicht da, wo ich bin. In meiner Jugendzeit hatte ich auch sehr schwierige Phasen. Ich wäre beinahe auf die falsche Bahn geraten, doch die Salesianer haben mich gerettet. Dafür bin ich dankbar. Nun möchte ich etwas zurückgeben. Die Don Bosco Stiftung ist weltweit vertreten. Sie unterstützt in zahllosen Projekten Straßenkinder und gibt ihnen auch berufliche Perspektiven. Ich komme gerade aus Südafrika. In Kapstadt haben wir gemeinsam mit der dortigen Außenhandelskammer ein Projekt gestartet, bei dem 70 junge Menschen zum Mechatroniker ausgebildet werden. Wir müssen die Menschen dazu befähigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das ist die beste Entwicklungshilfe.Und der beste Weg, um Fluchtursachen zu beseitigen.

Das Gespräch führten Matthias Will und Roland Töpfer

Spannung vor der Wahl

Die 85 Mitglieder der IHK-Vollversammlung treffen sich am Montag in Bayreuth zu ihrer konstituierenden Sitzung und wählen den neuen Präsidenten/die neue Präsidentin der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken. Nicht unwahrscheinlich ist, dass der neue oberste Repräsentant der Wirtschaftskammer wieder aus dem Kreis der acht Gremiumsvorsitzenden kommt, die gleichzeitig Vizepräsidenten sind. In Bayreuth und Bamberg gab es mitJörg Lichtenegger und Sonja Weigand zwei neueGesichter. Lichtenegger (Werbeagentur GMK) hat eine Kandidatur für das Präsidentenamt ausgeschlossen. Würde SonjaWeigand, die Geschäftsführerin des Lebensmittel- und Blumenhändlers Denscheilmann+Wellein, neue Präsidentin, würde derIHK-Spitzenposten nach Heribert Trunk erneut vom Bamberger Gremium besetzt.

Nicht bewertet

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