GSG 9 setzt Neonazis nach Schießübung fest

Bei der Gruppe handelte es sich um die deutsche Sektion des Netzwerkes „Combat 18“, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Die spektakuläre Festnahme spielte sich bereits am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, ab.

Von den Sicherheitsbehörden gab es bislang keine Mitteilung darüber. Die GSG 9 ist für Einsätze gegen Terroristen und Entführer ausgebildet. Nach weiteren Informationen von "Süddeutscher Zeitung" und NDR hatten die Neonazis in der Nähe von Cheb ein zweitägiges Schießtraining absolviert; offenbar ein Anzeichen dafür, dass die Gruppe wieder aktiver wird. „Combat 18“ wurde von militanten Rechten 1992 in Großbritannien gegründet, Mitglieder verübten Anschläge auf politische Gegner, Migranten und Journalisten in ganz Europa.

Staatsanwaltschaft Hof ermittelt

Noch im vergangenen Dezember hatte die Bundesregierung erklärt, von Waffentrainings bei „Combat 18“ sei nichts bekannt. Der Bundesverfassungsschutz hatte den Ausflug der Gruppe zum Schießtraining offenbar genau verfolgt und die Festnahme in Schirnding geplant. Bei der Durchsuchung von Autos und Taschen fanden die GSG-9-Beamten teils verbotene Munition.

Die Staatsanwaltschaft in Hof bestätigte, dass eine entsprechende Kontrolle stattgefunden habe. „In diesem Zusammenhang wurde bei zwei Personen Munition gefunden. Gegen die beiden wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet“, erklärte Jochen Götz, Staatsanwalt als Gruppenleiter, in Hof. Dass es sich bei den beiden Tatverdächtigen um Mitglieder von „Combat 18“ handelt, bestätigte Götz nicht.

Das Bundesinnenministerium in Berlin erklärte, es habe diese Kontrolle, die sich gegen Rechtsextremisten richtete, gegeben. Dabei sei auch Munition gefunden worden, sagte Pressesprecherin Sonja Kock.

Laxer Umgang mit Waffen

Es sei bekannt, dass Neonazis „immer mal wieder“ zum Schießen nach Tschechien fahren, berichtete Martin Becher von der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad (Landkreis Wunsiedel). Dort könnten sie problemlos mit scharfen Waffen üben. „In Tschechien wird der Umgang mit Waffen auf Schießständen relativ lax und einfach gehandhabt“, sagte Becher. Seit Jahren gebe es Kontakte deutscher Neonazis nach Tschechien.

Munition im Karton

Ein Mann aus dem Raum Creußen hatte vor Jahren bei einem Tagesausflug einen Schießstand im Raum Cheb besucht. „Man kann dort problemlos jede Waffe und jedes Kaliber schießen“, berichtete er gegenüber unserer Zeitung. Als Schusswaffen stehen beispielsweise Pistole, Pumpgun oder Kalaschnikow zur Verfügung.

Der Schießstand wirbt im Internet mit zahlreichen Fotos von Waffen und Schützen um Gäste. Auf der Visitenkarte mit militärischem Tarnmuster sind eine Schießscheibe und eine Pistole abgebildet, auch das dazugehörige Restaurant mit tschechischer Küche wird erwähnt.

„Man muss sich nicht ausweisen, niemand fragt nach der bisherigen Erfahrung mit Waffen“, erinnerte sich der Mann. Jeder Schütze erhalte einen Karton Munition mit 100 Schuss zugeteilt. Nach dem Schießen werde die verbliebene Zahl abgezählt und die verschossene Munition abgerechnet.

Es sei kein Problem, Munition mitzunehmen, wunderte sich der Hobbyschütze über die laxen Sicherheitsvorschriften. „So etwas wäre bei uns nie möglich“, staunt der Mann noch heute. Aktuell gibt es zahlreiche dieser privaten Schießstände in der Tschechischen Republik – für Gäste aus dem grenznahen Raum in Deutschland sind sie besonders attraktiv.

Regierung kennt "Combat 18"

Nach Kenntnis der Bundesregierung existiert in Deutschland seit 2013 eine Gruppierung mit der Bezeichnung „Combat 18“, deren Mitglieder in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen wohnen, hieß es auf eine Kleine Bundestagsanfrage der Fraktion Die Linke im Dezember 2016. Darüber hinaus habe es Einzelhinweise auf regionale „Combat 18“-Strukturen gegeben, von denen derzeit keine Aktivitäten ausgingen. Die genaue Personenzahl war der Bundesregierung nicht bekannt.

„Combat 18“ ist nicht verboten. Im Bundesinnenministerium hält man sie nicht für eine Nachfolgeorganisation der seit 2000 verbotenen „Blood & Honour“.

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Kommentare

...die Regierung hält uns für blöd...
So ist es!
Nein, die Neonazis halten unsere Regierung für lasch.
Sollen denn wir Bürger uns um das Problem mit den schießenden Neonazis kümmern?
jaja... überall um sich schießende Neonazis... man hat wirklich Tag und Nacht Angst... mein Gott, hoffentlich können wir heute Nacht überhaupt schlafen können angesichts der permanenten Bedrohung...
Ein schönes Argumentationsmuster aus dem Baukasten für Rechtspopulisten. Wenn es eine ständige Bedrohung geben würde, würden wir ständig drüber berichten, hohehu. Es gab hier einen Vorfall, wir haben einmal darüber berichtet. Und Sie versuchen das ins Lächerliche zu ziehen, indem Sie so tun, als würde hier maßlos übertrieben. Allerdings interpretieren Sie hier was rein, was im Artikel nicht steht. Ich denke, die meisten Leser sind klug genug, diesen Versuch zu durchschauen.
hohehus Bemerkungen lassen einen Rückschluss auf seine eigene Denke zu: Die Gefahr (durch Andersdenkende) lauert immer und überall.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06