Grasbonbons für hungrige Hirsche

Das Wild kennt den großen Fendt-Traktor und den Landrover mit dem weißen Dach genau. Revierförster Andreas Irle und Maschinenführer Michael Speckner sind bereits in aller Früh unterwegs. In der schießfreien Zeit beschicken sie die Fütterungen, die nahe am Offenland und zum Zielgebiet liegen. Auf den Freiflächen des Übungsplatzes wurde während der Sommermonate das Gras gemäht, gepresst und zu Silageballen gewickelt. Über 300 der rund 600 Kilo schweren, riesigen „Bonbons“ stehen nur im Revier Stegenthumbach, einem von neun Übungsplatzrevieren, zum Verfüttern bereit.

Aus dem Lebensraum der Hirsche

„Kein Mastfutter sondern reines, artgerechtes Erhaltungsfutter aus dem Rotwildlebensraum“, wie Andreas Irle betont. Im Winter ist das Wild ein großer Energiesparer, der Stoffwechsel und Biorhythmus total absenkt. „Das Wild braucht jetzt Ruhe und nochmals Ruhe“, so Irle. Dank des großen Verständnisses der US-Streitkräfte werden die Fütterungsräume effektiv ruhig gestellt. „Gut für die Not leidenden Tiere, gut für den Wald. Die Kooperation mit den Verantwortlichen der US-Armee ist auch in diesem Bereich ausgezeichnet“, sagt Ulrich Maushake, Leiter des Bundesforstbetriebes.

Tiere haben sich an Traktor schon gewöhnt

Dass das Rotwild diese Ruhe hat, zeigt die Tatsache, dass sich die Tiere nicht mal 100 Meter von der Fütterung entfernen, wenn der Forstschlepper mit den Ballen auf dem Front- und Hecklader auftaucht um die Futtertische neu zu bestücken. Ganz aus der Nähe beäugen sie das Geschehen, das zweimal in der Woche stattfindet. Die Hirsche und die Hirschkühe mit dem Kälbern gehen seit der Brunft wieder getrennte Wege und haben ihre eigenen Futterstellen. Zusätzlich werden Kiefernjungbestände in der Nähe der Fütterungen zeitgleich durchforstet.

Auch der Wolf kommt vorbei

Fast rundum frisst das Rotwild die zarte Spiegelrinde von den Stämmen ab. Das geschälte Holz kann so einer guten Weiternutzung zugeführt werden. Nahezu gänzlich vermieden werden dadurch Schäden am jungen Baumbestand. Neben dem Rotwild ziehen gelegentlich auch andere Übungsplatzbewohner über die Futterstellen. Der Wolf ist dabei ein spektakulärer Neuankömmling in der Oberpfalz. Aus Neugierde nimmt auch der Seeadler mit seinem Gefolge, den Kolkraben, Platz an den Futterballen, wie die Wildbeobachtungskamera schon festhielt.

Wenig für Wildsauen

Wenig Nahrung an den Futterstellen finden die Wildsauen. Die Schwarzkittel wühlen, wie alle Schweine, gerne und brechen mit ihrer Schnauze selbst harte gefrorene Böden auf. Ziel dieser Aktionen ist die Suche nach Wurzeln, Insektenlarven, Engerlingen oder auch Mäusenestern. Wurzeln von Brombeersträuchern scheinen bei den Sauen sehr beliebt zu sein, weiß Förster Irle. Darüber hinaus fressen die Wildschweine auch tote Tiere.

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