Gesundheitstourismus als Bayern-Werbung

Fit4Life: Pauschalangebote, die über Angebote von einzelnen Häusern hinausgehen, waren in der Verhangenheit im Fichtelgebirge eher die Ausnahme. Eine solche Ausnahme ist „Fit4Life“, die es unter diesem Namen immerhin schon seit sieben Jahre gibt. Als Zielgruppe nennt Tourismusmanager Andreas Munder „gesundheitsbewusste Freizeitsportler.“ Fit4Life ist nicht das billigste Instrument in Munders Werkzeugkasten, aber das soll es auch nicht sein. Über den Preis (650 Euro für vier Tage) definiert sich dieser Aktivurlaub mit ärztlicher Betreuung ganz klar nicht. Fit4Life zielt durchaus auf ein zahlungskräftigeres Publikum, das aktiven Urlaub mit individueller, professioneller Betreuung verbinden will. Anders als die Pauschale eines einzelnen Hauses führt das Angebot Vermieter und Gesundheitsdienstleister zusammen.

Für Letztere steht insbesondere der Fichtelberger Sportarzt und Betreuer von Topsportlern, Stefan Pecher: „Meine Aufgabe als Facharzt für Sportmedizin und Teamarzt des Deutschen Skiverbandes ist es, den Urlaubern nach einer Eingangsuntersuchung ein individuelles Trainingsprogramm nach modernster sportmedizinischer Untersuchung mittels Ergospirometrie zu erstellen. Die Daten werden dann in einen Trainingscomputer ( Polarpulsuhr) übertragen. Diesen tragen die Urlauber während der Woche bei jeder sportlichen Tätigkeit. Am Ende der Urlaubs- und Trainingswoche erfolgt dann durch mich die Auswertung der Daten aus der Uhr und eine individuelle Beratung. Eine Betreuung genau wie Olympiasieger und Weltmeister.“ Weitere medizinische Kompetenz steuert die Höhenklinik mit dem Chefarzt und Kardiologen Klaus-Peter Behnke bei. Hier finden Eingangsgespräch und ärztliche Voruntersuchung statt.

Im Lauf der Jahre wurde die Pauschale im Detail der Nachfrage angepasst. Feste Termine für Gruppen wurden nicht gut angenommen, stattdessen gibt es seit 2013 die Möglichkeit, einzeln Wunschtermine zu buchen. Seither sind die Zahlen des exotischen Angebots gestiegen. Nach sechs Buchungen 2012 waren es 2015 schon 50. Doch die absoluten Zahlen stehen für Munder nicht im Vordergrund. Die Pauschale soll auch Imageträger für die Region sein, so Munder. Und die exklusiven Merkmale der Region wie das Heilklima oder die sportmedizinische Kompetenz herausstellen.

Gesundes Bayern: „Gesundes Bayern“ ist eine Dachmarke des Bayerischen Heilbäderverbandes, die seit eineinhalb Jahren zunehmend mit Leben befüllt werden soll. Fast ein Viertel aller Urlauber auf der Suche nach Gesundheitsangeboten (insgesamt 22 Millionen in drei Jahren) kommen nach Bayern, hieß es 2015 auf einer Veranstaltung in Weißenstadt. Das Selbstzahlerpotenzial liegt bei über 50 Prozent. Rund 100 000 Arbeitsplätze in den 47 bayerischen Kurorten und Bädern hingen schon jetzt am Gesundheitstourismus, die Wertschöpfung – ganz überwiegend im ländlichen Raum – liege bei 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Gesundheitstourismus sei ein weltweiter Trend, „noch ist Bayern die Nummer Eins“, so damals Monica Tetzner von der Bayern Tourismus Marketing GmbH (BTM).

Die BTM, die unter dem Dach des bayerischen Wirtschaftsministerium angesiedelt ist, hat für die Marke „Gesundes Bayern“ zehn „Leitprodukte“ gesucht. Als eines unter 60 Bewerbern wurde Fit4Life ausgewählt. Lohn der Mühe: Zusätzliche Werbung durch die BTM. Und ein Schulungsseminar, bei dem ein Feinschliff am Programm vorgenommen wurde (Beispiel: Nordic Blading fliegt raus, Aquafitness und Gesundheitswandern kommt rein) und insbesondere die Werbung für das Angebot verbessert werden kann. Nur zwei Beispiel von mehreren: Die Verbesserung der Sauerstoffaufnahme nach Absolvierung des Programms soll anhand von Beispielen für den Laien nachvollziehbar dargestellt werden. Aber auch Zuschussmöglichkeiten durch Krankenkassen.

Info: Auf der Website „Gesundes Bayern“ findet man Fit4Life erst, wenn auch die anderen Leitprodukte ihren Markenprozess abgeschlossen haben.

Nicht bewertet

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Kommentare

Ich halte dieses Konzept für erfolgsversprechend und zeitgemäß.
Aber wird jetzt nicht wieder über die Gemeindegrenzen gestritten, ob ein Neubau oder eine Reparatur der Seilbahn Nord notwendig ist?
Der Aufschwung am Ochsenkopf seit ein paar Jahren ist vorallem auf das Engagement von jungen Leuten um den MB-Stützpunkt Ochsenkopfhaus zurückzuführen. Viele wissen doch noch, wie wenig Betrieb dort war, als es noch dem FGV gehörte. Heute stehen an der Seilbahn im Sommer fast genau so viele Menschen an als zu den besten Zeiten im Winter. Ein Großprojekt wie der Neubau der Bahn Nord ist eher ein finanzieller Hemmschuh für Jahre. Beide Bahnen können sich auch heute noch mit ihrem Wetterschutz gegenüber der Konkurrenz behaupten.