Genussbotschafter stellt Bratwürste her

Das Bratwurst-Machen ist Teamarbeit: Einer entbeint das Fleisch, ein anderer dreht es durch den Wolf, wieder ein anderer würzt es und noch ein anderer füllt es ab. Alles unter den Augen von Stefan Hümmer

Seminare für Touristen

Er veranstaltet Bratwurst-Seminare für Touristen, um ihnen „die fränkische Kultur des Essens beizubringen“, wie er sagt. Dazu gibt es fränkisches Bier, die Besucher sollen zuhören, wie der Schaum zusammenfällt. Die Produkte stammen aus der Region. Alle vier bis sechs Wochen macht Hümmer so eine Veranstaltung, gekocht wird in der VHS-Küche in der Graf-Botho-Schule.

Viel verdient er damit nicht. „Die Unkosten sind gedeckt, ich bin nicht gewinnorientiert“, sagt der 44-Jährige, der sich selbst als einen Fan von Traditionen bezeichnet.

Seine Motivation, sich zum Genussbotschafter ausbilden zu lassen, kam daher, dass er selbst sehr gerne kocht und isst. „Meine Intention ist es, die Wirtschaft vor Ort zu unterstützen“, sagt er.

Hümmer gerät ins Schwärmen

Hümmer will den Menschen den Genuss von Wild als „gesundes, wohlschmeckendes, biologisches Lebensmittel“ näher bringen. Wenn er vom Kochen erzählt, gerät er dann auch gleich ins Schwärmen. Vom frischen Wild, das zwei bis drei Wochen im Vakuumbeutel reift. Oder vom Garen des Fleisches bei 58 Grad, eingeschweißt in einen Beutel. Das Fleisch zum Kochen schießt er selbst – Hümmer ist Jäger und Leiter der Hegegemeinschaft Pottenstein.

Die Familie nimmt auch Feriengäste auf. Wenn Besucher da sind, die einen Jagdschein haben, nimmt Hümmer sie auch mal mit auf die Pirsch. Auch Henkerführungen bietet er an. Und Waldwochenende. Unter dem Motto „Die vier W’s: WWWW – Wald, Wiese, Wild, Wasser – Natur pur“ führt er seine Gäste ins Grüne. Inklusive Tierspuren-Lesen, Wanderung und Bogenschießen. Die Natur- und Henkerführungen gehören allerdings nicht zu seiner Aufgabe als Genussbotschafter, vielmehr haben sie sich daraus entwickelt.

Bei der bayerischen Schlösserverwaltung

Das alles macht Stefan Hümmer in seiner Freizeit. Hauptberuflich arbeitet er bei der bayerischen Schlösserverwaltung als technischer Leiter für die Objekte in Kulmbach und Bayreuth. Die Natur ist sein Ausgleich. Hümmer gefällt es, die Jahreszeiten draußen in der Natur mitzuerleben. Es ist vor allem die Ruhe, die er beim Jagen schätzt. Für die Tätigkeit als Genussbotschafter wird keine Geld zur Verfügung gestellt. „Es liegt an jedem selbst sich zu vermarkten.“ Doch durch solche Aktionen, wie die Genussregion Oberfranken zum immateriellen Kulturerbe zu erklären, unterstütze die Politik die Botschafter mit. Jederzeit würde er sich wieder zum Genussbotschafter ausbilden lassen. Schon allein wegen des Miteinanders. Denn die 83 anderen Genussbotschafter haben ähnliche Interessen wie er.

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