Gästehaus Salem macht dicht

Der Lindenhof Salem ist ein Idyll: Hier tummeln sich Kurgäste und Erholungssuchende, die Natur pur und die Ruhe lieben. Es gibt einen Taupfad und einen Kräutergarten. Seminargäste fühlten sich hier wohl, Kinder nahmen in der Vergangenheit in Salem an Freizeiten teil, machten AD(H)S-Kuren mit Alpakas. In den besten Jahren hatte der Lindenhof mehr als 9000 Übernachtungen zu verzeichnen. Pro Jahr. Salem war damit Spitzenreiter in Stadtsteinach. Doch zuletzt bröckelten die Zahlen. Vor drei Jahren kamen noch etwa 5000 Gäste, inzwischen sind es etwas mehr als 3000. „Wir haben eine stabile touristische Situation in Stadtsteinach. Insgesamt sind die Übernachtungszahlen in den letzten zehn Jahren gleich geblieben. Wenn Salem verloren hat, konnten andere dagegen zulegen“, sagt Bürgermeister Roland Wolfrum.

Betreiber zieht Reißleine

Jetzt zieht der Lindenhof Salem die Reißleine. „Die Saison 2017 wird unsere letzte sein. Durch den Bau der geplanten Umgehungsstraße, die direkt unterhalb des Gästehauses vorbei führt, wird der Lindenhof Salem seine Aufgaben nicht fortsetzen können“, sagt Geschäftsführer Samuel Müller und betont, dass er explizit auch im Namen seiner Mutter Ursula spricht. Ursula Müller hat mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Gottfried Müller Salem in Stadtsteinach groß gemacht hat. Die Ortsumgehung Stadtsteinach würde durch den jetzigen Kräutergarten führen. Als Lärmschutz war zunächst eine 230 Meter lange und drei Meter hohe Wand bei Salem geplant, die Stadt hatte dann eine Einhausung gefordert. Doch aus Kostengründen wurde eine solche Einhausung abgelehnt. Stattdessen soll es eine andere Lösung geben, die Lärmbelastung klein zu halten.

Gäste sind schon lange verunsichert

„Die Diskussion um den Bau der Umgehungsstraße hat seit Jahren Gäste verunsichert. Es fehlen neue und junge Gäste. Auch Gruppen und Seminarveranstalter, die für unsere Einnahmen sehr wichtig gewesen wären, waren auf dieser Grundlage nicht mehr zu finden“, erklärt Müller. „Wir haben uns mit allen Möglichkeiten gegen den Bau der Umgehungsstraße eingesetzt, wir haben uns gewehrt und gehofft. Doch mit dem bevorstehenden Abschluss des Planfeststellungsverfahrens ist der Bau der Umgehung von uns nicht mehr zu verhindern“, so Müller.

Salem feiert in diesem Sommer noch ausgiebig sein 60-jähriges Bestehen, dann macht Salem Schluss mit touristischen Angeboten. „Es ist schwer, diese Entscheidung nach so vielen Jahren mitzuteilen“, sagt Müller.

Es wird wohl auch Kündigungen geben

Schon jetzt steht fest, dass die Schließung auch Auswirkungen auf etliche Mitarbeiter haben wird. „Es werden aber weniger als zehn Mitarbeiter von Kündigungen betroffen sein“, sagt Müller. Derzeit wird noch geprüft, ob einige Mitarbeiter in anderen Bereichen eingesetzt werden können. Einige gehen in den Ruhestand.

Bürgermeister Roland Wolfrum bedauert den Entschluss. „Es ist grundsätzlich schade, wenn eine Einrichtung in einer Kommune schließt. Aber in der Gesamtbetrachtung ist diese Entscheidung nicht so wichtig, als dass jetzt der Bau der Umgehung erneut diskutiert werden müsste. Es ist schade, wenn Salem keine Zukunft sieht, aber die Umgehung ist trotzdem wichtig für uns“, betont der Stadtsteinacher Bürgermeister.

Ganz anders beurteilt Umgehungs-Gegner Knud Espig von Pro Stadtsteinach die Situation: „Ich glaube nicht, dass Stadtsteinach der Industriestandort der Zukunft sein wird. Aber im touristischen Segment hätte es Potential“, beurteilt Espig die Lage.

Nicht bewertet

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