Führungskrise beim EHC: Bothstede geht

„Meine persönliche Perspektive hat sich in den letzten Tagen komplett verändert“, erklärt Bothstede seine Kündigung. „Das, warum ich zum EHC gekommen bin, war mit dem Rücktritt von Matthias nicht mehr gegeben.“ Deswegen habe er den Schlussstrich gezogen: „Man kann schon sagen, dass ich gescheitert bin – und zwar an den Nebenkriegsschauplätzen und den persönlichen Befindlichkeiten hier in Bayreuth.“

Alle Finanzverantwortlichen sind jetzt weg

Bothstede wird seine Tätigkeit beim EHC zum 14. Dezember beenden. Er war erst im September als Geschäftsstellenleiter mit weitreichenden Befugnissen eingestellt worden. Zudem galt er als designierter Geschäftsführer der noch zu gründenden GmbH. Ob es diese jetzt zeitnah geben wird, steht in den Sternen. Mit Matthias Wendel und seiner Ehefrau Margrit sowie Bothstede sind innerhalb weniger Tagen alle Personen zurückgetreten, die für die Finanzen des Vereins verantwortlich zeichneten.

Das Chaos an der Spitze des DEL2-Vereins machen die Rücktritte von Tim Hartmann und Florian Eagan perfekt. Die beiden stellvertretenden Vorsitzendenden, sie leiten seit vergangener Woche die Geschäfte des Vereins, legen ihre Ämter zum 8. Dezember nieder. „Nach dem Rücktritt von Matthias Wendel, seiner Frau und nun auch der Kündigung von Thomas Bothstede sehen wir uns als Vorstandsteam nicht in der Lage, die Geschicke des Vereins im nötigen zeitlichen Umfang über den Kündigungstermin von Thomas Bothstede hinaus leisten zu können“, erklären Tim Hartmann und Florian Eagan.

Neuwahlen am 8. Dezember

Für den 8. Dezember haben sie eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt. Wichtigster Punkt: Neuwahlen. „Es wäre fahrlässig zu sagen, wir wursteln uns jetzt da durch. Dafür wurde in den vergangenen Monaten zu viel beim EHC aufgebaut“, sagt Eagan. „Unser Rücktritt ist auch ein Signal an die Öffentlichkeit: Wir brauchen Hilfe und Unterstützung von denjenigen, die sich im Bayreuther Eishockey einbringen wollen. Der Eishockeystandort Bayreuth muss nun zusammenstehen.“ Finanziell sei der Verein „gut aufgestellt“, der neue Vorstand könne auf eine „gute Basis“ zurückgreifen. Der Spielbetrieb sei nicht gefährdet.

Situation ist auch für die Spieler "schwierig"

Völlig überrascht ist EHC-Teammanager Dietmar Habnitt von den Entwicklungen an der Vereinsspitze: „In den vergangenen Jahren wurde so viel aufgebaut und jetzt ziehen sich plötzlich alle zurück? Alles wird in Frage gestellt. Wäre es nicht vernünftiger gewesen, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzten und zu versuchen, die Probleme so zu lösen?“ Er macht sich große Sorgen, wie das Tagesgeschäft künftig am Laufen gehalten werden soll. Auch für die Spieler sei es eine „schwierige Situation“. Er blickt auch weiter in die Zukunft: „Eigentlich sollte man sich im Dezember schon mit der kommenden Saison beschäftigen.“
Die Zukunft der Tigers steht auch für den Förderverein des EHC Bayreuth im Vordergrund. „Wir betrachten die Entwicklung mit Sorge“, sagt Fördervereinsmitglied Harald Giera. „Wir werden uns jetzt zusammen setzen und beraten, wie und ob wir dem EHC helfen können.“ Es müsse ein Team gefunden werden, das den Zweitligisten zumindest bis Saisonende führt. „Ob es einen Vorsitzenden aus unserem Gremium geben wird, wage ich jedoch zu bezweifeln“, sagt Giera. „Dieses Amt ist schließlich mit einem hohem Zeitaufwand verbunden.“

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