Frauenverbot am Athos in Gefahr

Ein revidiertes Personenrecht, das die linke Regierung in Athen vorbereitet, sieht die eigenmächtige Definierung des Geschlechts ohne Rücksicht auf die physiologischen Gegebenheiten vor. Dann wird es Erwachsenen möglich sein, sich selbst auch ohne äußere Geschlechtsumwandlung als Mann, Frau oder beides festzulegen.

Bei Minderjährigen kann das durch die Vormundschaftsberechtigten bzw. schon bei der Geburt von Seiten der Eltern erfolgen.

Frauen könnte sich als Männer deklarieren

Für den Berg Athos, den bisher die griechische Polizei vor dem Eindringen von Frauen zu schützen hatte, würde das ein Besuchsrecht äußerlich weiblicher Personen bedeuten, die sich als Männer deklariert haben. Allerdings ist noch offen, ob die sozialistische Regierung von Alexis Tsipras dafür die parlamentarische Mehrheit erhält.

Das Frauenverbot auf dem Heiligen Berg Athos, das «Avaton», geht ins frühe Mittelalter zurück und wird mit einer himmlischen Weisung Marias begründet, die nordgriechische Halbinsel als «ihren Garten» für sie allein zu bewahren.

Nicht einmal Hühner sind erlaubt

Ein umgekehrtes Männerverbot soll es dort schon im Altertum um ein Heiligtum der jungfräulichen Waldgöttin Artemis gegeben haben. Das Avaton gilt nicht nur Mädchen und Frauen, sondern allen weiblichen Lebewesen.

Nicht einmal Hühner werden am Athos geduldet, die vor allem zu Ostern benötigten Eier müssen von auswärts eingeführt werden. Einzige Ausnahme stellen die zahlreichen Katzen dar. Sie wehren in Klöstern und Klausen der Schlangen- und Mäuseplage.

Historische Grundlage des Avaton dürfte das Eindringen balkanromanischer Wanderhirten (Vlachen) mit ihren Herden und Familien um 800 gewesen sein, die sich zwischen den monastischen Niederlassungen breit machten, ihnen das meiste Land wegnahmen und bei vielen Mönchen einen allgemeinen Sittenverfall auslösten.

Ausnahmen

Das Avaton mit seiner Vertreibung aller weiblichen Wesen vom Athos entzog den Vlachen die Grundlagen ihrer Präsenz. Seitdem hat es aber immer wieder Ausnahmen von dem Betretungsverbot gegeben, vor allem für serbische und russische Prinzessinnen zu kurz befristeten Pilgerschaften.

kna

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Montag, 13. November 2017 - 11:06