Fortschritte bei Radonsanierung

Klaus Herrmann sitzt in seinem Büro zwischen zwei Löchern im Boden. Aus dem einen Loch kommt Luft, am anderen Loch wird sie angesaugt und nach außen befördert. Der Raum, in dem Klaus Herrmann und zwei Damen ihren Arbeitsplatz haben, war bisher die Problemzone im Rathaus in Punkto Radon. Der ebenerdige Raum in der nördlichen Ecke des einstigen Bahnhofs, die Kasse, hatte ursprünglich Werte von über 1000 Becquerel Radon je Kubikmeter Raumluft. Das ist das Drei- bis Zehnfache dessen, was unterschiedliche Fachleute als Richtwert ausgeben, ab dem Sanierungsmaßnahmen an einem Gebäude unternommen werden sollten. Nun sind es zwischen 200 und 250. Also im grünen Bereich. Im Keller arbeitet eine Anlage, die nichts anderes macht, als die Luft in der Kasse auszutauschen. Dazu mussten die zwei Löcher im Boden zwischen Kasse und Keller gebohrt werden. Die örtliche Firma Prechtl hat die Anlage für 6500 Euro gebaut und installiert, sagt Bürgermeister Axel Herrmann.

Noch Feintuning nötig

Ein bisschen Feintuning braucht die Steuerung noch. Anfangs klagten die Mitarbeiter, dass es nun zu kalt sei, denn die Anlage transportiert natürlich auch geheizte Luft nach außen und ungeheizte nach innen.

Doch die Anlage lässt sich auf vielfältige Weise programmieren, derzeit ist sie so eingestellt, dass der stärkste Luftaustausch in der Zeit vor Dienstbeginn stattfindet. Diese Zwangsbelüftung trägt der Tatsache Rechnung, dass das einfachste Mittel gegen viel Radon in geschlossenen Räumen kräftiges Lüften ist.

Zuvor schon hatte man mit mehreren Schritten versucht, Radon im Rathaus zu minimieren, dass nicht nur in der Kasse in teils hohen Dosen auftrat. Da der Haupteintrittsort der Keller ist, wurde im Treppenhaus eine Tür zum Keller eingebaut. Eine Anlage wurde installiert, die direkt unter dem Kellerboden die Luft ansaugt und durch ein Kellerfenster nach außen befördert.

Versuch und Irrtum

Der durchschlagende Erfolg war das noch nicht. Doch eine Radonsanierung auch unter fachlicher Anleitung kann immer nur nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ gehen, oder, wie die Fachleute sagen: „Sanieren, messen, sanieren, messen.“ Häuser im gleichen Ort lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Deswegen hat zum Beispiel die Schule in Warmensteinach – ebenfalls ein altes Haus und nur wenige hundert Meter vom Rathaus entfernt – kein Radonproblem.

Josef Reichenberger, den Wasserwart der Gemeinde, beschäftigt das Thema Radon schon viel länger, nämlich seit über zehn Jahren. So lange schon trägt er an seiner Arbeitskleidung ein kleines schwarzes Plastikdöschen. Ein Dosimeter, das permanent den Radongehalt in der Luft misst, wo Reichenberger geht und steht. Alle drei Monate wird das Dosimeter zum Auswerten eingeschickt.

Dicke Luft im Brunnenschacht

Noch zu Zeiten von Bürgermeister Reinhard Jaresch war das Landesamt für Umweltschutz auf die Gemeinde zugekommen, um den Radongehalt in den Quellsammelschächten der Wasserversorgung im Wald zu messen. Die sind regelmäßig auch mal Arbeitsplatz für Josef Reichenberger. Den Radongehalt zu messen, war eine gute Idee. Denn es wurden Werte im fünfstelligen Becquerel-Bereich gemessen. Zum Vergleich: Verschiedene Empfehlungen von Fachleuten und Gesundheitsorganisationen sprechen von Richtwerte zwischen 100 und 400 Bq aus, also einen Bruchteil dessen, was an den Warmensteinacher Quellen anliegt. Allerdings legen die erwähnten Richtwerte die Annahme zugrunde, dass man permanent der entsprechenden Radonkonzentration ausgesetzt ist.

Die Gemeinde handelte. Es wurde eine Zwangsbelüftung in den Schächten eingebaut sowie nun auch in den Hochbehältern. Und Josef Reichenberger muss 20 Minuten warten, bis er nach Öffnen des Schachtes in den selben reindarf. Er selbst nimmt das Thema gelassen: „Ich mache die Arbeit seit 1987. Und ich lebe immer noch.“

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Kommentare

Es ist seht verantwortungsbewußt, das die Gemeinde da so gehandelt hat. Selbst wenn Arbeiter da schon fast 30 Jahre ihren Beruf nachgehen und noch gesund sind, heißt das nicht, dass es keine Gesundheitsprobleme mit Radon geben kann. Es rauchen auch genügend Menschen und sind bis ins hohe Alter relativ gesund. Es gibt aber halt auch viele andere Beispiele, wo bestimmte (auch schwere )Krankheiten aus eben diesen Ursachen mitentstanden sind. Und in einem öffentlichen Gebäude sollten diese Belastungen nach Bekanntwerden in jedem Fall immens reduziert werden.
Von der Fichtelberger Schule hört man da gar nichts mehr. Wird da überhaupt noch gemessen?