Flüchtlinge verlassen Fichtelberg

Ingrid Gleißner-Klein, Regierungsdirektorin und Geschäftsbereichsleiterin im Landratsamt, bestätigt auf Nachfrage entsprechende Informationen.

Demnach schließt die Unterkunft zum Ende des November, ein Zeitpunkt, zu dem der bestehende Vertrag ausläuft. Der Grund für die Nichtverlängerung sei der anstehende Eigentümerwechsel. „Wir legen Wert darauf, dass der Betreiber vor Ort ist, falls etwas ist.“

Behörde war zufrieden

Dies sei beim künftigen Eigentümer, der aus Frankfurt ist, nicht der Fall. Gleißner-Klein betont, dass die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Betreiber sehr gut geklappt habe, „es tut uns sehr leid, dass er verkauft“. Im Fall einer anderen Unterkunft im Landkreis, wo der Betreiber nicht vor Ort ist, gebe es Probleme, so Gleißner-Klein.

Samuel Lipke, Sohn von Eigentümer Walter Lipke, ist aktuell der Mann vor Ort in Fichtelberg. Er bestätigt im Kern auf Nachfrage den Verkauf, mit der Einschränkung: „Es ist alles noch im Prozess.“ Wer der neue Eigentümer ist, will er nicht verraten, der wolle sich aber zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit vorstellen.

Bis zu 80 Menschen

Zuletzt lebten in der Unterkunft etwa 50 Menschen, die derzeit auf die anderen Unterkünfte im Kreis, die das Landratsamt gemietet hat (in Pegnitz, Creußen, Warmensteinach, Gefrees und Weidenberg), verteilt werden. Bei Maximalbelegung waren es rund 80 Menschen.

In Fichtelberg wurde vor genau fünf Jahren die seit langem erste große Asylbewerberunterkunft eröffnet; die Zahl der Migranten hatte nach jahrelangen Tiefständen wieder zu steigen begonnen, damals vornehmlich mit Menschen vom Balkan. Das Landratsamt zahlte zunächst 25 Euro je Tag und Einwohner, dann eine Pauschale in Höhe von 20 beziehungsweise 21 Euro. Dafür musste der Betreiber für die Kosten für Strom, Wasser und Heizung sowie hausmeisterliche Dienste aufkommen, auch lag die Verantwortung für Reparaturen und Renovierungen beim Betreiber. Formaler Betreiber in Fichtelberg ist die „Humanitas Foundation“, hinter der laut Internet der Eigentümer, der Arzt und Berater Walter Lipke steht.

Lipke war früher Stammgast in der damaligen Ferienanlage des „Zeltlagerring Oberfranken“. Als der 2005 Insolvenz anmeldete, kaufte Lipke die Anlage, um das bisherige Angebot – günstige Urlaubs- und Begegnungsmöglichkeit, auch für große Gruppen – zu erhalten. Lipke stand auch mal im Raum als Betreiber eines Therapiezentrums in Nachbarschaft zur damaligen Kristalltherme.

Sorgen waren unbegründet

Anfängliche Sorgen in der unmittelbaren Nachbarschaft vor fünf Jahren wegen der zahlreichen Menschen aus fremden Kulturkreisen erwiesen sich, so weit zu hören war, als unbegründet. Vor zwei Jahren war die Unterkunft Schauplatz eines größeren Rettungseinsatzes, als eine von Abschiebung bedrohte junge Frau aus dem Kosovo mit Selbstmordabsichten und einem Messer in der Hand auf das Dach der Unterkunft gestiegen war.

Einen festen Helferkreis von Einheimischen gab es in Fichtelberg nicht. Aber eine Frau aus Hüttstadl gab den Migranten Deutschunterricht, der Bücherstadl der Pfarrei, der mehrsprachige Bücher hat, hatte die Bewohner eingeladen und einige als Nutzer gewonnen. Die Feuerwehr oder die Aktion 365 besuchte die Unterkunft zu besonderen Anlässen und beschenkte die Kinder. An der Schule in Fichtelberg wurde eine eigene Klasse für die Kinder eingerichtet.

Aktuell bekommt der Landkreis keine Flüchtlinge zur Unterbringung zugewiesen, so Ingrid Gleißner-Klein. Das bedeute aber nicht, dass kaum noch jemand nach Deutschland komme, sondern hänge mit der neuen Erstaufnahmeeinrichtung in Bamberg zusammen, wo die Menschen nach ihrer Ankunft länger bleiben.

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