Festspielregisseur: Flüchtlinge als Risiko

Nie soll man ihn befragen, den Schwanenritter aus dem "Lohengrin". Ähnliches gilt, geht es um politische Themen, wohl auch für den nächsten Bayreuther "Lohengrin"-Regisseur. Allerdings hat Alvis Hermanis (50) seine Meinung ungefragt kundgetan - in seiner Begründung gegen über dem Thalia-Theater, warum er die für 2016 vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Hamburger Haus absage. Grund sei das humanitäre Engagement des Thalia-Theaters (siehe beispielsweise hier) und anderer Häuser in der Flüchtlingsfrage. Er wolle damit nicht in Verbindung gebracht werden, zitiert ihn das Thalia-Theater in einer Pressemitteilung. Aus diesem Text geht weiter hervor, dass Hermanis die Begeisterung Deutschlands für Flüchtlinge und offene Grenzen nicht teile - Deutschlands Haltung sei gefährlich.

Festspiele: Abwarten und Beobachten

Die Bayreuther Festspiele bemühen sich derweil, die Wogen zu glätten. Sprecher Peter Emmerich, bestätigte lediglich, dass man die Angelegenheit "mit  großem Interesse und mit großer Aufmerksamkeit" verfolge. Besorgt sei man nicht,das Engagement in Bayreuth sieht Emmerich nicht betroffen. Wir "können uns nur hüten, in Hysterie zu verfallen", sagte Emmerich. "In dieser Frage prallen zur Zeit allgemein sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander." Was die Verbindung zwischen Terrorismus und Flüchtlingen betrifft, meint Emmerich: "Wenn er es so gesagt hat, ist das  hanebüchen."

Handelte das Thalia unkorrekt?

Bislang kennt die Öffentlichkeit Hermanis' Äußerungen lediglich aus einer Pressemitteilung des Thalia-Theaters. In dieser Mitteilung heißt es außerdem, Hermanis habe geäußert, er wolle nicht mehr für dieses "refugee welcome center" arbeiten. Seine Absage erfolgte via E-Mail - und diese E-Mailkorrespondenz hat das Theater an die Öffentlichkeit gebracht. Hermanis hat dem Theater daher vorgeworfen, einen privaten Austausch zur Grundlage einer Meldung gemacht zu haben.

In diesem privaten Austausch muss Hermanis ganz schön vom Leder gezogen haben. Zitiert wird er unter anderem mit dem Satz, nicht alle Flüchtlinge seien Terroristen, "aber alle Terroristen sind Flüchtlinge oder deren Kinder". In jedem Krieg müsse man sich für eine Seite entscheiden, er und das Thalia stünden nun einmal auf verschiedenen Seiten.

In derselben Mitteilung hat Thalia-Intendant Joachim Lux die Absage bedauert. Sie deute  darauf hin, „wie tief Europa derzeitgespalten ist. Der Riss in Europa ist tief und hat fast alle Länder erfasst." Hermanis' massive politische Begründung für seine Absage wiederum rechtfertige die Veröffentlichung in einer Pressemitteilung. Sie sei "von öffentlichem Belang und Interesse".

Verbindung zwischen Migrationspolitik und Terrorismus

In einer Stellungnahme hat Alvis Hermanis seine Haltung weiter erläutert. Er wohne in Paris, in eben jenem Viertel, in dem am 13. November die Anschläge verübt wurde. Er wolle mit seinen sieben Kindern aber nicht in eine Stadt wie Hamburg ziehen, die gefährlich sei und aus der einige Attentäter vom 11. September stammten. Die deutsche Regierung habe wiederum nach den Anschlägen von Paris  ihre Flüchtlingspolitik geändert. Für Hermanis ein Beleg, dass erst 132 junge Menschen sterben mussten, bevor man "die Verbindung zwischen Migrationspolitik und Terrorismus zugibt". Für eine persönliche Äußerung war er noch nicht zu erreichen.

Das Thalia-Theater wird Hermanis' Inszenierung von Isaac B. Singers Stück "Späte Nachbarn"  übrigens auf dem Spielplan behalten. Es ist ein Stück über polnisch-jüdische Immigranten in den USA. "Die beste Antwort auf die gegenwärtigen Verwerfungen", sagt Intendant Lux.

Nicht bewertet

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Kommentare

Man darf gespannt sein...
Der lernt sicher auch noch die deutschen Gepflogenheiten, dass man Flüchtlinge gefälligst nicht zu kritisieren hat...
Man darf ja auch die AfD nicht kritisieren, weil die den Durchblick haben. Und Pegida darf man auch nicht kritisieren, weil man dann als Gutmensch dasteht.
@MeRo: kritisieren dürfen Sie... tun sie aber nicht. Sie erklären Pegida und AfD einfach generell zu Idioten. Und das ist numal keine Kritik...
Andersdenkende pauscahl mit "Gutmensch" zu bezeichnen, klingt besser als Idiot, oder wie?
Herr Hermanis teilt, nach eigenem Bekunden, einfach„den Enthusiasmus hinsichtlich offener EU-Grenzen und unkontrollierter Einwanderung nicht.“ Und er ist sich sogar sicher, dass seine Haltung nicht „radikaler ist, als diejenige einer Mehrheit von Europäern.“
Wer dies kritisieren möchte, sollte sich einmal mit dem bereits vorhandenen lettisch-russischen Konfliktpotenzial auseinandersetzen. Und versuchen zu verstehen, was die Menschen vor allem an den Außengrenzen der Europäischen Gemeinschaft umtreibt. Der sollte sich einmal von der deutschen Selbstzentriertheit befreien und zum echten Europäer emporwachsen.
Richtig! Es ist ein europäisches Problem, kein alleiniges deutsches.
Aber ein von Deutschland gemachtes. In Verbindung mit einem Laissez-faire der Griechen an der EU-Außengrenze. Eine humanitäre Katrastrophe hat Ende August/Anfang September 2015 in Budapest jedenfalls nicht gedroht.
Der derzeitige Regierungschef Ungarns ist ein Nutznießer der EU. Konsequenter Weise müsste er aus der EU austreten. Mit allen daraus resultierenden Folgen. Geben und nehmen, leben und leben lassen. Ungarns aktuelle Regierung sucht keine Kompromisse, sondern lässt nur einen Standpunkt zu: den Eigenen. Kann man machen, isoliert aber auch.

Humanitäre Katastrophe...das ist relativ. Humanitäre Katastrophen größerer Art gibt es zur Zeit in Syrien, Irak, Bangladesch, Eritrea. Bei uns ist es eher eine verwaltungstechnische Katastrophe. Krisenmanagement ist den Deutschen fremd, da wir einfach gewohnt sind, dass alles top funktioniert und läuft, wie am Schnürrchen. Wir kriegen ja schon die Krise, wenn eine Hauptverkehrsstraße wegen Bauarbeiten gesperrt ist oder das Wasser für eine Stunde abgestellt wird. Manche flippen schon aus, wenn kein wlan verfügbar ist.
Humanitäre Katastrophe...soll jeder selbst entscheiden, ob wir in Deutschland so etwas haben.
Jetzt sind die Gutmenschen sicher empört und ein Stück weit traurig.
Der Mann hat Recht!
Das Thalia Theater widmet sich in massiver Weise dem "refugee welcome kult“.

Nach Herrn Hermanis Meinung ist das Thalia-Theater regelrecht zum „refugee welcom center" verkommen.

Damit kann sich der ([noch] in drei Jahren ) nächste Bayreuther "Lohengrin"-Regisseur Hermanis nicht identifizieren.
Damit er mit eben diesem "Refugee Welcome Kult“ des Hamburger Theaters nicht in Verbindung gebracht werden kann, hat er Zusammenarbeit abgesagt.

Diese klare Haltung dieses Regisseurs, sich nicht des Auftrages wegen zu verbiegen, ist lobenswert und verdient Achtung.

So weit bekannt, herrscht am grünen Hügel noch nicht der "refugee welcome kult“, somit dürfte Hermanis keine Probleme haben, dort in drei Jahren den Lohengrin zu inszenieren.

Es sei denn, die Bayreuther drehen (in einer Art vorauseilendem Gehorsam) durch und kündigen ihrerseits die Zusammenarbeit.


War da nicht was mit einem russischen Sänger...

Hom ma widda an zum Draufhaua.
Flüchtlinge als Risiko...naja. Pegida und AfD sind auch ein Risiko. Linke und rechte Radikale sind ein Risiko. Extremsport ist ein Risiko. Sich für Flüchtlinge einsetzen ist ein Risiko. Allgemein ist das Leben ein Risiko. Überbewerten sollte man nun die Aussage des lettischen Regisseurs nicht.
Montag, 13. November 2017 - 11:06