Festspiele stehen ohne technischen Direktor da

Andreas von Graffenried (44), Stellvertreter Matitschkas und offenbar sein designierter Nachfolger, verließ die Festspiele am Freitag. Er hatte in der vergangenen Woche um Auflösung seines Vertrags gebeten.

Graffenried war Anfang 2013 vom Théâtre Châtelet in Paris nach Bayreuth gewechselt – als Matitschkas Stellvertreter. Seit Matitschkas Ausscheiden war die Position des Direktors unbesetzt; Graffenried führte die Geschäfte. In der Saison 2013 wurde er dem 120-köpfigen Techniker-Team als künftiger Direktor vorgestellt.

Der technische Direktor ist verantwortlich für alle technischen Abläufe der Bayreuther Festspiel GmbH. Ihm sind alle technischen Abteilungen und Werkstätten unterstellt – Bühnenhandwerker, Schreiner, Schlosser, Dekorateure, Bühnenmaler, Beleuchter, Tontechniker, Elektriker sowie Heiz- und Klimatechniker. Er ist verantwortlich für die technische Vorbereitung der Inszenierungen und Bühnenbilder – und die Einhaltung des Budgets.

„Seine Kündigung hat mich überrascht und auch auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte Festspielgeschäftsführer Heinz-Dieter Sense dem Kurier auf Nachfrage.

Im September schrieben die Festspiele Matitschkas Stelle offiziell aus. Gesucht war ein Diplomingenieur mit handwerklicher Ausbildung und Führungserfahrung an einem Internationalen Opernhaus. Geplanter Vertragsbeginn: 1. Dezember.

Graffenried hatte sich beworben, sagt Sense. „Die Gespräche waren noch nicht abgeschlossen, da hatte ich schon Herrn Graffenrieds Kündigung auf dem Schreibtisch.“ Ob er aus dem Verlauf der Gespräche geschlossen habe, dass er den Job nicht bekomme, oder ob er eine anderen Job in Aussicht habe, wisse er nicht, sagt Sense. Auch die Frage, welche Rolle das geplatzte Engagement von Jonathan Meese oder die Bühnenpanne bei der Eröffnungspremiere 2014 spielten, blieben unbeantwortet.

Auf Anfrage wollte sich Graffenried nicht zu den Gründen seiner Kündigung äußern. Ob er von der Ausschreibung der sicher geglaubten Stelle überrascht war oder ihm ein anderer Bewerber überlegen war, wollte er nicht kommentieren.

Innerhalb der nächsten vier Wochen soll nun feststehen, wer neuer Technischer Direktor wird. „Spätestens bis zum Beginn der Festspiele brauchen wir einen“, sagt Sense. Im Frühjahr beginnt die heiße Vorbereitungs- und Probenphase der Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“. „Bis dahin“, sagt Sense, „können wir die Situation verschmerzen.“

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Kommentare

Ein Artikel zum Staunen!!!! Da ist das Festspielhaus seit fast zwei Jahren ohne Technischen Direktor und die Festspielleitung unternimmt nichts – man stelle sich das bei einem Fussballverein mit einem freigestellten Teamchef vor! Dann wird die Stelle endlich ausgeschrieben auf 1. Dezember 2014 – nach fast zwei Jahren, und der Stellvertreter Matitschkas, Andreas von Graffenried, der die Geschäfte bis dato allein geführt hat (eigentlich juristisch sehr fragwürdig), bewirbt sich um den Posten. Ein nahtloser Übergang wäre also gewährleistet. Herr Sense verkündet nun, dass die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen gewesen seien, als Graffenried letzte Woche um Vertragsauflösung gebeten habe. Da kann man angesichts der Tatsache, dass nun Dienstag 2. Dezember ist, eigentlich nur den Kopf schütteln – seit einem Tag sollte der Technische Direktor im Amt sein. Da stinkt etwas gewaltig im Staate „Festspielhügel“!!! Und es grenzt an Überheblichkeit zu meinen, man könne die Vakanzen von Werkstattchef und Technischem Direktor bis zum Frühjahr 2015 verkraften! – Gute Nacht, Bayreuther Festspiele!
Scheinbar ist die Festspielleitung total überfordert und wird mit dem ganzen Apparat nicht mehr fertig.
Zum Glück gibt es nächstes Jahr ein Museum, wenn es mit dem Festspielen nichts mehr wird.
Montag, 13. November 2017 - 11:06