Festspiele 2017: So war die Auffahrt

Es ist ein zähes Geschäft an diesem Nachmittag, dieses Warten auf die Promis. Konkret: Das Warten auf das schwedische Königspaar. Denn bei 14 Grad und Dauerregen stellt sich nur vors Festspielhaus wer das a) beruflich muss (zum Beispiel, weil er Fotograf oder Polizist ist) oder b) unbedingt einmal einen König sehen möchte. Warten also. Dann endlich.

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Ein Raunen in der Menge, Hubschrauberlärm am Himmel. Fotografen und Schaulustige drehen sich ruckartig um, sehen eine Ehreneskorte der Polizei mit 15 Motorrädern die Auffahrt herauf kommen. Langsam fahren große, schwarze Limousinen vor den roten Teppich. Und aus der ersten – steigt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer aus. Dann geht noch eine Tür auf. Carl Gustaf! Der König! Er trägt Smoking, hastet zum Königsportal, stellt sich schnell unter. Erst dann kommt Königin Silvia. Karin Seehofer hält ihr den Schirm. Königin Silvia trägt ein, naja royalblaues zweiteiliges Kleid aus Spitze, um die Taille eine breite Schärpe gewickelt. Lange Ärmel, um den Hals große Perlen. Es ist erstaunlich ruhig, den Bayreuthern scheint’s die Sprache zu verschlagen vor königlichem Glanz. Kurzes Posen vor den Fotografen, Begrüßung der Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, dann nichts wie rein ins Festspielhaus.

Was sonst noch auffällt:

Der meiste Beifall: Den gibt es für das Sportlerehepaar Christian Neureuther und Rosi Mittermaier.

Das schönste Kleid: DAS schönste Kleid gibt es bei dieser Auffahrt nicht. In die engere Wahl kommt aber auf jeden Fall das Kleid von Ilse Aigner. Auf dem weiten schwarzen Rock strahlt eine ganze Blumenwiese.

Das auffallendste Kleid: Dagmar Wöhrl bringt Farbe ins Spiel. Schwarzes Oberteil, der Rock in pink-orange-grün-türkis zeigt ein skizziertes Gesicht.

Der rührendste Moment: Königin Silvia und König Carl Gustaf stehen nebeneinander am Königsportal, Silvia lächelt liebevoll in die Menge, Carl Gustaf blickt auch nach vorne. Da stupst sie seine Hand an, Carl Gustaf reagiert prompt. Und beginnt huldvoll zu winken. Warum sollte es bei Königs auch anders sein, als in anderen Ehen?

Der schlauste Premierengast: Michael Lerchenberg und seine Frau Eva-Maria Lerchenberg-Thöny wissen einfach um das oberfränkische Wetter: Freiluftbühnenerprobt kommen sie einfach im Regenmantel auf den roten Teppich.

Das größte Ärgernis: Dort, wo man den besten Blick auf die Promis erhaschen konnte, waren Regenschirme verboten. Sylvia Gumbrecht ist mit ihren Eltern aus Nürnberg gekommen, um das Königspaar zu sehen. Jetzt sitzen die drei im strömenden Regen. Die Bluse von Sylvia Gumbrecht, eine echte Royalistin, wie sie zugibt, ist längst durchgeweicht. Nicht alle waren so tapfer. Evelyn Birner zum Beispiel kam extra aus Erbendorf, hatte extra Urlaub genommen, hatte extra ihren Schirm mit Bayreuth-Motiven eingepackt, war extra schon um 10 Uhr ans Festspielhaus gekommen. Und dann das: „Die haben mich einfach weggeschickt.“ Jetzt steht sie weiter weg. Mit Schirm. Neben ihr steht Helga Hübner aus Berlin. Auch sie kommt Jahr für Jahr zum Promi-Gucken ans Festspielhaus. „Einmal kam Guido Westerwelle direkt auf mich zu“, schwärmt sie. „Aber der ist jetzt auch schon tot.“

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Montag, 13. November 2017 - 11:06