Es soll nicht nur Frontalunterricht sein

Sie und ihre Zwillingsschwester sollen einen gescheiten Beruf lernen, hatten die Eltern damals gesagt. Und so machte sie eine Ausbildung zur technischen Zeichnerin, hat zwei Jahre in dem Beruf gearbeitet. „Aber das war nicht meins, wenn ich da manchmal zwei, drei Tage allein an meinem Zeichenbrett stand“, sagt sie. Sie wollte etwas Sinnvolles, Umfangreiches machen. In Gießen, wo sie aufgewachsen ist, hat sie mit ihrer Schwester den Kindergottesdienst übernommen. „Das hat mir Spaß gemacht“, sagt sie. Und so studierte sie in Gießen Grundschullehramt. Das hat sie genossen, die vielen Fächer, Psychologie, Pädagogik. Ihre erste Stelle hatte sie dann auch in der Nähe von Gießen, erst in einer Grundschul-, dann in einer Integrationsklasse. Dort waren unter anderem ein Rollstuhlfahrer und zwei Kinder mit besonderem Förderbedarf.

Vielfältige Erfahrungen gesammelt

Nach der Familienphase war sie dann ein Jahr in einer Vorklasse, was der schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) in Bayern entspricht. „Da habe ich ganz vielfältige Erfahrungen gesammelt“, sagt Bojanowski. Als ihr Mann in Bayreuth eine Stelle als Umweltingenieur hatte, pendelte er drei Jahre zwischen Beruf und Familie hin und her. „Das hat uns nicht gut getan“, erinnert sich Bojanowski. Und deshalb hat sie einen Versetzungsantrag gestellt, der auch sofort genehmigt wurde. 2012 kam sie dann nach Waischenfeld, hat die vierte Jahrgangsstufe übernommen. „Da wurde ich gleich in den Probenstress für den Übertritt reingeworfen“, sagt sie. Das war sie so aus Hessen nicht gewohnt. Sie würde sich auch wünschen, wenn die Klassen doppelt mit Lehrern besetzt würden. „Dann könnten wir jedem Kind gerecht werden“, so Bojanowski.

Stundenkontingent reduziert

Vor zwei Jahren wurde sie dann stellvertretende Schulleiterin, übernahm schon viele Aufgaben. Als die bisherige Schulleiterin im Mai 2015 krank wurde, hat sie deren Arbeit mitgemacht. Im vergangenen Jahr gab es dann einen kommissarischen Leiter und seit heuer hat sie offiziell die Schulleitung in Waischenfeld. „Die Verwaltung allein nimmt viel Zeit in Anspruch“, sagt sie. Statistiken, Migrationsfälle, Vertretungen, Kontakt mit Eltern und Elternbeirat, Schulfeste – die Liste ist lang. Offiziell stehen ihr da fünf Stunden in der Woche zu. Außerdem hat sie 23 Unterrichtsstunden, Bojanowski unterrichtet die erste Klasse. Sie hat ihr Stundenkontingent reduziert, damit sie genügend Zeit für die Unterrichtsvorbereitung hat. Und die Kooperation mit den Kollegen ist ihr wichtig. „Da tun sich immer neue Lösungen für manche Sachen auf“, hat sie festgestellt.

Anschauliches Lernen

Bojanowski wollte unbedingt in Waischenfeld bleiben. Hier kennt sie alles, die Atmosphäre ist familiär, ländlich strukturiert, angenehm. Insgesamt besuchen 104 Kinder die Schule, es gibt je eine erste, zweite und vierte Klasse sowie zwei dritte Klassen. Bojanowski ist eine große Verfechterin des Whiteboards. „Ich kann darauf den Kindern alles präsentieren, sie Bilder zuordnen lassen, drauf schreiben“, erklärt sie. Die Verwendung dieses Mediums ist für sie die Zukunft – aber nur zusätzlich zu Frontalunterricht, Arbeitsblättern und Büchern, nicht ausschließlich. Ein Whiteboard hat sie, hätte aber gerne auf jedem Flur ein bewegliches, so dass alle Lehrer eines benutzen können. Sie ist mit diesem Wunsch schon auf Ablehnung gestoßen, weil kritisiert wurde, dass Grundschüler schon am Computer arbeiten. „Mir geht es aber um das anschauliche Lernen, was dadurch möglich ist“, betont sie. Die Kinder sollen nicht ins Internet oder ähnliches. Deshalb will sie auch Bürgermeister Edmund Pirkelmann vorschlagen, dass der Stadtrat mal vorbeikommt und sich den Einsatz des Whiteboards erklären lässt und dann positiv für die Anschaffung von einigen stimmt.

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