Eltern sauer: Laufen statt Bus fahren

Auf die leichte Schulter nimmt das Thema keiner am Montagabend in der Sitzung. Ausführlich wird das Für und Wider diskutiert. In der Bürgerviertelstunde hatten Eltern von Dritt- und Viertklässlern, die in die Schule am Bindlacher Berg fahren müssen das Wort ergriffen. Sie hatten bereits einen Brief an Bürgermeister Gerald Kolb (WG) geschrieben und darauf hingewiesen, dass ihre Kinder nur eine dürre Nachricht mitbekommen hätten und wenige Tage später nicht mehr - wie monatelang gewohnt - vom Bus mitgenommen worden seien.

Aktuell 32 Kinder betroffen

Betroffen, sagt ein Vater, seien aktuell 32 Kinder, in den kommenden Jahren "gibt es 37 Kinder, die auch gern zusteigen würden". Das sei wenig familienfreundlich, sagt der Vater. Zudem - sagt eine Mutter - dauere der Schulweg für die Kinder deutlich länger, weil die Kinder erst zur Bindlacher Schule in den Bachwiesenweg laufen und von dort dann mit dem Bus auf den Berg fahren müssten.

Rechtlich kein Anspruch

Das Problem: Rechtlich haben die Kinder aus dem Neubaugebiet keinen Anspruch, mit dem Bus zur Schule in den Bachwieseweg gefahren zu werden. Das, sagt Verwaltungleiter Karl-Heinz Maisel, gehe nun mal aus der Schülerbeförderungsverordnung hervor. Zwei Kilometer Laufweg seien zumutbar, erst dann sei die Beförderung mit dem Bus möglich. 1,2 Kilometer seien es bis zur Schule, die müssten die Kinder - wie die Erst- und Zweitklässler auch - laufen. Und dort in den Bus einsteigen, der sie auf den Berg bringe. Das Busunternehmen habe die Kinder aus gutem Willen seit Schuljahresanfang auf seiner Tour über Röhrig mitgenommen. Da in Röhrig keine Kinder mehr zusteigen, brauche es die Haltestelle in der Alten Bergstraße nicht mehr.

Kinder rennen auf der Straße herum und werfen mit Gegenständen

Zudem gehe auch um die Sicherheit: Wie Stefanie Kolanus (CSU) sagt, deren Bus-Unternehmen Depser die Schulkinder befördert, habe es in den vergangenen Monaten immer wieder Probleme gegeben. Kinder, die auf den Bus warten, würden "auf der Straße herumrennen, Schnee und Gegenstände auf die Straße werfen. Wir haben immer wieder angesprochen, dass das so nicht geht". Sie wolle nicht, "dass das so rüberkommt, als wollten wir die Kinder nicht mitnehmen. Das stimmt nicht", sagt Kolanus. Man könne schlicht die Haftung nicht übernehmen. Das ist auch für Kolb oberste Priorität: "Ich möchte für keinen Unfall die Verantwortung tragen", sagt der Bürgermeister.

Keine Kinder - kein Bus

Kompromissanregungen etwa von Werner Fuchs (CSW), der wie Neithard Prell (WG) vorschlägt, die Eltern sollten Lotsen stellen, um für Sicherheit zu sorgen, scheitern. Ebenso wird das Argument Helmut Steiningers (SPD) entkräftet, der sagt: "An Röhrig fährt der Bus doch eh vorbei", also könnte er an der Haltestelle in der Alten Bergstraße die Kinder zusteigen lassen. Denn: Da keine Kinder in Röhrig zusteigen, braucht es auch die Tour des Busses über Röhring zur Schule am Bachwiesenweg nicht mehr.

Keine Sonderregelung

Es sei "zwar nicht angenehm, das zu besprechen", sagt Werner Hereth (SPD) ebenso wie seine Fraktionskollegin Xenia Keil, aber: "Man kann da keine Sonderregelung" schaffen für die Kinder aus dem Neubaugebiet. Mit vier Gegenstimmen folgt der Gemeinderat schließlich dem Vorschlag der Verwaltung und stimmt dafür, die Haltestelle an der Alten Bergstraße aufzulassen.

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