Ein Verbot, das niemanden interessiert

Die A 9, eine der ältesten Autobahnen Deutschlands, wurde in Oberfranken bald nach der Wiedervereinigung von zwei auf drei Spuren erweitert und auch teilweise neu trassiert. Aber das ist nun auch schon wieder gut 20 Jahre her, und die Fahrbahndecken müssen erneuert werden.

Derzeit arbeitet die Autobahndirektion Nordbayern auf einem Teilstück in etwa zwischen den Anschlussstellen Marktschorgast und Gefrees. Der Verkehr Richtung Norden wird von drei auf zwei Spuren zusammengeführt. Mit fatalen Folgen für Bad Berneck, vor allem wenn auf den verbliebenen zwei Spuren was passiert.

Wie am Donnerstag, als Lastwagen mit Hitzeproblemen im Baustellenbereich liegen blieben. Oder am Vortag, am Mittwoch, als ein kleiner Auffahrunfall geschah. Um 17.30 Uhr an diesem Mittwoch hatte sich der Verkehr auf der A 9 bis zum Autobahndreieck Kulmbach zurückgestaut. An der Ausfahrt Bad Berneck-Himmelkron verließen viele Fahrer die Autobahn, um über B 303 und die alte B 2 Richtung Norden zu kommen. Bis kurz vor Bad Berneck freie Fahrt auf der B 303, ab dem Rosengarten Stau. Wer sich auskannte, nahm den Schleichweg über die Kulmbacher Straße. Das ging gut bis wenige 100 Meter vor der alten B 2. Dort staute sich bereits der Verkehr kilometerweit aus Richtung Norden mit den Fahrern, die bereits in Bayreuth oder Bindlach die Autobahn verlassen hatten.

Seit 2013 ist die enge Ortsdurchfahrt durch die malerische Oberstadt von Bad Berneck auf maximal 15 Tonnen beschränkt. Verboten sind des Weiteren Gefährte mit mehr als zwölf Metern Länge. Interessieren tut das niemanden. Gerald Jung sitzt in der ersten Reihe, wenn sich der Schwerverkehr verbotenermaßen durch die Stadt quält: Das Büro das Kur & Tourist Info-Leiters im Rathaus geht genau auf die alte B 2 raus. „Sobald im Radio eine Staumeldung für die Autobahn kommt, fahren sie alle raus“, so seine Beobachtung. Die Straße zu Überqueren sei dann eine echte Herausforderung. „Und sehr spannend wird es, wenn ein Mähdrescher oder ein anderes überbreites landwirtschaftliches Gefährt einem Lastzug begegnet.“ Das Schwerlastverbot werde überhaupt nicht beachtet, die Polizei kontrolliere nicht. Seit Wochen lebe man nun in der Stadt mit „scheußlichem Verkehr“, vor allem zu den Stoßzeiten, so Jung.

Dass die Polizei nicht kontrolliere, dem tritt Matthias Bachofner entgegen. Der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bayreuth-Land sagt: „Das Problem ist bekannt.“ Bei einer Vollsperrung auf der Autobahn wird seine Dienststelle automatisch informiert. Auch Beschwerden von Anwohnern laufen bei der Polizei auf. Sofern es die Einsatzsituation zulasse und auf Basis einer Prioritätenliste werde dann fallweise auch vor Ort kontrolliert. Wie oft die Polizei dies in den vergangenen Wochen getan hatte, vermochte Bachofner spontan nicht zu sagen. Er räumt ein: „Für die Bewohner ist die Situation unschön.“

Wer auch unter der Situation leidet, allerdings in der Rolle des Pendlers, ist Matthias Wölfel. Als stellvertretender Leiter der Dienststelle Bayreuth der Autobahndirektion Nordbayern, weiß er zumindest, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt, auch wenn der noch lang ist: Bis Ende August gehen die Bauarbeiten auf der A 9 noch.

Und für den Rest des Jahres gebe es dann in nördlicher Richtung bis zur Landesgrenze keine Einschränkungen mehr auf der A 9. so Wölfel.

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Kommentare

" Wie oft die Polizei dies in den vergangenen Wochen getan hatte, vermochte Bachofner spontan nicht zu sagen."
vielleicht wollte er es nur nicht sagen ...... er wird wissen warum
Weil es vielleicht gar nix zu sagen gab. Typisches Beamtendeutsch.