Ein Chef mit Weitblick

Das Militär ist noch immer Kunde der Bayreuther: alle Nato-Länder, der Mittlere Osten, Australien. Aber den Großteil seines Geschäfts (rund 75 Prozent) macht Steiner mit Jägern, Wassersportlern, Sportschützen, Polizisten, Behörden. 33 Millionen Euro Umsatz machte Steiner mit seinen rund 150 Beschäftigten im letzten Jahr, eine Million mehr als im Vorjahr. Der Jahresüberschuss lag mit 4,5 bis fünf Millionen Euro erneut auf hohem Niveau. Deutlich steigen soll künftig der Anteil der seit rund sechs Jahren angebotenen Zieloptiken, der zuletzt bei rund 20 Prozent lag. Gerade ausgeliefert wird ein neues Scharfschützensystem für das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr.

Alle Tricks nutzen

Optik ist Kernkompetenz von Steiner. „Man muss Optiken bauen, die eine extrem hohe Lichtdurchlässigkeit haben“, sagt Prediger. Die besten Bayreuther Ferngläser haben über 96 Prozent Lichttransmission. „Das schafft man nur, wenn man alle Tricks, die bei der Optik da sind, nutzt und noch ein paar neue erfindet. Die möchte ich aber nicht verraten.“ Wie kommt man zu diesem Know-how? „Gute Leute und jahrzehntelange Erfahrung.“ Das gute alte Fernglas wird technologisch aufgerüstet. Integrierte Laser messen Entfernungen bis zu sechs Kilometer. Gläser für den militärischen Gebrauch unterliegen der Ausfuhrkontrolle.

Prediger mag Handwerk und Technik. Mit eigener Hand etwas Greifbares schaffen, das liegt ihm. Das kennt er seit seiner Kindheit im kleinen Burkersdorf bei Küps. Hier, im 3-Generationen-Haus der Familie im Landkreis Kronach, gab es immer etwas zu tun. „Es gibt fast nix, was ich als Handwerker nicht kann“, sagt Prediger. In seinem Haus in Kulmbach, wo er mit Frau und zwei Kindern seit zwölf Jahren wohnt, hat er Sanitär und Heizung selbst eingebaut.

Weltreise statt Praktikum

Eigentlich wollte er ja auch Maschinenbau studieren. Doch dafür fehlte ihm das sechswöchige Praktikum. Das hatte er nicht, weil er mit einem Kumpel lieber auf Weltreise ging und deshalb umdisponierte: „Dann machst Du BWL.“ 1993 schloss er erfolgreich ab, ging zu einer kleinen Unternehmensberatung nach Tettau, wechselte nach drei Jahren zu Dressin in Kulmbach, war dann bei der Rehau AG und kam 2001 zu Steiner, wo er seit 2012 als Geschäftsführer fungiert und gemeinsam mit Robert Eckert (Vorsitz) die Firma leitet.

Viel unterwegs

In seiner früheren Funktion als Vertriebsleiter war Prediger die Hälfte des Jahres unterwegs. Heute ist es weniger geworden, aber 40 bis 50 Reisetage im Jahr kommen schon noch zusammen. Vergangenen Herbst war er zwei Mal in den USA, in China, Italien, auf der Messe in Köln. Was seine Frau dazu sagt? „Wir sind gut 16 Jahre lang verheiratet und sind es noch.“

"Eigenfinanziert und schuldenfrei“

Zur langjährigen privaten Bindung soll auch eine langjährige geschäftliche kommen. Bei Steiner sieht Prediger „ein Zuhause und meine Zukunft“. Er hat keinen Zeitvertrag und will für den Standort Bayreuth „eine klare Zukunft“ schaffen. Im vergangenen Jahr wurden knapp eine Million Euro in neue Gerätschaften und Reinräume investiert. Die über viele Jahre gewachsene, zergliederte Gebäudestruktur hat Nachteile. Aber, sagt Prediger: „Wir bleiben hier. Eigenfinanziert und schuldenfrei.“

85 Prozent Auslandsumsatz

Das Hauptgeschäft der Bayreuther sind Ferngläser für 100 bis 1000 Euro. „Jenseits der 1000 Euro wird es schnell dünn.“ 150 000 Ferngläser und etwa 20 000 Zielfernrohre verkauft Steiner jährlich. 80 bis 85 Prozent des Umsatzes werden im Ausland gemacht.

Digitale Ideen

Größtes Risiko ist für Prediger, dass jemand „unser Produkt überflüssig macht“. Ein Smartphone mit Fernglas vielleicht? Ist noch nicht in Sicht. Das geänderte Freizeitverhalten der Jugend mit weniger Bindung an die Natur könnte Steiner auch schaden. Im Umfeld der totalen Digitalisierung und Vernetzung will Prediger deshalb das Fernglas ins Teilen von Erlebnissen einbinden. Einer schaut – und viele schauen mit.

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