Bayreuth: Drillinge im Doppelpack

"Mehrlingsschwangerschaften sind mit einem erhöhten Risiko verbunden", sagen die Leiter des Perinatalzentrums am Klinikum Bayreuth, Dr. Nicos Fersis und Prof. Thomas Ruprecht. Als der Termin näher rückte, war deshalb ein Arzt mehr als sonst in Rufbereitschaft, statt einer Hebamme zwei im Einsatz und zwei zusätzliche Schwestern eingeplant.

Keine einfache Sache, sagt Fersis, weil um Weihnachten und im Januar das Personal sonst ausgedünnt ist. Aktuell sind 14 Babys auf der Frühgeborenenstation. Die Schwestern haben deshalb im Stillzimmer Reservebettchen aufgestellt. Betten gibt es eigentlich nur neun.

Babyboom am Klinikum

Doch im Januar und Februar gab es am Klinikum einen "Babyboom", sagt Ruprecht: Sieben Zwillingspaare wurden geboren. Und dazu noch die beiden Drillinge. Die zweiten kamen einen Tag nach Selina, Daniel und Florian auf die Welt. Sie sind noch auf der Intensivstation. Es geht ihnen aber gut, sagen die Ärzte.

Selina, Daniel und Florian Völkel sind gesund. Sie haben gerade getrunken und schlafen. Selina im Arm von Mama Irene, ihre Brüder bei Papa Patrick. Ab und an reckt einer das Händchen, bewegt zart die Finger. Zwei Augen blinzeln - und fallen wieder zu. Den Fototermin verschlafen die drei fast vollständig. Und Irene und Patrick Völkel wirken unglaublich entspannt in der Frühgeborenenstation des Klinikums Bayreuth.

"Das Ergebnis ist schon toll!"

"Als wir beim Arzt erfahren haben, dass wir drei Babys bekommen, dachte ich nur: Oh Gott", sagt Patrick Völkel. "Mir ist im Sitzen schlecht geworden. Aber das Ergebnis ist schon toll!" Jetzt sind die beiden einfach glücklich, dass ihre Kinder gesund sind. Mama Irene hat schon die Schwangerschaft ohne Komplikationen überstanden. "Erst beim Kaiserschnitt wurde ich panisch", sagt die kaufmännische Angestellte, "Ich war bis einen Tag vor der Geburt zu Hause." Und dort ist sie jetzt wieder.

450 Milliliter Milch trinkt jedes Baby pro Tag. Mehrmals am Tag kommt die Mutter zu ihren Kindern, mehrmals pro Nacht pumpt sie Milch ab. Die Familie wohnt in Bayreuth. Abends schaut noch ihr Papa vorbei, der bei der Bundeswehr arbeitet.

Drillinge sind immer Frühchen

Selina, Daniel und Florian schlafen noch in den Wärmebettchen auf der Frühgeborenenstation, wo ihr Atem und ihre Temperatur kontrolliert werden. In der 33. Woche kamen die drei zur Welt. Drillinge sind immer Frühgeborene, sagen die Ärzte am Klinikum. Je früher sie zur Welt kommen, desto unreifer sind ihre Organe. Die drei kleinen Völkels mussten nicht einmal beatmet werden.

Selina, die mit zwei Minuten Abstand zu ihrem jüngsten Bruder die Älteste ist, darf wohl schon ab Donnerstag nach Hause. Die beiden Jungs voraussichtlich nächste Woche. Während Selina schon jetzt ihren eigenen Kopf hat und möglichst viel sehen möchte, sind die Jungs eher ruhige Zeitgenossen, sagen ihre Eltern.

Ins Auto passen keine drei Kindersitze

In Irene Völkels Familie haben mehrere Frauen Zwillinge geboren. "Unsere Familienplanung ist jetzt abgeschlossen", sagt Patrick Völkel. Die nächste Zeit haben sie noch in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung Platz. Die drei Bettchen und der Schrank passen gerade so ins Kinderzimmer. "Aber in unser Auto passen keine drei Kindersitze." Zu Hause wird die junge Familie Unterstützung haben. Die Großeltern wohnen in der Nähe.

Info: Perinatalzentrum

Am Klinikum Bayreuth befindet sich seit 2010 ein zertifiziertes Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe. Es ist auf Mehrlings- und Risikoschwangerschaften, Neu- und Frühgeborene spezialisiert und Teil eines Verbunds mit den Zentren in Bamberg, Schweinfurt und Coburg. Alle vier Standorte zusammen bilden das Perinatalzentrum Nordfranken, eines der größten in Deutschland. Das nächste Krankenhaus, das auf Frühchen auf dieser Entwicklungsstufe spezialisiert ist, ist in Erlangen. Im Klinikum Bayreuth sind Zwillinge keine Seltenheit. Die letzten Drillinge kamen aber 2013 zur Welt. Vierlinge zuletzt vor etwa zehn Jahren.

Nicht bewertet