Drama nach hoher Führung: Medi siegt 98:94

Die Entscheidung vor 3300 begeisterten Zuschauern in der wiederum ausverkauften Oberfrankenhalle fiel auf dramatische Weise, obwohl das Medi-Team schon sehr deutlich geführt hatte. Zu Beginn des letzten Viertels sah es sogar so aus, als würden die Oldenburger die Niederlage schon akzeptieren und sich für Spiel vier schonen, weil sie ihre Leistungsträger Chris Kramer, Rickey Paulding und Brian Qvale gemeinsam auf der Bank sitzen ließen. Gegen die ungewöhnliche Besetzung der Gäste bauten die kämpferisch immer mehr dominierenden Bayreuther ihre Führung bis auf 84:63 aus (33.), und absolut nichts sprach zu diesem Zeitpunkt gegen einen Medi-Sieg.

Unglaubliche Dreier-Serie von Frantz Massenat

Zwar litt dann die Linie im Bayreuther Angriff unter einer Oldenburger Umstellung auf Zonenverteidigung, doch das allein hätte das Bild kaum so schnell und grundlegend verändern können. Dass es noch einmal spannend wurde, lag vielmehr an einer schier unglaublichen Dreier-Serie der Gäste: Nachdem sie in den ersten drei Vierteln nur drei von 13 Distanzwürfen verwandelt hatten, waren es in den letzten sieben Minuten acht von zehn. Allein sechs davon gingen auf das Konto von Frantz Massenat. Nach fünf Treffern verzeichnete er zwar in der letzten Minute auch die beiden einzigen Fehlversuche dieser Phase, aber dabei landeten die Abpraller jeweils bei den Oldenburgern - und im dritten Anlauf traf Massenat schließlich doch wieder und brachte sein Team bei einer Restspielzeit von 38 Sekunden auf 91:92 heran.

Dieser harten Prüfung für die Nerven hielt das Medi-Team aber stand: Der folgende wichtige Angriff wurde zu einem sicheren Erfolg gebracht durch Assem Marei nach starker Vorarbeit von Trey Lewis, und auf der Gegenseite verlor Oldenburgs Routinier Rickey Paulding beim Zug zum Korb den Ball. Die daraus resultierende Konterchance konnte Nate Linhart zwar nicht nutzen, aber der nachsetzende De'Mon Brooks erkämpfte zwei Freiwürfe, die er acht Sekunden vor dem Ende zum 96:91 verwandelte. Nun war der Medi-Sieg auch durch den letzten Oldenburger Dreier (diesmal durch Chris Kramer) nicht mehr zu erschüttern.

Balance in der Defensive zwischen innen und außen

Mit Blick auf die Moral für Spiel vier hatten die Gäste damit demonstriert, dass sie sich vom hohen Rückstand nicht aus der Bahn werfen ließen. Allerdings profitierten sie dabei hauptsächlich von einer außergewöhnlichen Einzelleistung, die auch Frantz Massenat in Topform kaum beliebig wiederholen kann. So gesehen, war die Kampfansage von Bayreuther Seite insgesamt eindrucksvoller. Bis ins letzte Viertel hinein hatten sie schließlich einige Probleme gelöst, die bei ihren Niederlagen in den ersten beiden Spielen eine wesentliche Rolle gespielt hatten.

Schon im ersten Viertel hatten Dreier von Bastian Doreth und David Gonzalvez angedeutet, dass die Bayreuther Offensive dem Gegner ein paar zusätzliche Optionen präsentierten wollte. Vor allem aber gelang der "Drahtseilakt" (Trainer Raoul Korner), die Oldenburger Distanzwerfer besser zu kontrollieren, ohne dadurch allzu große Schwierigkeiten unter dem Korb zu bekommen. Zwar konnte Baskets-Center Brian Qvale am Ende mit 13 Punkten, elf Rebounds und der mit weitem Abstand besten Plus-Minus-Bilanz seines Teams (+18) starke Statistiken vorweisen, doch die Alternativen auf dieser Position waren bei den Gästen alle schwach (Freese, Mädrich, D. Kramer). So waren die in dieser Hinsicht zahlenmäßig unterlegenen Bayreuther unterm Strich effektiver. In erster Linie war das der hervorragenden Gesamtleistung von Brooks (24 Punkte) zu verdanken, aber auch Marei trug trotz leicht eingeschränkter Einsatzzeit aufgrund seiner drei Fouls starke 16 Punkte und sieben Rebounds bei.

Einzelkritik

David Gonzalvez (5 Punkte / 14:07 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz:
-1): Nicht nur eine wichtige Alternative für die Defensivarbeit gegen die starken Guards C. Kramer und Duggins, sondern durch seinen Dreier zum 20:16 auch ein Faktor im Angriff, den der Gegner respektieren muss.

Kyan Anderson (8 / 15:42 / 12): Der Spielmacher akzeptierte offenbar seine Rolle als Bankspieler mit deutlich weniger Einsatzzeit als Doreth: drängte sich nicht in den Vordergrund, sondern gab effektive Impulse (2/4 Dreier, kein Zweier, fünf Assists).

NATE LINHART (11 / 34:01 / 2): Auch ohne ganz tolle Trefferquote (3/9) war das die starke Leistung einer Führungspersönlichkeit: Vorbild in der Defensivarbeit und im Kampfgeist als erfolgreichster Rebounder (neun), offensiv immer zur Verantwortung für wichtige Entscheidungen bereit.

BASTIAN DORETH (11 / 24:18 / -8): Der Dreier zum 3:0 war gleich ein klares Zeichen: Als Starter wollte sich der Kapitän mit der Rolle des defensivstarken Kämpfers nicht zufrieden geben. So traf er auch aus der Distanz zum 63:47 und 66:50, als es in der beiderseits wildesten Phase besonders wichtig war, die Linie zu halten. TREY LEWIS (16 / 31:31 / 6): Nach punktlosem ersten Viertel konnte sich der Topscorer gegen starke Bewachung (C. Kramer) immer wieder mal durchsetzen und traf dann auch schwierige Würfe in wichtigen Szenen hochprozentig (6/8 aus dem Feld, 4/4 Freiwürfe). Steve Wachalski (2 / 11:27 / 5): Er musste sich wieder ganz auf die Rolle als Ergänzung in der Zone beschränken, aber das löste er gewohnt zuverlässig – ein Wurf, ein Treffer.

Robin Amaize (5 / 15:33 / 8): Die Beiträge des 23-Jährigen sind längst fester Teil der Strategie und werden zuverlässig geliefert: nicht nur Energie für die Verteidigung (vier Rebounds), sondern auch mutige, aber nicht übermütige Akzente in der Offensive (1/2 Dreier, 2/2 Freiwürfe, zwei Assists).

Moritz Trieb: Nicht eingesetzt.

DE’MON BROOKS (24 / 31:58 / 5): Eins gegen eins, Halbdistanz oder aus dem Rebound-Kampf unmittelbar am Brett – Brooks stellte seine Gegner auch auf der Center-Position vor viele unterschiedliche Aufgaben und verwertete die Chancen vor allem in der ersten Halbzeit (14 Punkte) überall sicher (8/13 Würfe, 8/8 Freiwürfe); nur die Dreier fielen nicht, und die ließ er nach drei Versuchen in der ersten Hälfte weg. Mit den Freiwürfen zum 92:88 und 96:91 überwand er auch sein kleines Freiwurf-Trauma aus Spiel eins.

Marius Adler: Nicht eingesetzt.

ASSEM MAREI (16 / 21:23 / -9): Die Fouls zwei und drei (12. bzw. 23.) schränkten seine Einsatzzeit etwas ein; ließ sich dadurch aber vom gewohnten Einsatz bei den intensiven Kämpfen unter dem Korb nicht abhalten und kam mit drei Fouls auch sicher ins Ziel (7/15 Würfe, sieben Rebounds).

Statistik

Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 33/64 (52 Prozent), davon 8/20 Dreier (40 Prozent): Doreth (3/5), Anderson (2/4), Gonzalvez (1/2), Amaize (1/2), Linhart (1/3); Freiwürfe: 24/26 (92 Prozent); Rebounds: 17 defensiv, 14 offensiv (Linhart 5/4,Marei 2/5); Ballgewinne: 8; Ballverluste: 12 (Brooks 4); Assists: 14 (Anderson 5); Effektivität: 108 (Brooks 21, Linhart 20, Lewis 17, Marei 11, Anderson 11, Doreth 10).

Baskets Oldenburg: C. KRAMER (17 Punkte / 32:39 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -5), D. Kramer (0 / 2:49 / -6), Wimberg, MASSENAT (28 / 32:59 / 6), DE ZEEUW (6 / 21:43 / 6), Mädrich (0 / 2:14 / -7), Lockhart (7 / 13:40 / 5), PAULDING (9 / 24:20 / -11), Freese (2 / 7:42 / -2), SCHWETHELM (4 / 17:43 / -11), QVALE (13 / 22:56 / 18), Duggins (8 / 21:15 / -13); Feldwurfquote: 34/64 (53 Prozent), davon 11/23 Dreier (48 Prozent): Massenat (8/13), Paulding (1/2), C. Kramer (1/2), de Zeeuw (1/3); Freiwürfe: 15/22 (68 Prozent); Rebounds: 16 defensiv, 13 offensiv (Qvale 7/4); Ballgewinne: 2; Ballverluste: 14; Assists: 12 (C. Kramer 5); Effektivität: 88 (C. Kramer 22, Qvale 21, Massenat 19).

SR: Matip, Reiter, Kovacevic; Zuschauer: 3300 (ausverkauft).

Stationen: 5:0 (2.), 9:12 (6.), 15:16 (8.), 23:16 (10.), 25:18 (1. Viertel), 29:18 (11.), 38:31 (15.), 51:35 19.), 51:37 (Halbzeit), 57:39 (22.), 59:47 (24.), 76:54 (30.), 76:59 (3. Viertel), 84:63 (33.), 86:80 (37.), 92:91 (40.), 96:91 (40.), 98:94 (Ende).

Stimmen zum Spiel

Mladen Drijencic (Trainer Oldenburg): „Ich gratuliere dem Heimteam und Coach Korner zum verdienten Sieg. Wir waren heute nicht gut genug, und wir sehen uns am Dienstag.“

Raoul Korner (Trainer Bayreuth): „Ich bin extrem stolz auf die Burschen! Sie haben auf sehr eindrucksvolle Art und Weise gezeigt, dass sie noch nicht bereit sind, die Koffer zu packen – zumindest nicht für den Urlaub, sondern nur für den Trip nach Oldenburg. Es war ein extremer Fight. Wir sind dominant und diszipliniert aufgetreten, gerade in den ersten drei Vierteln. Da hatten wir das Spiel im Griff. Oldenburg hat sich dann mit dem Mut der Verzweiflung zurück in die Partie gekämpft und Dinger getroffen, die unmöglich waren. Mit den Treffern von außen haben sie das Momentum aufgenommen. Ich glaube aber, dass heute die bessere Mannschaft gewonnen hat, daran gibt es keine Zweifel. Wir haben diesen Sieg für uns, aber auch für unsere Fans, gewollt. Die Reise geht weiter. Wir werden alles daran setzen, noch mindestens einmal eine so großartige Atmosphäre hier zu genießen und unseren Fans noch mindestens ein Spiel zu schenken.“

Frantz Massenat (Topscorer Oldenburg): „Die Bayreuther haben wirklich einen starken Heimvorteil. Sie sind aggressiv aufgetreten und wurden durch ihre Fans noch bestärkt.“

De’Mon Brooks (Topscorer Bayreuth): „Wir wollten noch nicht heim, und das Ziel haben wir erreicht. Vom ersten bis zum letzten Mann war das eine Klasseleistung. Jetzt freuen wir uns auf das vierte Spiel – das wird auch wieder eine Schlacht!“

Nicht bewertet

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