"Die Schüler sind pragmatischer geworden“

Vor 14 Jahren ist Simone Birnmeyer an ihre alte Schule zurückgekommen und seitdem Lehrerin am Gymnasium. Elf Jahre davor hat die heutige Lehrerin ihr Abitur dort gemacht und erinnert sich gerne an die Zeit zurück. Auch weil sich viele Freundschaften bildeten, die noch heute Bestand haben. „Wir treffen uns immer noch regelmäßig mit mindestens dem halben Jahrgang und unternehmen etwas. Früher war die Schule auch unser privater Lebensmittelpunkt. Fast alle Freunde waren von da, weil man noch nicht so viele Möglichkeiten hatte, gleichaltrige Menschen kennenzulernen.“ Das damalige Abimotto hat sie noch im Kopf: Abikalypse.

Mitschüler war bei der Feuerwehr

Einen Abiball hat ihr Jahrgang nicht veranstaltet, einen Abistreich schon. „Wir wollten damals keinen reinreiten. Wir haben uns Feuerwehrschutzanzüge angezogen, die Schule evakuiert und dann eine Art Volksfest auf dem Parkplatz für alle Schüler veranstaltet. Es war sehr sehr heiß, das weiß ich noch. Ein Mitschüler war bei der Feuerwehr aktiv, der hat uns die Anzüge besorgt“, erinnert sich Birnmeyer.

Notenbekanntgabe und Verabschiedung

Als die zwei schönsten Momente der Abiturfeierlichkeiten aus Schülersicht sieht sie vor allem die Notenbekanntgabe und die Verabschiedung. „Ich habe mich bei der Bekanntgabe so gefreut, weil mein Abitur besser als erwartet war. Im Gegensatz zu einigen Schülern heute habe ich aber damals nichts ausgerechnet, da war die Überraschung groß.

Die ganzen Mühen haben sich ausgezahlt, das war ein schönes Gefühl.“ Die Verabschiedung wurde zu ihrer Zeit genauso wie heute mit der Familie gefeiert, auf die Zeugnisübergabe hat sie hingefiebert. Auf den Moment, an dem alles vorbei war nicht. „Als wir gegangen sind, war ich auch traurig, weil ich wusste, dass ich meine Freunde nicht mehr regelmäßig sehen werde“, sagt die 44-Jährige. Schon in der elften Klasse stand fest, dass Simone Birnmeyer Lehrerin werden wollte. Am Gymnasium für die Fächerkombination Deutsch/Geschichte/Sozialkunde. 2003 kehrte Birnmeyer schließlich nach Pegnitz zurück.

Oberstufen- und Abiturjahrgänge

Seitdem unterrichtete sie viele Oberstufen- und Abiturjahrgänge und hat vor allem eines gemerkt: dass die Schüler pragmatischer geworden sind. „Ich hatte dieses Jahr einen sehr diskussionsfreudigen Sozialkunde-Kurs, das war sehr angenehm. Aber generell warte ich darauf, dass Schüler mal zu mir kommen und fragen, ob wir über bestimmte Themen diskutieren können.“

Moralisch-philosophische Themen

Zu ihrer Zeit wurde im Unterricht über moralisch-philosophische Themen diskutiert – und das auch außerhalb des Unterrichts. Ein Lehrer bat abends zur Diskussionsrunde im Pfarrhaus, wenn der Lehrstoff nicht mehr Zeit für Meinungsaustausch ließ. Das macht für Birnmeyer einen guten Lehrer aus, wenn die Schüler sich ernst genommen fühlen.

Aber diesen Ansatz in ihrem Unterricht zu verfolgen, das sei fast unmöglich. „Wir haben eine Stunde Sozialkunde in der Woche im Regelbetrieb, da herrscht ein großer Zeitdruck, um an genug Noten zu kommen und den Stoff durchzunehmen.“ Und auch das fehlende Reifejahr für die Schüler macht sich in der Oberstufe bemerkbar.

Druck der Eltern und der Politik

„Es ist einfach ein Unterschied, ob du Goethes Faust Anfang der elften oder in der zwölften Klasse liest. Die Schüler haben kaum noch Zeit und Motivation, sich mit Problemstellungen sowie schwierigen Lektüren wirklich auseinanderzusetzen und zum Beispiel Übungsaufsätze zu schreiben“, erzählt Birnmeyer. Es wählen immer mehr Schüler nach der Grundschule das Gymnasium, die in anderen Schulen ihrer Meinung nach besser aufgehoben wären. „Gerade die Schüler, die praktisch veranlagt sind, haben auch auf dem zweiten Bildungsweg die Chance, ganz nach oben zu kommen.

Aber durch den Druck der Eltern und der Politik, dass man ohne Abitur angeblich keine guten beruflichen Chancen hätte, gehen immer mehr auf das Gymnasium. Das hat aber auch mit einem gesellschaftlichen Wandel zu tun“, sagt Birnmeyer. Zu dem Wandel zähle auch die Digitalisierung, diese werde aber im neu ausgearbeiteten Lehrplan für das G 9 berücksichtigt, indem zum Beispiel multimediale Herangehensweisen eingeführt werden. Trotzdem bestehe die Gefahr, dass auch der neue Lehrplan zu viel Stoff beinhalte, der dann nicht entsprechend eingeübt und vertieft werden könne.

Anzahl der Prüfungsfächer ist gestiegen

Die Anzahl der Prüfungsfächer ist gestiegen. Die Anforderungen seien, was die Prüfung prinzipiell anbelangt, gleich geblieben. So wisse man vor einer großen Prüfung nie, ob man gut genug vorbereitet sei oder wie man die Nervosität in den Griff bekomme. Abitur bedeutet jetzt für Simone Birnmeyer nicht mehr lernen, sondern korrigieren.

Dieses Jahr hat sie zum ersten Mal kein schriftliches Abitur korrigiert, sonst gehen für ein Deutsch-Abitur mindestens zwei Stunden drauf. Abi-Zeit bedeutet also vor allem eines: Termindruck und  damit Zusatzschichten schieben, auch nachts. Ihre drei Kinder müssen dann zurückstecken, weil zusätzlich der normale Unterricht auch vorbereitet werden muss. Aufgeregt ist sie außerdem.

„Wir fiebern mit den Schülern mit und hoffen, dass das abgeprüft wird, was wir durchgenommen haben.  Wir sehen ja vorher die Aufgaben, das ist ein spannender Moment. Die mündlichen Prüfungen bereiten wir selbst vor, aber trotzdem hoffe ich als Lehrerin natürlich, dass der Prüfling sein Wissen abrufen kann und auch die Schwierigkeiten meistert.“

Ein schöner Moment aus Lehrersicht ist für Birnmeyer, wenn die Schüler bestanden haben und die Tage danach lachend durch das Schulhaus laufen. „Bis zur Rede der Abiturienten ist die Anspannung sehr groß. Es wurden in der Vergangenheit dort manchmal Dinge gesagt, die meines Erachtens unter vier Augen hätten geklärt werden müssen“, so Birnmeyer abschließend.

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