Dicht dran an den Festspielen

Blaue Mädchen, so heißen die Helfer an den Türen und in den Vorräumen des Festspielhauses, die Besucher dirigieren, Karten kontrollieren und vieles andere erledigen.

Nadja Beinhauer leitet diese Abteilung der Bayreuther Festspiele. Sie ist 27 Jahre alt und hat selber vor zehn Jahren als Blaues Mädchen angefangen. Seit vergangenem Jahr ist sie die Oberste der Blauen.

Jetzt sucht sie Verstärkung; 38 Helfer stehen normalerweise auf dem Posten, 43 stehen bereits auf ihrer Liste, 50 aber braucht man, „weil wir auch rotieren“, wie sie sagt. Draußen, vor den inneren Türen, in den Vorräumen, im Verkauf, an der Garderobe – Blaue Mädchen (oder Jungs) gibt es eben auf verschiedenen Posten.

Netzwerk in ganz Deutschland

Begehrt sind die Posten drinnen, die es einem gestatten, der Aufführung beizuwohnen. Was alle eint (neben der Bezahlung nach Mindestlohn), sind die Erfahrungen mit den Festspielen, den Menschen, der besonderen Atmosphäre am Grünen Hügel. Man ist ganz dicht dran, das verbindet.

In ganz Deutschland kenne sie Menschen, die sie besuchen könne, sagt Beinhauer, ein Netzwerk, auf das man sich verlassen kann, in Berlin, Mannheim, Köln, München und vielen anderen Städten.

Jemand, der dazu gehören will, sollte einige Eigenschaften mitbringen. „Eine Begeisterung fürs Theater, für Wagner wäre schon gut“, sagt Beinhauer über die Einstellungsvoraussetzungen. „Sonst hält man’s vermutlich auch gar nicht aus.“ Denn einerseits gehört man mit Überstreifen des mittlerweile grauen Kostüms zu einer Art Familie.

Andererseits sind die Bedingungen auch besonders. Jeder regelmäßige Besucher der Festspiele weiß, wie heiß es auch im Haus werden kann. Jeder Gast weiß, wie sich andere Gäste aufführen können. „Spezielle Gäste“, so nennt Beinhauer die Problempilger in der Schar der Besucher mit aller gebotenen Zurückhaltung. Der ideale Helfer ist gewandt, hat gern mit Menschen zu tun, verbindet eine breite Brust mit einem breiten Kreuz und mit diplomatischen Fähigkeiten.

Selbstbewusstsein und Sprachkenntnisse

Man wird eventuell mit Menschen zu tun bekommen, die zwar keine Karte vorweisen, aber dennoch lautstark und nicht unbedingt höflich ihren Anspruch behaupten, eine Vorstellung sehen zu dürfen. In der Hitze der Festspiele lassen die Torwächter lieber mal eine Plastikflasche mit Wasser zu viel passieren, als dass sie jemandem zumuten möchten, Durst zu leiden.

Aber sie müssen eventuell einem Gast auch klarmachen, dass die Ein-Liter-Glasflasche nicht die ideale Lösung ist – in aller Freundlichkeit. Was ist mit Sitzkissen? Welcher Besucher benötigt Hilfe über das übliche Maß hinaus? „Selbstbewusstsein braucht man schon“, sagt Beinhauer, andererseits auch Augenmaß und ein verbindliches Auftreten: „Wir sind schließlich so etwas wie das Gesicht der Festspiele.“

Und natürlich Problemlöser, die ihre Mission am besten erledigt haben, wenn kaum sie überhaupt richtig bemerkt hat. Was nicht heißt, dass mancher dankbar ist für die Hilfe im Festspielhaus. „Ich bekomme schon auch nette Briefe“, sagt Beinhauer.

Der ideale Helfer an der Tür zählt mindestens 18 Jahre und spricht neben Deutsch mindestens Englisch. „Wir haben eben ein internationales Publikum“, sagt Beinhauer. Mädchen und Jungs können auch über 50 Jahre alt sein – allerdings sollten sie auch unabhängig sein. „Wer kann schon so lange Urlaub nehmen“, fragt Beinhauer.

Dienstältere sollten mindestens vier Wochen Zeit haben, die nicht ganz so Erfahrenen sechs Wochen. Und sie sollten über eine Unterkunft in Bayreuth oder seiner Umgebung verfügen. Eine Quote gibt es nicht, auch wenn Männer in diesem Teil des Arbeitsmarktes noch sehr unterrepräsentiert sind: Nur jeder sechste Helfer am Einlass ist ein Blauer Junge.


Info: Wer sich bewerben möchte – Anfragen und Bewerbungen nimmt Nadja Beinhauer unter folgender E-Mail-Adresse entgegen: einlassdienst@bfm.de.

Nicht bewertet

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