Der Teich, den es gar nicht geben dürfte

Auf Google Maps gibt es ihn gar nicht: Den idyllischen Teich in der Senke am Waldrand gut sechshundert Meter unterhalb des Pendlerparkplatzes bei Neudorf. Und das hat seinen Grund: Der Teich ist eigentlich eine Sickerfläche, von der sich das gereinigte Wasser aus den drei Regenauffangbecken bei der Anschlussstelle Pegnitz einen Weg in den Boden oder über Klüfte und Spalten bis ins Grundwasser bahnen soll.

„Das war eine richtig schöne Oase“

Nur funktioniert das seit Jahren nicht. So haben viele Menschen dort, zwischen Feldern und Wiesen und unweit der Bundesstraße nach Plech, ihren Spazierweg gefunden und viele Tiere (wie Wildenten, Fische, Libellen und Frösche) eine Heimat. „Das war eine richtig schöne Oase“, schwärmt eine Pegnitzerin, die seit 20 Jahren dort mehrmals in der Woche spazieren geht. „Hier war immer richtig was los, oft hörte ich ein Froschkonzert.“ Doch seit ein paar Wochen sei es still geworden um den sonst so belebten Teich. „Man sieht auch keine Frösche mehr. Das ist seltsam.“

Zwei tote Karpfen im Wasser

Die Pegnitzerin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, auch um nicht bei anderen Hundebesitzern anzuecken, entdeckte zwei tote Karpfen im Wasser und etliche kleinere Fische, die hundert bis zweihundert Meter weiter oben im Graben, der als Überlauf des Teichs dient, verendet waren. „Nach jedem stärkeren Regen ist es dasselbe Elend“, schimpft die Frau. Die Fische würden in den mit Gras bewachsenen Graben gespült und fänden dann bei einsetzender Trockenheit keinen Weg mehr zurück. Im Juli vergangenen Jahres sei es einmal besonders schlimm gewesen. Immer wieder rückt die Naturliebhaberin darum mit Kescher und Eimer an und bringt die gestrandeten Tiere zurück in den Teich oder (wenn es sich dabei um Goldfische handelt) in ihre Regentonne, von wo aus sie sie an Interessierte abgibt.

Dunkler Film auf dem Teich

„Die Leute setzen in dem Auffangbecken offenbar auch ihre Goldfische aus, wenn sie sie nicht mehr brauchen können“, hat die Tierfreundin festgestellt. „Mir tun die Fische halt leid. Da kann ich nicht zuschauen.“ Neu war Anfang September ein dunkler Film auf dem Teich. Ob da eventuell Öl oder eine andere giftige Flüssigkeit ins Wasser gelangt sein und die Tiere getötet haben könnte, fragte sich die besorgte Pegnitzerin. Michael Herbst, der stellvertretende Dienststellenleiter der Autobahnmeisterei Trockau und damit zuständig für die Regenauffangbecken bei Pegnitz, winkt ab: „Da kommt relativ sauberes Wasser an“, sagt der Experte.

Nicht ölig und geruchlos

„Ich habe mir die Situation angeschaut. Es machte nicht den Anschein, als ob es etwas Mineralisches, wie Öl oder Diesel, gewesen wäre. Das hätte geschillert. Der Schleier war außerdem nicht ölig und geruchlos.“ Die in festen Abständen stattfindenden Wasseranalysen des Fachbereichs Geologie der Autobahndirektion Nordbayern haben ebenfalls keine Auffälligkeiten gezeigt, ergänzt Thomas Haas, der in Bayreuth den Sachbereich Betrieb leitet. Grundsätzlich seien die Auffangbecken rechts der A 9 in Richtung Nürnberg aber dazu da, Schmutzpartikel, wie Bremsstaub, Gummiabrieb oder nach Unfällen eben auch Öl, die bei Regen von der Straße gespült werden, aufzufangen und zu reinigen, erklärt Herbst.

Nahe am Wasserschutzgebiet

Schließlich sei man dort unweit des Wasserschutzgebiets und zudem im Jurakarstgebiet. Und aus der nahen Quellfassung in Ranna beziehe die Stadt Nürnberg den Großteil ihres Trinkwassers. „In das rechte und das linke Auffangbecken läuft das Abwasser rein“, erläutert der stellvertretende Leiter der Autobahnmeisterei. „Das mittlere Becken ist das eigentliche Rückhaltebecken. Von dort gibt es unter der Bundesstraße eine Verbindung zu dem besagten Teich, der eigentlich eine Sickerfläche ist.“ Dass dort eine beachtliche Artenvielfalt entstanden sei, spreche für die gute Wasserqualität, die am Ende ankomme und freue auch ihn selbst.

Herbst stellt aber auch klar: „Grundsätzlich sind diese Regenrückhaltebecken technische Bauwerke und dazu da, das Wasser zu klären.“ Herbsts Vorgesetzter Haas wird noch deutlicher: „Das ist kein Teich für den Naturschutz. Eigentlich dürfte dort gar kein Wasser stehen.“ Seine Behörde suche darum nicht (wie von den Naturschützern vorgeschlagen) nach Wegen, die Tiere, beispielsweise mit einem Zaun, in dem Becken zu halten, sondern prüfe die Sanierung der Sickerfläche. „Es gab unter anderem schon Ortstermine mit dem Wasserwirtschaftsamt und Bohrungen, um herauszufinden, wo das Wasser wieder versickern könnte“, berichtet Haas. Als belebte Bodenzone habe sich die Fläche im Laufe der Jahre wohl zugesetzt, etwa durch Schlamm und Sedimente. „Wenn die Sickerfläche wieder funktioniert, sind die Tiere früher oder später dem Untergang geweiht“, skizziert Herbst. „Um sie zu retten, müsste man sie umsiedeln.“

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