David Bremblys langer Weg zurück

Schließlich markiert das nur einjährige Gastspiel in Bayreuth gleich mehrere Wendepunkte in der Laufbahn des in Köln geborenen deutsch-polnischen Aufbau- und Flügelspielers. Als Trainer Michael Koch den damals 21-Jährigen für die Saison 2014/15 aus Polen in den Medi-Kader holte, galt Brembly in der BBL als ziemlich unbeschriebenes Blatt. Umso mehr Aufmerksamkeit fand sein steiler Aufstieg zum Leistungsträger mit durchschnittlich 26 Minuten Einsatzzeit, 8,2 Punkten pro Spiel, oft spektakulärer Spielweise und starken Trefferquoten (56 Prozent Zweier, 44,3 Prozent Dreier).

"Bayreuth meine beste Zeit"

Zur Belohnung wurde er nicht nur ins Allstar-Spiel berufen, wo er acht Punkte erzielte, das Finale des Dunking-Wettbewerbs erreichte und den Dreier-Wettbewerb gewann, sondern auch in die A2-Nationalmannschaft. „Ich denke sehr positiv an Bayreuth zurück“, sagt Brembly. „Es war basketballerisch meine bisher beste Zeit in Deutschland. Wir hatten gute Jungs im Team und viel Spaß. Und die Atmosphäre in der Halle war immer toll.“

Diese Einschätzung lässt er sich auch vom unglücklichen Ende der Episode nicht nehmen: Ein Bänderanriss im Fuß setzte Brembly im 30. Spiel vorzeitig außer Gefecht, und damit begann für ihn eine Pechsträhne. Aus dieser Zwangspause heraus konnte er nach dem vermeintlichen nächsten Karrieresprung nach Ulm im dortigen Spitzenteam nicht wie erwartet Fuß fassen (3,6 Punkte im Schnitt), und wegen eines Mittelfußbruchs im April 2016 erlebte er den Playoff-Vormarsch ins Finale nur als Zuschauer. Vom Wechsel nach Bremerhaven versprach er sich nun die Rückkehr in die Rolle eines Leistungsträgers, aber auch diesen Plan durchkreuzte das Verletzungspech: Im August erlitt Brembly einen erneuten Mittelfußbruch an genau derselben Stelle.

Achteinhalb Monate Leidenszeit

„Das war von allen Rückschlägen der schlimmste für mich“, bekennt der Ex-Bayreuther. „Da hat man sich mühsam heran gekämpft, um wieder fit zu werden – mit allem, was keinen Spaß macht, also allem außer Basketball. Und dann muss man wieder von vorne beginnen. Da hatte ich schon auch moralisch ein richtiges Tief.“ Auf achteinhalb Monate habe sich die Leidenszeit ohne Spiel summiert: „Das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Wenn man die ganze Saison spielt und im Sommer auch noch mit der Nationalmannschaft, dann ist man ja immer in Form. Nun musste ich jedoch erkennen, was man alles geben muss, um überhaupt so weit zu kommen.“

Bei der harten Arbeit an Kraft und Kondition habe er lernen müssen, geduldig zu sein und die Ansprüche zurück zu nehmen, wenn man an seine Grenzen stößt. „Darin bin ich ganz schlecht“, sagt Brembly. „Ich will immer alles richtig oder gar nicht. Die Belastung fällt auch schwerer, wenn man sie nicht auf sich nimmt, um besser zu werden, sondern nur um dahin zurück zu kommen, wo man schon war. Und besonders schlimm ist es, wenn man sieht, dass alle anderen Basketball spielen!“

Das Comeback ein Glücksmoment

Immerhin diese Phase liegt nun hinter dem Pechvogel, aber fit ist er noch lange nicht: „Ich habe jetzt keine Schmerzen mehr im Fuß. Dafür tut mir nach dem Training aber mal der Rücken weh, oder mal das Knie – einfach weil ich die Belastung nicht mehr so gewohnt bin.“ Auch aus dem Kopf lasse sich die Erinnerung an die Missgeschicke nicht so einfach vertreiben: „Wenn ich schnell zum Korb ziehen will und sehe viele Füße im Weg, da zucke ich innerlich schon ein wenig zusammen.“ Trotzdem habe er seine ersten 1:51 BBL-Minuten im Eisbären-Trikot bei der 70:85-Niederlage in Oldenburg als Glücksmoment empfunden: „Darauf hatte ich mich gefreut wie ein Kind auf seinen Geburtstag. Und dann war auch noch mein erster Dreier gleich drin!“

In Bayreuth fallen für David Brembly heute sogar Basketball-Glück und Geburtstag zusammen. Wo seine Pechsträhne begonnen hat, könnte es nun auch wieder aufwärts gehen. Doch er hat gelernt, sich bescheidene Ziele zu setzen: „Bis zum Ende der Saison will ich wieder vollkommen da sein, mit allem Spielgefühl und allem Selbstvertrauen. Das wäre ein großer Schritt.“

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