Coburg: Theater in der Diskussion

Die Nachricht schlägt in der Coburger Kulturszene Wellen: Der Stadtrat Thomas Bittorf hat namens der Fraktionen von CSU/JC, Pro Coburg, SBC und seines Kollegen Hans-Heinrich Eidt (FDP) den Antrag eingebracht, auf den Bau einer zunächst auf sechs Millionen Euro veranschlagten Interimsspielstätte zu verzichten. Derzeit läuft eine Ausschreibung; am Donnerstag sollte der Stadtrat eigentlich mehr Geld bewilligen. Beträge werden nicht genannt, Bittorf schreibt aber, dass "acht bis zehn Millionen" Euro realistisch seien. Geplant ist bislang, eine alte Turnhalle umzurüsten.

„Anstatt die alte Angerhalle mit einem temporären Bühnen- und Zuschauerbau zu ergänzen, soll auf eine Interimsspielstätte verzichtet werden", schreibt Bittorf. "Das Landestheater kann an wechselnden Spielorten überdauern.“ In den vier Jahren der Bauarbeiten am Landestheater könnten "in kreativer Weise neue Spielkonzepte entwickelt werden, um nach Wiedereröffnung des Landestheaters langfristig die Auslastung auch mit jüngeren Besuchern zu sichern". Bittdorf kritisiert, dass in Coburg jede "kleinste Position des Haushalts in Frage gestellt" werde, während eine verhältnismäßig kleine, aber durchsetzungsstarke Gruppe bevorzugt werde.

"Sind bereits kreativ"

Anders sehen dies naturgemäß Vertreter des Landestheater. Was alternative Spielstätten betreffe, pflege man seit Jahren bereits eine gewisse Tradition, sagte Schauspieldirektor Matthias Straub. "Man kann nicht sagen, dass wir nicht kreativ seien."Contra gibt auch Ballettdirektor Mark McClain: "Tanz braucht Platz." Auch der zweitgrößte Arbeitgeber Coburgs meldete sich zu Wort. "Die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs im angemessenen Räumlichkeiten halten wir auch während der Übergangszeit für unverzichtbar", sagte Jan Saeger, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Brose Fahrzeugteile. Er appelliert an die Stadträte, dem Vorschlag von Oberbürgermeister Tessmer vorgelegte Konzept zu unterstützen und für eine angemessene Interimsspielstätte einzutreten.

Das Interimsprojekt am Ketschenanger steht durch den Eilantrag aber tatsächlich auf der Kippe. Die Fraktionen der Antragssteller zählen insgesamt 20 Mitglieder. Das ist genau die Hölfte des Coburger Stadtrats.

Teures Haus

Der Freistaat unterstützt Coburgs Theater so großzügig, dass es als drittes Staatstheater gelten darf. Die Beteiligung Bayerns gehört zu den Bedingungen, unter denen sich die Coburger nach dem Ersten Weltkrieg überhaupt erst für den Freistaat entschieden. Bayern bezahlt 40 Prozent des Unterhalts, gibt außerdem eine Bestandsgarantie. Nur so ist in der wenn auch wohlhabenden 40.000-Einwohner-Stadt der Betrieb des anspruchsvollen Dreispartenhauses mit Oper, Sprechtheater und Ballett überhaupt möglich.

Für die Generalsanierung des früheren Hoftheaters werden 65 Millionen Euro veranschlagt, von denen Bayern drei Viertel übernimmt. Ebenso hoch soll der Anteil der Förderung an der Interimsstätte ausfallen.

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