Chromteile glänzten in der Sonne

Beim Spaziergang über den Betriebshof von Vorsitzendem Dieter Wittmann fällt vor allem eines auf: Blitzsaubere Karosserien und blank geputzter Chrom. Viele Liebhaberstücke werden ausschließlich zu Oldtimertreffen gefahren. Sie sind oft an einem 7er-Kennzeichen erkennbar. Ab 30 Jahren ist auch die Beantragung eines historischen Kennzeichens mit einem „H“ hinter den Ziffern möglich. Jedoch müssen diese Autos regelmäßig zur Hauptuntersuchung. Die 7-er-Fahrzeuge hingegen nicht. Sie brauchen nur ein akkurat geführtes Fahrtenbuch, in dem vermerkt wird, wann welche Oldtimertreffen besucht werden. Denn nur für diesen Zweck dürfen die Autos die Garage verlassen.

Ford Capri von 1984

Fritz Ziesemer hat ein solches Fahrzeug. Sein Ford Capri von 1984 ist noch im Originalzustand und hat nie den Eigentümer gewechselt. „Ich bin froh, dass wir in den ersten Jahren eine Hohlraumversiegelung durchführen ließen.“ Seit rund 30 Jahren kam der Kultwagen nicht mehr mit schlechtem Wetter und Streusalz in Berührung. 19.000 Mark hat der Pommelsbrunner für das Auto bezahlt. Laut Gutachten ist es derzeit gut 15.000 Euro wert, wobei echte Liebhaber wesentlich mehr dafür ausgeben würden, weiß Ziesemer.

Von der Polizei hat Hermann Völkl aus Weidenberg vor 50 Jahren für 60 Mark ein Motorrad ersteigert. Es war grün, er hat die DKW RT 250 H von 1953 schwarz lackieren lassen. Von einem Porzellanmaler aus Mitterteich wurde die Maschine laminiert. Völkl ist oft mit seinem Motorrad unterwegs, bevorzugt bei schönem Wetter. Erst im Vorjahr befuhr er mit der 11-PS-Maschine die Großglockner-Hochalpenstraße. „Bei den Hauptuntersuchungen fehlt nichts. Eine Garage ist halt wichtig“, sagt er.

Über 3000 Arbeitsstunden

3070 Arbeitsstunden in sieben Jahren investierte Thomas Schmitt aus Glashütten für die aufwändige Restaurierung eines Opel Olympia von 1950. Und er hat rund 45.000 Mark in das 1990 für 4.000 Mark gekaufte Auto gesteckt. „Ersatzteile gibt es auf dem Markt nicht mehr. Ich brauchte auch einen neuen Motor.“ Der gelernte Maler hat die Restaurierung in Fotos festgehalten. Er hatte jede Schraube mindestens einmal in der Hand, erzählt er. Und – weil es so schön war – kaufte er sich das gleiche Automodell von 1951. Dieses hat nicht mehr das Reserverad am Heck, sondern einen echten Kofferraum. Schmitt hat das Auto halbiert und einen Anhänger gebaut. Früher war er häufig bei Oldtimertreffen und heimste zahlreiche Pokale ein. Jetzt fährt er nicht mehr so oft. Nach jeder Ausfahrt werde herumgeschraubt, werden Schmiermittel „verabreicht“ oder unklaren Geräuschen nachgegangen. Schmitt besitzt auch den einzigen Piaggio Sattelzug, der in Deutschland zugelassen ist. Diesen habe er als Schnäppchen gekauft und in 1.000 Stunden hergerichtet. „Dafür gehe ich nicht ins Wirtshaus“, lacht er.

Pech war es für das MSC-Team, dass es kurz nach Mittag zu nieseln begann, der in leichten Dauerregen überging. Die Autobesitzer hatten dieses Mal mehr Arbeit beim Putzen und Polieren, als es bei gutem Wetter nötig gewesen wäre. „Viele schauen am Morgen aus dem Badfenster und überlegen dann, ob sie teilnehmen“, weiß der MSC-Vorsitzende. In zwei Jahren möchte der MSC, der 2018 sein 50-jähriges Jubiläum feiert, eine Oldtimer-Ausfahrt organisieren. Am idealsten bei trockenem Wetter.

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