Bravourstücke am Horn

Der Auftakt zu diesem Konzert war klug gewählt: Robert Schumanns „Adagio und Allegro in As-Dur für Horn und Klavier“. Damals als Experiment gedacht, geschaffen für das gerade entwickelte Ventilhorn, ein Werk, also, in dem sich das neu „erfundene“ Horn in all seiner Klangvielfalt präsentieren sollte. So ist hier das sonore tiefe Register ebenso gefordert wie das sich virtuos darstellende hohe. Dazu die Fähigkeit, das Horn quasi singen zu lassen.

Sicherheit an einem

Für den jungen Solisten des Abends, Felix Klieser, so hörte es sich zumindest an, ist all das keine Herausforderung, sondern wirkt wie absolut gesetzt. Und exakt das war auch das Verblüffende an diesem Donnerstagabend im leider sehr schwach besuchten Kulturzentrum: die Sicherheit, mit der Klieser sein überaus heikel zu spielendes Instrument zu handhaben weiß. Da saßen nicht nur die Töne – bei diesem Instrument ist das durchaus nicht selbstverständlich -, da war auch eine klar formulierte musikalische Linie auszumachen. Die für Schumann typischen, teils wild aufbrausenden Gefühlsaufschwünge, die im Gegensatz dazu leise gesetzten, fast schon versonnen anmutenden Kantilenen, etwa – Klieser ließ einfach, all sei es das Natürlichste der Welt, sein Instrument sprechen. Brillant!

Und so ging es wie an der Schnur gezogen durch den Abend. Ob Paul Dukas „Villanelle für Horn oder Klavier“, ob Reinhold Glières „Vier Stücke für Horn und Klavier“, Kliesers ausgesprochen romantisch geformter Klang beherrschte den Raum. Fast zumindest. Was vor allem an Christof Keymer lag. Denn dieser interpretierte seinen Klavierpart doch recht eigenwillig, sprich, über weite Strecken einfach zu hart und viel zu laut.

Manchmal geht's auch gegeneinander

Den weithin tragenden Ton eines Horns zuzudecken, quasi unhörbar zu machen, dafür muss man auch an einem Flügel gehörig in Tasten greifen! Und so hatte man zumindest bei der Beethoven-Sonate für Klavier und Horn Op. 17 sowie der eigentlich wunderbar ausbalancierten „Sonate für Horn und Klavier in F-Dur“ Paul Hindemiths den Eindruck, hier spielen nicht zwei Musiker miteinander, sondern zumindest unausgesprochen nebeneinander. Die bei beiden Werken jeweils detailliert ausgefeilten Strukturen, die umeinander kreisenden Phrasen, das Spiel mit Frage und Antwort, der Reiz des Gegensätzlichen, all dies verlor sich im leider viel zu oft im Klanggetümmel des Flügels. Dagegen wirkte Kliesers Spiel hier stellenweise fast schon verschüchtert.

Und so geriet die Zugabe des Abends zum eigentlichen Machwinner: Camille Saint Saens „Romanze für Horn und Orchester in F-Dur“. Eine kleine, feine, fast schon walzerartig beschwingte Melodie, dezent am Flügel begleitet in zarten, aber pointiert gesetzten Akkorden. Hier stimmte die Balance wieder, Kliesers Horn sang und Keymer besorgt in Zurückhaltung einen wohligen Klangteppich. Das Publikum dankte es mit herzlichem Applaus.

Nicht bewertet

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Veranstalter war die "Mozartgesellschaft Bayreuth".