Auch Aufseßgruppe sauer auf Pirkelmann

Zwei Äußerungen des Waischenfelder Bürgermeisters sind es vor allem, die Borchert sauer aufstoßen. So könne keine Rede davon sein, dass die Kommune Aufseß ein zweites Standbein brauche, weil sie Probleme mit ihrer Quelle und der dort produzierten Wassermenge habe. Es gehe nur darum, gesetzliche Vorgaben umzusetzen und zugleich ein zum 30. Juni ausgelaufenes Förderprogramm zur interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich der Wasserversorgung auszunutzen. Und das von der Gemeinde Aufseß beauftragte Planungsbüro habe nun einmal berechnet, dass ein Anschluss an die Aufseßgruppe an die Juragruppe die wirtschaftlichste Lösung sei.

Zahlen nicht vorenthalten

Dass den Verbandsräten der Aufseßgruppe bei der Aufnahme von Aufseß die Zahlen der Juragruppe vorenthalten worden seien, stimme auch nicht: „Die waren nicht entscheidungsrelevant, letztlich geht es um die Endsummen.“ Die Juragruppe habe nur eine Kostenermittlung, eine Kostenschätzung präsentiert, während für den Verbund mit der Aufseßgruppe konkrete Zahlen vorlagen, so Borchert.

Hümmer: Sehr wohl konkrete Zahlen

Edmund Pirkelmann, stellvertretender Vorsitzender der Juragruppe, und deren Werkleiter Hans Hümmer bestreiten diese Aussagen. Mit Blick auf das zweite Standbein sagt Pirkelmann: „Das war keine freiwillige Aktion, die Regierung hat die Gemeinde dazu gedrängt, ein zweites Standbein aufzumachen.“ Und Hümmer zum Thema Zahlen: „Das waren sehr wohl konkrete Berechnungen, da wurde bei uns auch noch nie etwas gravierend teurer, unsere Zahlen haben schon immer gepasst.“

Tatsachen verfäscht?

Werner Borchert attestiert Bürgermeister Pirkelmann, er interpretiere Tatsachen im eigenen Interesse und damit im Interesse der Juragruppe – indem er sie verfälsche. Das will Pirkelmann so nicht auf sich sitzen lassen. Gut, er habe in der Verbandsversammlung der Aufseßgruppe gegen die Aufnahme von Aufseß gestimmt. Aber er trage letztlich den im Jahr 2015 gefassten Beschluss zum Verbund der Aufseßgruppe mit der Wiesenttalgruppe mit – „auch wenn ich damals ausdrücklich darauf hingewiesen habe, man müsse auch eine Versorgung von Aufseß mit überprüfen und da meine Bedenken hatte. Ich habe auch beantragt, diese Bedenken dem Protokoll der Sitzung beizufügen.“

Nicht gegen Interessen der Aufseßgruppe handeln

Doch nachdem der Anschluss von Aufseß damals noch kein konkretes Thema war, stehe er „natürlich“ auch hinter der Entscheidung von damals: „Sonst würde ich ja gegen die Interessen der Aufseßgruppe handeln und sie damit schädigen, das geht gar nicht.“

Die Zweifel bleiben

Dies ändere aber nichts an seinen Zweifeln, on der Wasserversorgungsverbund im Fall eines Spitzenverbrauchs wirklich alle Abnehmer auch tatsächlich versorgen können: „Würde ich da, wie mehrfach gefordert, eine klare Aussage der Regierung oder des Wasserwirtschaftsamtes bekommen, wäre ich zufrieden und müsste damit leben.“ Unabhängig davon, dass er immer noch davon überzeugt ist, dass ein Anschluss von Aufseß an die Juragruppe günstiger komme. Was wiederum Werner Borchert vehement verneint: Die Juragruppe sage nicht, welche Kosten letztlich auf den Endverbraucher zukämen. Bei den Zahlen der Aufseßgruppe wisse man das sehr genau.

Was das Wasserwirtschaftsamt schreibt

Pirkelmann verweist auf ein Schreiben des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Hof vom 16. Mai, das der Redaktion vorliegt. Darin heißt es zum einen, nach den „nachvollziehbaren Berechnungen des Ingenieurbüros ist der Anschluss an die Aufseßgruppe wirtschaftlicher herzustellen als der Anschluss an die Juragruppe“. Es heißt aber auch mit Blick auf die Versorgungssicherheit: An Tagen mit Spitzenverbrauch könne es zu Einschränkungen kommen.“ Um diesen „allerdings sehr unwahrscheinlichen Lastfall abdecken zu können“, müssten die Anlagen der Aufseßgruppe umgebaut oder erweitert werden. Falle der Brunnen der Gemeinde Aufseß aus, dürfte der Brunnen der Aufseßgruppe für eine zuverlässige Wasserlieferung für alle Verbraucher ausreichen. Bürgermeister Pirkelmann ist das nicht genug. Er will eine absolute Sicherheit: „Und die konnte mir bisher noch niemand bestätigen.“

Eine Kurier-Anfrage an die Regierung wurde gestern bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

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