Arbeitsplatz in 60 Metern Höhe

Schwindelfrei muss man schon sein, wenn man mit einem Seil gesichert direkt an der Burgmauer hängt. Unter den Füßen geht es senkrecht gewaltig nach unten. Martin Wölfel, Geschäftsführer der beauftragten Gößweinsteiner Firma: „Wir haben uns auf so was spezialisiert. Das ist für uns nichts Neues“. An der Burgwand hängt einer der Industriekletterer.

Risse und Spalten

Oder er steht auf einem Metallausleger. Mit einer Kelle in der Hand. Er bessert Risse und Spalten aus, die der Zahn der Zeit an dem alten Gemäuer hinterlässt - jedes Jahr kommen neue dazu, und jedes Jahr, spätestens alle zwei Jahre, kommen neue hinzu. Genauso wie Büsche, die sich einfach von selber ansäen, und die mit ihren Wurzeln der Burgsubstanz zusetzen.

„Früher habe ich solche Sachen selber gemacht. Ich bin da ohne Sicherung und ohne Seil an der Burgmauer entlang. Aber mit meinen knappen 60 Jahren kann ich das einfach nicht mehr. Und außerdem hat mir meine Frau schon vor vielen Jahren ausdrücklich verboten so etwas noch einmal zu machen“, schmunzelt der Burgbesitzer Freiherr Thilo von Winzingerode und sich der Gefahr solcher Arbeiten in schwindelerregender Höhe durchaus bewusst.

Kleinere Instandhaltungen

Kleinere Instandhaltungen macht man zwar immer noch selber, wie etwa auf dem Burggelände einen Baum abzusägen, dafür hat man hier auch einen Gärtner, aber direkt am Abgrund zu arbeiten, dafür braucht es dann eben doch Profis.

Früher, so Winzingerode, hatte die Pottensteiner Bergwacht auch ab und zu geholfen. Dann waren es die Mitglieder der Bergwacht, die gesichert an der Burgmauer und an den Felsen unterhalb gearbeitet hatten. Doch das ist schon lange Vergangenheit. Winzerode: „Das alles ist natürlich nicht ganz billig. Es sind schon ein paar tausend Euro, die diese Arbeiten kosten. Andere kaufen sich für den Betrag etwa eine neue Heizung für ihr Haus“. Es sind dabei diese kleinen Arbeiten, die die Besucher gar nicht bemerken. Und auch nicht die ganzen Touristen, die immer wieder über das Bauwerk hoch oben auf dem Felsen, und das ein Inbegriff der Fränkischen Schweiz ist, staunen.

Zwei Tage lang dauern hier die Arbeiten, wenn das Wetter passt. Und bevor sich Wölfel mit einer Kettensäge, die an einem Karabiner am Hosenbund befestigt ist, sich an einem Sicherungsseil einklinkt um Büsche an der Burgmauer zu entfernen sagt er: „Wir sind so ausgebildet, dass wir in allen Höhen arbeiten können. Dafür haben wir auch verschiedene Handwerksberufe bei uns. Zimmerer, Stukateure, Mauerer oder Metallarbeiter. Aber Höhenangst darf man natürlich auf keinen Fall haben.“

     

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