Altes Rathaus wird saniert

Das Innere des Alten Rathauses hat sich bereits teilweise in eine Ansammlung von kleinen und großen Abraumhaufen verwandelt, obwohl der sechsköpfige Arbeitertrupp, der für die Entkernung zuständig ist, erst seit einer guten Woche in dem Gebäude tätig ist.

Barrierefreiheit

In Rechteckform herausgebrochene Bodenfliesen und -steine lassen erahnen, wo später der neue Aufzug stehen soll, der zentraler Bestandteil des Konzepts zur Barrierefreiheit ist: Künftig können auch Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen oder einfach nicht gut zu Fuß sind, problemlos die oberen Stockwerke mit dem großen Saal und den Büros erreichen.

Kosten: 1,275 Millionen Euro 

Zu der kompletten Innenraum-Sanierung des Alten Rathauses, die laut Auskunft des stellvertretenden Pegnitzer Bürgermeisters Wolfgang Nierhoff insgesamt 1,275 Millionen Euro kosten soll, gibt es aus Mitteln der Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepte in der Städtebauförderung (Isek) eine Förderung von 889 700 Euro dazu – „sonst wäre das für die Stadt wohl nicht zu stemmen gewesen“, erklären Nierhoff und der Pegnitzer Architekt Markus Geppert.

Schönes Trauzimmer

Nach der Sanierung kehrt nicht nur das derzeit (wie berichtet) ins Bürgerzentrum „ausgelagerte“ Einwohnermeldeamt mit seinen Büros zurück ins Alte Rathaus – auch das Standesamt soll hier einziehen. Ein schönes Trauzimmer wird eingerichtet. Der große Saal wird das Prunkstück des Alten Rathauses werden. Das Fachwerk, das bei der ersten Entkernungsaktion in den 1970er Jahren unter einer dicken Schicht Putz verschwunden war, wird freigelegt und unterstreicht den historischen Charakter des Gebäudes.

Kaum denkmalgeschützte Substanz

Die damaligen Umbauarbeiten, so unsensibel sie aus heutiger Sicht vorgenommen wurden (unter anderem ging es damals darum, die maroden Holzbalken mit Stahlträgern zu unterstützen, neue Elektrik und ein neues Treppenhaus einzubauen), haben einen zentralen Vorteil: „Auf den Denkmalschutz müssen wir innen praktisch keine Rücksicht mehr nehmen, weil damals praktisch kaum denkmalgeschützte Substanz übrig blieb“, sagt Architekt Markus Geppert.

Was vom Fachwerk doch noch da ist, wird in ein stimmiges Gesamtkonzept eingebunden. Dazu gehört, dass im Erdgeschoss nicht nur die im Zuge der seinerzeitigen Sanierung eingezogenen Zwischenwände „dran glauben“ müssen, auch der Rundbogen-Eingang auf der Platzseite wird wiederhergestellt, damit das Alte Rathaus in Zukunft von vorne betreten werden kann. Dies erleichtere auch den Zugang zu den öffentlichen Toiletten, betont Bauamtsleiter Manfred Kohl. Der „neue alte“ Zugang passt zu der Vorgabe der Denkmalschützer, die historische Fassade des Alten Rathauses möglichst originalgetreu zu belassen – nun werden sogar die Bausünden vergangener Generationen weitgehend rückgängig gemacht. Genau so wichtig war es, so Geppert, das Gebäude auf den aktuellen Stand in Sachen Energieeinsparung zu bringen. Das Spitzgiebel-Dach wurde beispielsweise bis dato nie isoliert – „da heizten wir für die Straße“, bemerkt Wolfgang Nierhoff selbstkritisch. Auch die Heizungsanlage wird neu gemacht, von der Elektrik ganz zu schweigen: Schaut man sich die selbst bei gutem Willen nur als „abenteuerlich“ zu bezeichnende Hausstrom-Verkabelung des Alten Rathauses an, dann kann man sich nur wundern, dass der Bau in den vergangenen 40 Jahren nicht das Opfer eines Brandes wurde.

Die Kabel wurden seinerzeit mit einfachen Klammern mehr oder weniger direkt auf die Holzbacken „genagelt“. An einer Wand des großen Saals hält ein zweckentfremdeter Zollstock das Kabelbündel. Über diesen „Verhau“ kam eine dünne Putzwand. Ganz offensichtlich musste es damals im Hinblick auf die Wiedereröffnung schnell gehen, denn auf einem der Stahlträger blieb sogar eine (leere) Flasche Bier stehen, bevor die Konstruktion mit einer dünnen Gips-Zwischendecke vor neugierigen Blicken verborgen wurde.

Um den per Gesetz vorgeschriebenen Abstand zum neuen Lift einzuhalten, wird auch das Treppenhaus abgerissen und durch eine Neukonstruktion ersetzt, die zugleich die Öffnung des Rundbogen-Eingangs ermöglicht, weil sie weniger Platz benötigt und die Zwischenplattform an anderer Stelle hat.

Auch die Statik muss nach Auskunft von Architekt Geppert nachgebessert werden, obwohl die Stahlträger aus den 1970ern nach aktuellen Messwerten stabil sind.

Nicht bewertet

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