Als Meuchelmörder am Forggensee

Er war der Schwanenritter, er war Parsifal, Siegfried, Walter von Stolzing und Tristan. Und noch einiges mehr. Und nun? Ist René Kollo ein Meuchelmörder. Genauer: der Schattenmann. Im neuen Kini-Musical in Füssen.

Im Musicalhaus am Ufer des Forggensees spielt der große Bayreuther Tenor der 70er und frühen 80er die unheimliche Gestalt, die den König der Bayern in sein nasses Grab im Starnberger See befördert. „Ich dachte ja eigentlich, dass Ludwig II. Selbstmord begehen wollte und den Gudden mit sich zog“, sagt Kollo. Das Musical erzählt es anders, nach der Version der königstreuen Guglmänner. Demnach wurde Ludwig II. von einer Kugel getötet, sein Arzt von Gudden aber erwürgt, weil er Zeuge der Mordtat geworden war.

"Eine Büchse in der Hand"

Faszinierend, dieser Märchenkönig. Um so überraschender, dass das Musical, das an diesem Wochenende anläuft, schon der dritte Versuch ist, endlich ein Kini-Musical in Ludwigs Lieblingslandschaft zu etablieren. „Ludwig² – Der König kommt zurück“ heißt diese neue Version. Die Hauptrolle übernimmt Matthias Stockinger. Anna Hofbauer spielt die „Sisi“, Uwe Kröger den Psychiater Dr. Gudden. Und Hügel-Legende René Kollo steht eben als Schattenmann auf der Bühne, am Premierenwochenende und dann nach einer kurzen Pause im September wieder. „Ich singe nur ein Lied, das übrigens recht gut ist, und ich habe eine Büchse in der Hand.“

Abendfüllend sind hingegen Kollos Einsätze im Renaissance Theater Berlin. An der Seite von Karan Armstrong, Ute Walther und Victor von Halem spielt er in „Quartetto“: Um vier frühere Stars der Sangesszene geht es da, die im Altersheim auf unterhaltsamste Art über frühere Bühnentriumphe und Jugendsünden sinnieren. Und am Ende das große Quartett aus Verdis „Rigoletto“ singen. „Ein Riesenerfolg“, sagt Kollo, „die Leute hören gar nicht auf zu klatschen.“

Wagner lugt dem König über die Schulter

Seine Rolle im Ludwig-Musical hat Kollo aus Solidarität übernommen. „Das Haus soll geschlossen werden, weil es Pleite gegangen ist, und da hab ich mir gedacht, denen sollte man helfen.“ Das Festspielhaus war Ende der 1990er Jahre eigens für ein Musical über den legendären Bayernkönig gebaut worden. Doch dann folgten mehrere Pleiten. Inzwischen hat auch das Festspielhaus Insolvenz angemeldet. Die Wiederaufnahme von „Ludwig²“, für das unter anderem Konstantin Wecker die Musik geschrieben hat, ist davon nicht betroffen: Der Stuttgarter Regisseur Benjamin Sahler, Initiator der Neuauflage, hat den neuen Anlauf über Crowdfunding finanziert.

Ein spannendes Drama sei das Musical, sagt Kollo, „im zweiten Teil des Abends sogar brillant“. Eines hat er dennoch zu bemängeln: Wagner könnte eine wichtigere Rolle in diesem Drama um seinen größten Förderer spielen. Wagners Antlitz beherrscht zwar als Riesenrelief im Hintergrund die Bühne – doch das war’s.

Ein Missverständnis

Wagner war und bleibt Kollos Lebensthema, das bewies er im vergangenen Jahr, als er in der Markgrafenbuchhandlung sein Buch „Richard Wagner ...dem Vogel, der heut sang“ vorstellte. Und auch über Wagners Verhältnis zu Ludwig hat er seine eigene Meinung. „Ein Missverständnis“, sagt er. „Ludwig war nur daran interessiert, ein absoluter, ein gottgesalbter König zu sein. So wie’s im Lohengrin erzählt wird. Wagner  wollte etwas ganz Anderes.“

Wagner, der ehemals linke Revolutionär. Und Ludwig, der von mittelalterlichen Monarchie und Weihe träumte - das konnte nur im Traum zusammengehen. Und in der Oper. Wie wichtig der „Lohengrin“ für Ludwig II. war, sieht man an Neuschwanstein, dem Märchenschloss in Sichtweite des Musicalhauses: Ludwig ließ es bauen, um seinen Träumen vom Schwanenritter nachzuhängen. So wie ihn René Kollo einst verkörperte.

Und die Premiere

Nachsatz: Mittlerweile ist die Premiere gelaufen - und das Volk ist, so die dpa,  "begeistert: Mit minutenlangem Applaus und Jubelrufen ist das neu arrangierte Musical „Ludwig²“ am Donnerstagabend im Festspielhaus Füssen vom Premierenpublikum gefeiert worden".

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06