Abschiebehaft statt Ausbildung

Er ist verzweifelt. In einem Telefongespräch am Montagnachmittag äußert sich Smeelkeil entsetzt über das Vorgehen der bayerischen Sicherheitskräfte: Am 10. Mai hätten sie ihn von der Straße weg verhaftet. Er habe nichts mitnehmen könne, seine ganzen Unterlagen, seine Kleidung und alles, was ihm lieb ist, sei in seiner Wohnung in Kulmbach zurückgeblieben.

2010 sei er nach Deutschland gekommen, berichtet er. Erst nach Karlsruhe, dann nach Zirndorf und von dort nach Kulmbach. Solange er jetzt in Kulmbach lebte, habe er sich bemüht, Arbeit zu finden. Er durfte aber nicht arbeiten. Er habe sich bemüht, Deutsch zu lernen und habe Kurse besucht, um sich rasch zu integrieren. Er habe in der Flüchtlingsunterkunft geholfen wo er konnte, habe als Dolmetscher für andere Flüchtlinge gedient.

Dank an den Chef

Sehr dankbar ist Smeelkeil seinem Chef Alexander Meile, der ihm nicht nur die Chance einer Ausbildung gegeben, sondern auch eine Wohnung verschafft habe. Er versteht das Vorgehen der Behörden nicht, zumal vor der Verwaltungsgericht Bayreuth noch seine Klage in Sachen Bleiberecht anhängig ist: „Die sollten doch wenigsten warten, bis das Gericht entschieden hat.“

So wie Saheel Smeelkeil es darstellt, wurde er zu unrecht im Zuge eines Strafverfahrens wegen Körperverletzung zu 130 Tagessätzen verurteilt. Er habe die Ladung zu der Verhandlung nicht erhalten, weil er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Asylbewerberunterkunft gewohnt habe. Das Gericht habe ihm die Strafe aufgebrummt, da er nicht zur Verhandlung erschienen ist.

Jetzt steht seine Abschiebung unmittelbar bevor und Smeelkeil hat Angst: „Niemand hilft mir. Wenn ich nach Kabul komme, habe ich niemanden, ich muss auf der Straße schlafen. Ich komme aus Masar-e-Scharif. Meine Familie habe ich auf der Flucht in Griechenland aus den Augen verloren, ich weiß nicht wo sie sind. Wenn sie mich in Kabul erwischen, habe ich keine Chance. Leute, die aus dem Westen zurückkommen, sind den Fanatikern verhasst.“

Alexander Meile, Chef des gleichnamigen Haustechnikunternehmens in Kulmbach, ist enttäuscht von den Behörden, „die nur nach Zahlen entscheiden und nicht auf die Menschen schauen.“ Saheel Smeelkeil habe sich in die Schule sehr bemüht, obwohl er große Defizite hatte. Er habe inzwischen nahezu perfekt Deutsch gesprochen. Vor Beginn der Ausbildung habe er ein einjähriges Praktikum in der Firma Meile absolviert. Smeelkeil habe eine eigene Wohnung, nachdem er zuvor fast sechs Jahre in einer Asylbewerberunterkunft gelebt hatte. Meile wusste auch von einer Verurteilung des jungen Mannes. „Als er Monate später angegriffen wurde, hat er sich verprügeln lassen, ohne sich zu wehren.“ Er hatte Angst vor einem neuen Strafverfahren, berichtet der Ausbilder.

Als Musterfall gelobt

Im Juni 2016 gab es eine Informationsveranstaltung der Arbeitsagentur im Landratsamt Kulmbach berichtet, bei der Saheel Smeelkeil und sein Werdegang in der Firma Meile als Musterfall für eine gelungene Eingliederung junger Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt dargestellt wurde, „Für beide Seiten ist das ein Gewinn“, hieß es damals.

Bei der Informationsveranstaltung hatten der Chef der Arbeitsagentur Bayreuth/Hof, Sebastian Peine, und Teamleiterin Birgit Obermaier die Möglichkeiten und die Bemühungen der Arbeitsagentur für die Integration junger Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt dargestellt. Teamleiterin Obermaier hatte die Firma Haustechnik Meile ein „gelungenes Beispiel“ dafür, wie ein Betrieb die Integration eines Asylbewerbers bewältigt habe, genannt. Jetzt berichtet Alexander Meile, dass im Frühjahr 2017, rund 18 Monate nach Beginn der Ausbildung, völlig überraschend die Arbeitserlaubnis von der Regierung von Oberfranken widerrufen wurde, der Ausbildungsvertrag ruhe jetzt. In seinem Unternehmen habe es eine Unterschriftenaktion gegeben, um die Abschiebung doch noch zu verhindern.

Oberbürgermeister Henry Schramm teilte zum Fall Smeelkeil am Montag mit: „Seit Herr Smeelkeil hier in Kulmbach ist, ist er auch regelmäßig mit seinen Anliegen zu uns ins Rathaus gekommen. Wir konnten ihn als aufgeschlossenen, hilfsbereiten und höflichen jungen Mann kennen lernen und haben ihn – wo es nur möglich war – immer unterstützt. Erfreulicherweise hat er es schließlich auch geschafft, eine Lehrstelle in unserer Stadt zu bekommen. Nun ist es aber so, dass es eine gerichtliche Entscheidung gibt. Damit sind uns jetzt auch die Hände gebunden, so bedauerlich natürlich das im Einzelfall ist.“

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