In 81 Kostümen um die Welt

Mal klingelt das Telefon, weil die Bananenattrappen abhandengekommen, die aber unbedingt auf die Bühne gehören, dann wieder ist irgendwas mit den Kostümen. Dominik Kern gibt sich am Smartphone Mühe. Er meldet sich mit kräftiger Stimme, gibt in kurzen Sätzen Auskunft, nickt, beendet das Gespräch. Und winkt endlich ab: „Ich bin jetzt vor allem eines: richtig müde.“

Proben bis 3 Uhr in der Nacht

Wie’s halt so ist, wenn die Studiobühne ins Freie umzieht, man probt, man baut auf, vor allem aber bringt man die Scheinwerfer in Stellung. Hört sich einfacher an, als es ist, benötigt aber Geduld und vor allem Dunkelheit. Weswegen die Scheinwerferprobe der regulären Probe folgt. „Bis drei Uhr nachts haben mich die Mücken aufgefressen“, sagt Kern.

"Respekt vor der Kostümbildnerin"

Klingt, als wollten der Regisseur und seine Mitstreiter die Mühsal nachempfinden, der sich Phileas Fogg und sein Diener Jean Passepartout auf ihrer Reise „In 80 Tagen um die Welt“ unterzogen haben. Am Samstag, 3. Juni, ist Premiere, und damit wird die Studiobühne womöglich sogar einen Rekord aufgestellt haben. „Ich glaube, was die Kostüme betrifft, ist es die aufwendigste Produktion der Studiobühne bislang.“ Es sind mehr Kostüme als Tage, genauer: 81. Und 13 Schauspieler sind es, die sich immer wieder neu in Schale werfen. „Da muss ich unserer Kostümbildnerin Heike Betz meinen Riesenrespekt aussprechen.“ Zwei Helferinnen werden während der Aufführungen hinter der Bühne parat stehen, damit nicht ein Akteur ins falsche Kostüm schlüpft. Vor allem bei Passepartout: Im Roman ist der Diener ein wahrer Verkleidungskünstler, der mit seiner Improvisationskunst die Wetthoffnungen seines Herrn am Leben erhält.

Wie bringe ich eine Reise auf die Bühne?

Jules Vernes berühmter Roman erschien 1873, schon ein Jahr später gab’s die erste Bühnenfassung. Ein Problem ist in diesen 145 Jahren gleichgeblieben: Wie erzählt man eine Geschichte von Welt und Tempo in einem so statischen und beschränkten Raum wie einer Theaterbühne?

„Wir fassen die Geschichte als Abenteuerkomödie auf“, sagt Kern, „als Bilderbogen, nicht so sehr als Geschichte mit durchgezogenem Spannungsbogen.“ Die Bilder seien nicht realistisch nachgebildet, sondern eher "spielzeughaft-ironisch", sagt Kern. Ruth Pulgram zeichnet dafür verantwortlich.

Man darf außerdem Slapstick und Komik erwarten, auch dank Kommisar Fix’s, der als „heimliche Hauptfigur“ in Phileas Fogg einen Bankräuber vermutet und ihm rund um die Welt nachreist. Frank Ammon spielt den Phileas Fogg, Jürgen Fickentscher den Passepartout, Oliver Fepp den Kommissar Fix und Alix Hofmann die Prinzessin Aouda, der Phileas Fogg und Passepartout in Indien das Leben retten. Die Wettreise endet bekanntlich wider Erwarten: Ausgerechnet der nüchterne Phileas Fogg verliebt sich in Aouda. Und ausgerechnet er verrechnet sich – und gewinnt seine Wette dadurch doch noch. Das ganze Leben ist unberechenbar – und damit dem Theater höchst ähnlich. Wie diese Reise endet – am Samstag kann man’s erfahren.

INFO: Premiere am Samstag, 3. Juni, 20 Uhr, Eremitage; Termine im Juni: 10., 14., 22., 24., 27. und 29, weitere Termine im August.

Nicht bewertet

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